Besuchermagnet Steinmetzmeister baut Heimat im Miniformat

Jan Lorenz betreibt in Wehlen den Miniaturpark Sächsische Schweiz. Mit Ideenreichtum und handwerklichem Improvisationstalent erschafft der Steinmetzmeister den deutschen Teil des Elbsandsteingebirges im Kleinformat. Rund 30.000 Gäste bestaunen die Anlage zwischen März und Oktober. Und sie finden immer neue Attraktionen.

Jan Lorenz im Miniaturpark
Das jüngste Modell im Miniaturpark ist der Schifferumzug. Die Brücke aus Sandstein sowie die Häuser hat Jan Lorenz gebaut. Die Figuren entstanden in Zusammenarbeit mit Plastiker Leopold Dietrich per 3D-Druck. - © Handwerkskammer Dresden/Daniel Bagehorn

Wenn der Interflug-Düsenjet über die Burganlage Wehlen braust, Richard Wagners Lohengrin im Nebel an den Sandsteinfelsen erklingt und eine Parkeisenbahn zwischen der Festung Königstein und einem Schifferumzug in Schmilka tuckert – dann ist man mitten im Miniaturpark Kleine Sächsische Schweiz. Die Parkanlage mit einer Fläche von 8.000 Quadratmetern und 67 Miniaturen ist das Freilichtmuseum der Region.

2.000 Bonsaibäume

Betrieben wird das Kleinod von Steinmetzmeister Jan Lorenz und seinen neun Angestellten. "Unsere Miniaturlandschaft ist einmalig", freut sich der 43-Jährige und verweist auf die zahlreichen Nachbildungen bekannter Fels- und Landschaftsformationen, die selbstfahrenden historischen Verkehrsmittel sowie die gärtnerische Parkgestaltung. "Mit über 2.000 Bonsaibäumen in der Anlage sind wir auch Europas größter Bonsaiwald", so der Handwerksmeister stolz.

Gefragte Sandsteinsouvenirs

Dass er als gelernter Steinmetz heute in Stadt Wehlen den Miniaturpark betreibt, liegt an der Idee, die sein Vater Michel Lorenz Ende der 1990er in die Tat umsetzte. "Angefangen hat alles damit, dass wir als Familie noch im heimischen Keller mit selbstgebauten Werkzeugen Erinnerungsstücke und Reiseandenken, zum Beispiel Nationalparksteine und Postmeilensäulen aus Sandstein, hergestellt hatten", berichtet Jan Lorenz. "Weil die Nachfrage nach den Sandsteinsouvenirs stetig wuchs und auch der ein oder andere Auftrag nach größeren Felsminiaturen eintraf, entstand die Idee mit dem Miniaturpark."

Unmittelbar neben einer Gaststätte in einem ehemaligen Steinbruch wurde dieser 1998 eröffnet und 2008 auf 8.000 Quadratmeter erweitert. "Ich war schon als Jugendlicher beim Herstellen der Felsminiaturen dabei. Also habe ich auch den Beruf eines Steinmetzes erlernt, um schließlich 2011 die Geschäftsführung des Parks von meinem Vater zu übernehmen", sagt Jan Lorenz.

Steinmetzmeister Jan Lorenz
Der Steinmetzmeister Jan Lorenz ist auch Mitglied der Dresdner Innung. - © Handwerkskammer Dresden/Daniel Bagehorn

Technik und Einfallsreichtum

Heute besuchen rund 30.000 Gäste die Anlage zwischen März und Oktober. Sie sehen dabei weit mehr als bloße Nachbildungen in Klein. Denn hinter vielen Miniatur-Modellen stecken jede Menge Technik und Einfallsreichtum. So zum Beispiel beim sechs Meter langen Schifferumzug, dem jüngsten Modell im Miniaturpark. Zu sehen ist hier neben einer großen sandsteinernen Brücke und den bunten kleinen Häusern Schmilkas, auch eine Parade von Binnenschiffern und Honoratioren aus der Region. Die bunten, lebensecht aussehenden Figuren entstanden im 3D-Drucker und mit Airbrush-Verfahren zusammen mit dem Plastiker Leopold Dietrich. Per Knopfdruck setzen sie sich in Bewegung über einen unterirdischen Riemen.

Neben viel Herzblut steckt hinter solch einem Modell immer auch jede Menge handwerklicher Arbeit. "Am Anfang steht immer eine Idee und dann überlegen wir, wie wir sie Schritt für Schritt Realität werden lassen. Neben der Steinbildhauerei habe ich inzwischen auch das ein oder andere drauf in Sachen Steuerungstechnik, 3D-Druck und Vorzeichnen am PC", sagt Jan Lorenz lachend. Denn für seine Miniatur-­Unikate benötigt er auch immer wieder einzigartige technische Lösungen, die es so nicht einfach zu kaufen gibt. Das Tüfteln an neuen Miniaturen macht ihm sichtlich Spaß.

Steinmetz-Schatzsuche

Zudem lädt der Steinmetzmeister, der auch Mitglied der Dresdner Innung ist, in seine Schauwerkstatt ein und verkauft Sandstein-Souvenirs. "Der Fokus liegt zwar ganz klar auf dem Miniaturpark, aber wenn es meine Zeit zulässt, bin ich in der Werkstatt, um das ein oder andere Unikat für Kunden entstehen zu lassen." Wer will, kann im Miniaturpark auch im Steinmetz-Workshop ein wenig ins Handwerk schnuppern. Neueste Idee der Wehlener: eine Steinmetz-Schatzsuche. Kinder können bei ihr spielerisch etwas über die Region lernen und sich auch im Handwerk üben.