Architekturwettbewerb "geplant und ausgeführt"
Erster Preis für gelungene Symbiose von Alt- und Neubau
Mit der Verlängerung eines Siedlungshauses aus den 40er Jahren haben die Architekten Haack + Höpfner aus München zusammen mit der Metallbaufirma Nensel aus Otzbach in Thüringen den diesjährigen Architekturpreis „geplant und ausgeführt“ gewonnen. Vor allem die variable Glasfassade am Giebel überzeugte die Juroren.
Dem bestehenden Siedlungshaus im Münchener Stadtteil Laim wurde ein Neubau mit identischem Querschnitt vorangestellt und von diesem mit einer Glasfuge optisch abgesetzt. Die Giebelfassade des Anbaus ist fast vollständig verglast und mit einem Vorhang aus horizontal gelagerten Quadrathohlprofilen aus Aluminium verkleidet. Diese Lamellen lassen sich öffnen und erlauben dem Bauherren, seinem Bedürfnis nach Offenheit, Blendschutz und Durchlässigkeit flexibel und spielerisch gerecht zu werden.
Beim Umbau einer Maschinenhalle zum Bürogebäude war es dem Architekturbüro Eckerle und dem Handwerksunternehmen Pfaller ein Anliegen, Dekorationsmalereien aus den Jahren 1889 bis 1909 zu erhalten.
Beim Verwaltungsgebäude der Mahn- und Gedenkstätte in Ravensbrück wurden die statisch notwendigen Queraussteifungen des 120 m langen Gebäudes in die Architektur sichtbar mit einbezogen.
Das im Auftrag der Firma Sonnenkraft entwickelte "Haus der Zukunft" soll den Standard für das Jahr 2020 setzen. Das Solaraktivhaus in Regensburg basiert nicht nur auf Energieeinsparung, sondern vor allem auf solare Energiegewinnung.
Insgesamt waren 27 Objekte auf der Internationalen Handwerksmesse in München ausgestellt, wie dieses Ferienhaus am Ammersee mit hochgedämmten Holzbauteilen. Die solaren Wärmegewinne durch die Südverglasung und die Fotovoltaikanlage auf dem Dach sorgen für eine hohe Energieeffizienz.
Der neue Verkehrskreisel am Ortseingang von Ingelheim am Rhein ist den vier Partnerstädten der Stadt gewidmet. Vier monolithische Bögen aus Corten-Stahl schlagen den Bogen zu je einer Partnerstadt.
"Zeitfenster" wie Fragmente von Stuckdecken, unverputzte Natursteinwänden oder Einbauten aus Altholz: In der Schrottgasse 8 in Passau wurde ein denkmalgeschütztes Zunfthaus von der Schreinerei Christian Schlanke saniert. Geplant wurde der Umbau vom Architekturbüro Andreas Schmöller.
Der stützenfreie Dachspitz einer 20er Jahre Villa in München wurde von den Architekten Arnold/Werner und der Schreinerei Opperer zu einer offenen und modernen Wohnung ausgebaut. Um die räumliche Qualität des "Zollinger Dachstuhls" zu erhalten, sind sämtliche Einbauten der Dachform angepasst.
Die Apostelin Junia Kirche in Augsburg wurde im Passivhausstandard errichtet. In der Entwurfsplanung wurde der Holzbaubetrieb Gumpp & Maier GmbH mit einbezogen.
Nähert man sich der Fassade des Spielzeugmuseums in Nürnberg, beginnt sich das Bild in Linien aufzulösen. Das vierteilige Objekt ist sichtbar mit materialfarbenen Blindnieten auf einer Aluminiumunterkonstruktion befestigt.
Geplant von bahlsconcepts und ausgeführt von der Firma Kohlhaas Messebau, vermittelt dieser Messestand das Know-how von Schüco Alu Competence als Verarbeiter von designorientierten Produkten und Systemen aus Aluminium.
Die Familienbrücke St. Severin ist eine Kindertagesstätte in Kraiburg am Inn. Das Architekturbüro Pollok + Gonzalo hat es in Zusammenarbeit mit Stenger Holzbau und der HuberSchreinerei geplant und umgesetzt.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Loewer und Partner aus Darmstadt und der Baufirma Dillig aus Simmern erfolgte für eine Treppe bei dem Neubau der Grundschule in Crumstadt. Mit gegenseitigem Respekt für Ideen und handwerklichen Fähigkeiten wurde die Treppe zu einem Unikat.
