Zehn Jahre nach Euro-Einführung Statistikamt: Der Euro ist doch kein Teuro

Trotz der gefühlten Teuerung: Der Euro ist seit der Einführung am 1. Januar 2002 kein "Teuro" gewesen. Auch für das kommende Jahr sagt das Statistische Bundesamt nur eine kleine Inflation vorher. Somit bleibt mehr von Lohnsteigerungen übrig.

Der Euro ist mehr ein "gefühlter Teuro". Dies zeigen neue Studien des Statistischen Bundesamtes. - © Fotolia

In den Köpfen der Bürger sitzt es fest: Die Euro-Einführung ist schuld daran, dass unser Leben so teuer geworden ist. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat dies anlässlich der Euro-Bargeldeinführung vor zehn Jahren, am 1. Januar 2002, genau wissen wollen und die Inflationsraten analysiert: Demnach stiegen die Verbraucherpreise vom Euro-Start an bis November 2011 jährlich um durchschnittlich 1,6 Prozent. Fazit: Der Euro ist doch kein Teuro.

"Besser als D-Mark"

Mit diesem Wert hat sich der Euro sogar besser gehalten die D-Mark davor. "In den zehn Jahren davor lag die Preisänderung bei durchschnittlich + 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr", berichtete Destatis. Allerdings seien Anfang der 1990er Jahre im Zuge der deutschen Vereinigung auch besonders starke Preisanstiege zu beobachten gewesen. In den letzten sechs D-Mark-Jahren (1996 bis 2001) lag die durchschnittliche Jahresteuerung demnach bei 1,4 Prozent.

Betrachtet über die gesamte D-Mark-Zeit - von Mitte 1948 bis Ende 2001 - war die jährliche Inflation mit + 2,6 Prozent im Schnitt höher als bislang in der Euro-Bargeldzeit.

Energiepreise schuld an Teuerung

Bestimmend für die Preissteigerungen seit Einführung des Euro waren laut Destatis die starken Preisanstiege an den Weltmärkten für Rohstoffe, die in Deutschland vor allem zu hohen Energiepreisen geführt haben. Die Preise für Heizöl und Kraftstoffe lagen im November 2011 um 85 Prozent über dem Niveau unmittelbar vor Einführung des Euro. Die Strompreise stiegen im gleichen Zeitraum um rund 66 Prozent.

Experten sprechen auch von der "gefühlten Inflation", die in Deutschland höher liegt als die wirkliche. Hier werden Produkte, die häufig gekauft werden und bei denen Verbraucher besonders preissensibel sind, stärker gewichtet.

Eine stabilisierende Preiswirkung ging in der Euro-Bargeldzeit bisher vor allem von den Mieten aus, die einen hohen Anteil an den Konsumausgaben der Haushalte haben. Während Anfang der 1990er Jahre noch Wohnungsknappheit im früheren Bundesgebiet und Subventionsabbau in den neuen Ländern für steigende Mieten sorgten, entspannte sich der Mietmarkt zum Ende des Jahrzehnts. Seit der Euro-Einführung stiegen die Nettokaltmieten einschließlich Wohnungsnebenkosten (ohne Haushaltsenergie) insgesamt um zwölf Prozent an.

Keine Panik wegen Inflation

Für das kommende Jahr hat die Bundesbank eine Teuerungsrate von 1,8 Prozent vorausgesagt. Das ist deutlich geringer als im laufenden Jahr. Die Angst vor einer steigenden Inflation, die die Einkommen auffrisst, sei unbegründet, teilten im Herbstgutachten auch die so genannten "Wirtschaftsweisen" mit. Die Lohnsteigerungen werden mit mehr als zwei Prozent über der Inflation liegen. bur