"Solidarität mit dem Bagger" Spendenaktion für den frustrierten Baggerfahrer

Das Video des Bauunternehmers, der mit einem Bagger selbst gebaute Balkone einriss, ging viral durch die Online-Medienwelt. Sein Frust war so groß, weil der Bauträger ihn monatelang nicht bezahlte. Dafür muss er bezahlen: Mehrere 100.000 Euro kostet ihn die Sachbeschädigung. Aus dem Handwerk bekommt der Unternehmer nun Unterstützung in Form einer Spendenaktion.

Spendenaktion Baggerfahrer
Ein Baggerfahrer zerstört die Balkone an einem Neubau. - © Screenshot BYC-NEWS TV

"Solidarität mit dem Bagger" nennen die Handwerker rund um Stuckateurmeister Eberhard Ruetz aus dem schwäbischen Ravensburg die Aktion. Sie haben sie gemeinsam gestartet. Einerseits wollen sie Gelder für den Bauunternehmer sammeln, damit er den selbst verursachten Schaden bezahlen kann und auch die sich anschließenden Anwalts- und Gerichtskosten. Andererseits soll es eine symbolische Aktion sein. Sie wollen auf die Problematik aufmerksam machen, dass viele Handwerker das lange Warten auf die Bezahlung ausstehender Rechnungen satt haben. "Unter den Bauträgern gibt es schwarze Schafe. Da ist von vorne herein das Ziel, dass immer wieder Reklamationen kommen und Gründe genannt werden, um Preise zu drücken und später zu bezahlen", sagt Eberhard Ruetz.

Spendenaktion: Verständnis für Frust des Baggerfahrers

Seit einigen Jahren trifft er sich mit anderen Handwerksunternehmern, um sich über berufliche Erfahrungen auszutauschen. Hier diskutierten sie auch über den frustrierten Bauunternehmer und beschlossen ihm helfen zu wollen. Zwar steht für die Handwerker außer Frage, dass dieser unrechtmäßig gehandelt hat und für den Sachschaden geradestehen muss. "Aber wir können auch verstehen, dass sich bei ihm eine große Wut angestaut hat", sagt Ruetz.

Ende Juli hat der Bauunternehmer in Blumberg im Schwarzwald Balkone an einem von ihm errichteten Mehrfamilienhaus mit einem Bagger abgerissen. Das Gebäude wurde stark beschädigt. Dabei wurde er gefilmt und das Video wurde im Internet schnell bekannt. Nach seiner Tat stellte sich der Unternehmer der Polizei.

Eberhard Ruetz und seine Kollegen wollen ihre Solidarität mit einer Spendenaktion ausdrücken, an der sich möglichst viele mit einer kleinen Summe beteiligen. Fünf Euro von jedem Handwerker, der Ähnliches erlebt hat, sollten dem Stukkateurmeister zufolge ausreichen. "Mittlerweile wird die Schadenssumme von Bauherrenseite mit stolzen 750.000 Euro angegeben", sagt Ruetz. "Wir haben zwar nicht der Ehrgeiz, diese Summe zu sammeln. Aber wenn es für die Anwaltskosten reicht, wäre das schon ein gutes Zeichen." In Deutschland sind viele hunderttausend Handwerker auf dem Bau tätig und die Resonanz auf die Aktion "Solidarität mit dem Bagger" ist groß.

Tipps für ein erfolgreiches Forderungsmanagement

Um mitzumachen haben die Initiatoren ein Spendenkonto eingerichtet, dessen Guthaben dann direkt an den Bauunternehmer in Blumberg geht. Wer Interesse an einer Teilnahme an der Spendenaktion hat, wendet sich am besten per E-Mail an Eberhard Ruetz unter nachricht@er-kenntnis.de.

Die Problematik, dass Rechnungen lange nicht bezahlt werden, ist im Handwerk schon lange ein Thema. Ein Patentrezept dagegen gibt es wohl kaum, aber eine gute Organisation des eigenen Forderungsmanagements und das genaue Hinschauen beim Vertragsabschluss können helfen, unseriöse Geschäftspartner zu entlarven. Tipps, wie Handwerksunternehmer mit unbezahlten Rechnungen umgehen sollten, bekommen Sie hier.>>>