In einem denkmalgeschützen Altbau wurde von "Architekton" und der Firma Josef Eibl eine 150 Quadratmeter große Fläche für die Nutzung als Privatpraxis für Pränatalmedizin saniert und die neue medizinische Funktion ausgebaut.
Ein Wochenendhaus an einem Ausflugssee bei Berlin war die Aufgabenstellung. Die größte Herausforderung war dabei die Erstellung einer Schiebetürenanlage, die sich vollständig öffnen lässt. Durch die Werkstattabstimmung mit der Schreinerei Knitl ist es gelungen, den Entwurf perfekt umzusetzen.
Dieser Neubau eines Musikerehepaares mit zwei Kindern besteht aus einer hölzernen Hülle, die zwei Häuser umfasst: ein Wohnhaus und ein Musikhaus mit hohem Saal und Satteldach.
Bei diesem Projekt wurden Werkhalle und Verwaltungs- sowie Planungstrakt in einem Gebäude vereint. Entstanden ist ein L-förmiger Bau, der einen Hof umfasst, an dem Zufahrt, Auslieferung und Eingang angeordnet sind.
Die Jury wertete das Projekt als gelungene Symbiose von Bauen im Bestand und Neubau. „Der architektonisch eher ausdruckslose Altbau wird nun durch den Neubau dominiert, aber nicht degradiert“, sagte der Juryvorsitzende Rainer Hilf zur Preisverleihung am 7. März auf der Internationalen Handwerksmesse in München.
Respekt für die Gestaltung
Architekt John Höpfner ist es wichtig, dass die beauftragten Handwerker nicht nur in der Lage sind, die technisch hohen Anforderungen mit hoher Qualität auszuführen. „Man muss vor allem gut zusammenarbeiten können.“ Wichtig sei der Respekt für die Gestaltung. Mit dem Metallbaubetrieb von Rudolf Nensel aus der Rhön verbindet das Architekturbüro Haack + Höpfner eine lange Partnerschaft, die schon mehr als zehn gemeinsame Projekte hervorbrachte. „Aber die Erweiterung des Siedlungshauses war sicher die bisher größte Herausforderung“, meint John Höpfner. Juniorchef Sebastian Nensel kommentiert das schlicht so: „Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Spezialisiert ist das nach der Wende gegründete Unternehmen auf den Bau von Tankstellen in ganz Europa. Bei einem dieser Projekte haben sich vor mehr als zehn Jahren Architekt und Handwerker kennengelernt.
Zweiter Platz für viergeschossiges Holzhaus
Den zweiten Platz im Wettbewerb „geplant und ausgeführt“ belegte das Münchner Architekturbüro Schankula und der Zimmererbetrieb Huber & Sohn aus Bachmehring mit einem viergeschossigen Holzhaus in Bad Aibling. Das Haus mit sechs Wohnungen besteht von der Konstruktion über Decken, Balkone und Wände bis zu Aufzugturm und Fassade komplett aus Holz. Dabei wurde deutlich, dass Holz auch bei hohen Gebäuden Betonbauteile komplett ersetzen kann. Durch den hohen Vorfertigungsgrad der Holzkonstruktion konnte zudem die Bauzeit erheblich verkürzt werden.
Platz drei für Neubau einer Kinderkrippe in Altötting
Der Neubau der Kinderkrippe St. Josef in Altötting wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Das lange, schmale Gebäude mit Satteldach, aus dessen dunkler Hülle farbig gestaltete Boxen heraustreten entstand auf einem Restgrundstück zwischen Grundschule und Kindergarten. Für das Innere der Krippe wurden helle Fichtenholzmöbel entworfen, die den Kindern zahlreiche Möglichkeiten zum Spielen bieten. Geplant und ausgeführt haben das ortsansässige Architektur- und Innenarchitekturstudio Lot und die Handwerker der Schreinerei Baier (Harbach), des Malerbetriebs Max Karlhuber (Triftern), die Raumausstatter der Firma Wiesenbart (Altötting) sowie die Spenglerei Maierhofer (Neuötting).
Der Wettbewerb „geplant und ausgeführt“ würdigt herausragende Projekte einer gelungenen Zusammenarbeit von Architekten und Handwerkern. Er wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben. „Denn anders als Maler oder Bildhauer können Architekten ihre Kunst nicht ohne die Hilfe anderer zu Ende bringen. Es braucht eben die Handwerker, die die Ideen und Entwürfe in die Realität umsetzen“, sagte Juryvorsitzender Rainer Hilf.