Interesse für alternative Antriebe wächst Sprit-Rekordpreise helfen E-Autos

Immer mehr Deutsche denken darüber nach, sich beim nächsten Kauf ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug anzuschaffen – allerdings erst in zirka drei bis zehn Jahren. Vielen genügt die Reichweite und Geschwindigkeit der Fahrzeuge noch nicht. Die Rekordpreise für Diesel und Benzin dürfte die Kaufbereitschaft jedoch weiter fördern. Die Regierung debattiert indes darüber, wie der Benzinpreis gedeckelt werden kann.

Immer mehr Deutsche können sich vorstellen, ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug zu kaufen. - © dapd

Bereits jeder vierte Deutsche zieht bei der nächsten Anschaffung eines PKW ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug in Erwägung. Das ergab eine GfK-Studie. Der Kauf ist aber erst mittelfristig in drei bis zehn Jahren geplant, da die Hersteller noch nicht die hohen Erwartungen an Reichweite und Geschwindigkeit der Fahrzeuge erfüllen können, wie die aktuelle Studie der GfK zeigt.

Rekordpreise an den Zapfsäulen

Die Kaufbereitschaft für teilweise oder komplett elektrisch angetriebene Autos sei in den vergangenen beiden Jahren deutlich gestiegen. Während im Jahr 2011 noch zehn Prozent der Deutschen beim nächsten Autokauf ein Elektrofahrzeug in Erwägung zogen, sind es Anfang 2012 bereits 25 Prozent. Die Rekordpreise für Sprit dürften diesem anhaltenden Trend zu gute kommen.

Pünktlich zur Osterreisewelle hat der Benzinpreis Rekordhöhen erklommen. Der zu erwartende Anstieg sei angesichts des bereits hohen Niveaus traurig, sagte ADAC-Sprecher Jürgen Grieving. Zumal die aktuellen Preise angesichts des Ölpreises nicht gerechtfertigt seien. "Es ist immer das gleiche Spiel. Steigende Ölpreise schlagen an der Tankstelle sofort durch, sinkende nicht." 

Wirtschaftsexperten warnen bereits, die hohen Energiepreise könnten die wirtschaftliche Erholung gefährden. Weil die Bürger immer mehr für Benzin, Gas und Heizöl ausgeben müssen, fehlt ihnen Geld, mit dem sie über mehr Konsum die Nachfrage ankurbeln könnten.

Interesse für neue Technik geweckt

Angesichts der Rekordpreise will die schwarz-gelbe Koalition die Mineralölkonzerne stärker an die Kette legen. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, wollen Fachpolitiker der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP ein Konzept erarbeiten, um überhöhte Preissprünge künftig zu unterbinden. Ziel sei, die Preisschwankungen deutlich zu verringern, hieß es aus beiden Fraktionen. Zuletzt beobachtete Preisausschläge von bis zu 15 Cent am Tag soll es danach künftig nicht mehr geben.

Zugleich steigt das Interesse für die neue Technik: Für knapp elf Millionen Deutsche kommt bereits beim nächsten Autokauf ein elektrisch betriebenes Fahrzeug in Frage. Weitere 1,5 Millionen Personen würden auf jeden Fall ein Elektroauto kaufen, wenn die Unterhaltungskosten denen konventioneller Fahrzeuge entsprächen, zeigt die GfK-Studie. Knapp sechs Millionen Deutsche würden sich bei vergleichbaren Kosten wahrscheinlich für ein Elektrofahrzeug entscheiden.

Das Gesamtkäuferpotenzial für ganz oder teilweise elektrisch betriebene Fahrzeuge liegt somit bei rund 18 Millionen Personen. Allerdings steht bei 70 Prozent dieser potenziellen Käufer die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs erst in circa drei bis zehn Jahren an. Die Hersteller bieten bereits elektrisch angetriebene Fahrzeuge an. Als weltweit erster Personentransporter mit Elektroantrieb wird der Mercedes-Benz Vito E-CELL ab Mai in mehr als 15 Ländern Europa angeboten. Auch andere Hersteller haben bereits E-Fahrzeuge im Angebot, wie beispielsweise Peugeot oder Opel.

Ein Erfahrungsbericht aus dem Handwerk zeigt jedoch, dass der Handwerks-Alltag mit einem E-Fahrzeug noch nicht reibungslos läuft.  rh/dapd