Ein Erfahrungsbericht aus dem Handwerk E-Autos stecken noch in Startschwierigkeiten

Alle reden über Elektromobilität, aber kaum jemand hat schon konkrete Erfahrungen gesammelt. Bei der Stumbaum GmbH in Schöngeising steht seit gut einem Jahr ein Mitsubishi i-MiEV im Fuhrpark. Der Test im Firmenalltag des Handwerksunternehmens verlief alles andere als reibungslos.

Ulrich Steudel

Markus Stumbaum (2.v.li.) und seine Mitarbeiter haben ein Jahr lang Erfahrungen mit diesem Elektroauto von Mitsubishi gesammelt. - © Stephan Minx

„Der Winter war eine Katastrophe“, gesteht Geschäftsführer Markus Stumbaum. Bei Kälte haben die Batterien so stark an Leistung verloren, dass er das Elektrofahrzeug für diese Jahreszeit als nicht tauglich bezeichnet. Im Rest des Jahres habe der Kleinwagen allerdings die meisten Aufgaben bewältigt. Das waren vor allem Kundenbesuche, viele davon in München, einem der Haupteinsatzgebiete der rund 50 Mitarbeiter des Unternehmens, das auf Dienstleistungen im SHK- und Elektrohandwerk spezialisiert ist. In der Großstadt kann das Elektroauto seine Stärken richtig ausspielen. Dann reicht die begrenzte Reichweite völlig aus und der Elektromotor sorgt für einen kräftigen Schub beim Anfahren.

Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, hält Markus Stumbaum deshalb durchaus für realistisch. „Es gibt gewisse Bereiche, in denen Elektrofahrzeuge Sinn machen, wenn man zum Beispiel an Taxifahrten oder die Postzustellung denkt“, sagt der Ingenieur für Energietechnik.

Pilotprojekt im Firmenfuhrpark

Dass sich aber bis zum Jahr 2030 rund 40 Prozent der durch Firmenfuhrparks erzeugten Treibhausgase einsparen lassen, scheint nach den Erfahrungen der Stumbaum GmbH wenig wahrscheinlich. Das Öko-Institut hatte diese Zahl nach einem Pilotprojekt bei der SAP AG hochgerechnet.

© Foto: SAP
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Bei dem Softwareunternehmen waren 27 Elektroautos ein halbes Jahr lang als Firmenwagen im Einsatz. Rund 300 Mitarbeiter haben die E-Autos für dienstliche und private Fahrten genutzt und dabei mehr als 90.000 Kilometer zurückgelegt. Nach Abschluss des Pilotprojektes konnte sich ein Fünftel der Teilnehmer vorstellen, in den nächsten drei Jahren ein solches Dienstfahrzeug anzuschaffen.

„Die größten Barrieren für die Nutzer waren die geringe Reichweite und der deutlich höhere Anschaffungspreis“, konstatierte Jutta Deffner, Mobilitätsexpertin beim Institut für sozial-ökologische Entwicklung, das den Feldversuch bei SAP wissenschaftlich begleitet hat. Kombinierte Verkehrsangebote könnten die Schwächen der Elektrofahrzeuge kompensieren: ein Fahrzeugpool mit sparsamen konventionellen Autos für längere Strecken, Abonnements für den öffentlichen Verkehr oder auch Services wie Ladestation-Finder als App fürs Smartphone.

Im Handwerk mit traditionell kleinerem Fuhrpark werden solche Vorschläge nur begrenzt umsetzbar sein. Zumal einem elektrisch angetriebenen Transporter, bei dessen Einsatz die Nutzlast für den Unternehmer ein entscheidendes Kriterium ist, noch viel schneller die Puste ausgeht als einem leichten Kleinwagen wie dem Mitsubishi i-MiEV bei der Stumbaum GmbH, der inzwischen rund 18.000 Kilometer auf dem Tacho hat.

Testberichte von Mitarbeitern

Alle Mitarbeiter des Unternehmens durften das Elektroauto fahren, vorausgesetzt, sie schreiben im Anschluss einen Testbericht über ihre persönlichen Erfahrungen. Markus Stumbaum sieht den Einsatz des Mitsubishi i-MiEV als Experiment, das sich die Firma bei einem Anschaffungspreis von rund 35.000 Euro einiges hat kosten lassen. Dafür erhofft sich Stumbaum einen entscheidenden Informationsvorsprung bei einer Zukunftstechnologie. Als Befürworter der Elektromobilität will er an dem Thema dranbleiben.

Als nächstes E-Auto könnte sich Stumbaum einen Opel Ampera vorstellen. Dem Problem der geringen Reichweite und langer Ladezeiten begegnen die Rüsselsheimer Autobauer mit einem 86 PS starken Benzinmotor, der als Generator zur Stromversorgung des Elektromotors dient. In diesen Tagen sollen die ersten Exemplare mit dem Reichweitenverlängerer (Range Extender) an die Kunden ausgeliefert werden.