Bundeskanzler und Reformer: Das war Gerhard Schröder in seiner politischen Hochphase. Heute steht er auf Augenhöhe mit Actionhelden – dank 3D-Druck.
Sandra Depner

Was haben Superman, Spiderman und Gerhard Schröder gemeinsam? Auf den ersten Blick: vermutlich nichts. Während es sich bei den ersten Beiden um fiktive Actionhelden handelt, hat Schröder als reale Persönlichkeit die politische Landschaft Deutschlands weitreichend geprägt. Eines verbindet sie aber. Es gibt sie als kleine Figuren: Die Comic-Helden als Spielfiguren in Kinderzimmern – und den Alt-Bundeskanzler als 3D-Porträtfigur im Schaufenster der Fotografin Karoline Glasow in Erlangen.
Ein Alt-Bundeskanzler ist neun Stunden gedruckt
Drei Minuten scannen, neun Stunden drucken und fertig ist ein Alt-Bundeskanzler zum Mitnehmen: Gerhard Schröder, im Maßstab 1:5 knapp 33 Zentimeter hoch. Anlässlich der kürzlich veröffentlichten Biografie des Alt-Bundeskanzlers hat die Fotografin mit dem 3D-Drucker zwei Porträtfiguren erstellt: Seit wenigen Wochen schmücken deshalb 3D-Kopien Schröders und seines Biografen, der Erlanger Historiker Gregor Schöllgen, Glasows Schaufenster. Schöllgen kommt alle paar Jahre in Glasows Fotostudio, um Aufnahmen machen zu lassen. Aufnahmen wie das Autorenfoto in der neuen Biografie Schröders. Die Fotografin schlug ihm bei seinem letzten Besuch vor, eine 3D-Figur von ihm zu erstellen – und fügte hoffnungsvoll hinzu, dass man bei einem Treffen auch gleich Schröder scannen könnte. Es hat geklappt.

„Schröder war unglaublich diszipliniert“
„Ich war sehr nervös“, sagt Glasow. In ihrer Stimme schwingt heute noch etwas Aufregung mit, wenn sie vom Besuch bei Schröder erzählt. Seit zwei Jahren gehört der 3D-Druck zum Portfolio der Fotografin. Bei Hochzeiten, Geburtstagen oder als Geschenke kommen diese Figuren zum Einsatz. Einen Alt-Bundeskanzler hatte sie jedoch noch nie vor ihrem Scanner.
Der Termin in Hannover wird ihr in Erinnerung bleiben: „Schröder war unglaublich diszipliniert und sehr professionell.“ So schnell wie er habe keiner zuvor die Position gefunden, in der er oder sie später als 3D-Figur verewigt werden möchte. Schröder steckte beide Hände lässig in die Hosentaschen, offener, entschlossener Stand und ein klarer Blick nach vorn. Drei Minuten musste er während des Scans stillhalten.
Schicht für Schicht aus Gipspulver gedruckt
„Ich glaube, er hat kein einziges Mal geblinzelt“, sagt die Erlanger Fotografin und lacht. Wenn sie einen Menschen scannt, dann beginnt sie immer am Kopf. So kann sich das Gesicht wieder entspannen, während Glasow langsam ihre Runden hinab zu den Füßen dreht. Ausgangsmaterial bei Glasows Figuren ist Gipspulver: Über einen Druckkopf – ähnlich wie bei einem Tintenstrahldrucker – trägt der Pulverdrucker Schicht um Schicht des Materials auf. Fertig gedruckt liegt die Figur dann in einem Bett aus Gipspulver. Befreit vom restlichen Pulverstaub wird sie anschließend mit einem flüssigen Klebstoff fixiert.
Der Alt-Bundeskanzler hat die 3D-Kopie seiner selbst noch nicht gesehen. Glasow hat Schröder versprochen, ihm die Figur zu schicken. Doch die Fotografin hat andere Pläne. „Ich würde ihm die Figur gerne persönlich überreichen und ein Foto von ihm mit der Porträtfigur machen“, sagt die 48-Jährige.