Wenn Inflation und Stagnation zusammenkommen Stagflation: Was jetzt bei der Geldanlage zu beachten ist

Temporär oder nicht? Das ist die Frage, wenn es um die Inflation geht. Um vier Prozent sind die Verbraucherpreise in Deutschland im September und Oktober gestiegen. Wenn die Inflation auf dem Niveau bleibt, wird die Kaufkraft der Ersparnisse schneller dahinschmelzen als bisher. Das Jahr 2022 könnte für viele Sparer eine echte Zäsur darstellen.

Eine Stagflation beschreibt die Mischung aus einer wirtschaftlichen Stagnation und einer hohen Inflation. - © CrazyCloud - stock.adobe.com

Das Narrativ der Notenbanken ist klar: Die hohe Geldentwertung ist eine vorübergehende Reaktion auf die Lieferengpässe und die steigenden Energiepreise. Wenn sich das beruhigt, so EZB und Fed, wird die Inflation wieder unter die Zielmarke von zwei Prozent fallen.

Mag sein, dass es so kommt; mag sein, dass nicht. Immer mehr Investoren zweifeln die Story der Notenbanken an. Seit einiger Zeit arbeiten wir daher mit zwei Makro-Szenarien für das Jahr 2022, die wir in etwa für gleich wahrscheinlich halten.

Zwei Szenarien für das Jahr 2022

Nummer eins entspricht dem bisherigen Modell: Wirtschaftswachstum von zwei bis drei Prozent plus moderate Inflation von 0,5 bis 1,5 Prozent. Nummer zwei ist unser Stagflationsszenario: Hier trifft ein Wirtschaftswachstum von null bis ein Prozent auf eine Inflation von zwei bis drei Prozent. Während die Geldentwertung schon real ist, könnte China mit seiner Bremspolitik die Wirtschaft bald abkühlen. Kommen wegen der gestiegenen Preise hohe Lohnforderungen hinzu, wird Szenario zwei immer wahrscheinlicher. Allerdings erwarten wir kein Revival der 1970er-Jahre, als die Inflationsrate bis zu sieben Prozent betrug.

Wenn man nicht weiß, ob Szenario eins oder zwei Realität wird (und niemand weiß das), sollte man das Portfolio so gestalten, dass man in jedem Fall profitieren kann.

Stagflation: So sollte die Geldanlage aufgeteilt werden

Aktien sollten den größten Teil der Investments ausmachen, da sie auf lange Sicht die rentabelste Anlageklasse sind. Gold gehört als langfristiger Inflations- sowie als Krisenschutz unbedingt mit ins Depot. Immobilien als Fonds oder REITs können das Depot diversifizieren und für einen regelmäßigen Einkommensstrom sorgen. Das Vermögen könnte so aufgeteilt sein: 50 Prozent fließen in Aktien, 15 Prozent in Gold, zehn Prozent in Real Estate Investment Trusts (Immobilien) und 25 Prozent werden als Liquidität gehalten.

Beim Aktienanteil geht es darum, für den Kernbestand Unternehmen auszuwählen, die steigende Preise auf ihre Kunden umwälzen können, sowie Firmen, die von höherer Inflation wenig betroffen sind. Aus unserer Sicht sind marktführende Technologiekonzerne sowie etablierte Gesundheitsunternehmen eine gute Wahl. Verfestigt sich die Stagflation, sollten zudem Unternehmen aus dem Rohstoffsektor sowie Goldminen gekauft werden.

Zum Autor: Mirko Kohlbrecher ist Investementstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück.