Während ihrer Lehrzeit erwerben junge Menschen nicht nur berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten. Sie lernen auch, sich in ein Unternehmen einzugliedern, Verantwortung zu übernehmen und erfolgreich mit anderen zusammenzuarbeiten, wie Ausbildungsberater Peter Braune weiß.

Sozialisation oder Eingliederung ist ein lebensbegleitender Prozess, in dessen Verlauf Menschen durch die Wechselbeziehungen mit ihrer Umwelt soziale Kenntnisse, Fähigkeiten, Werte und Regeln erlernen. Diese helfen ihnen, sich in die Gesellschaft einzufügen, ein Teil von ihr zu werden und mit gesellschaftlichen Aufgaben sowie ihrem sozialen Umfeld zurechtzukommen.
Im Verlauf der Sozialisation wirken ganz unterschiedliche Bereiche auf einen Menschen ein. Dazu gehören unter anderem die Familie, soziale Gruppen, die Schule oder Sportvereine, das politische System und die Massenmedien.
Die Lehrzeit als wichtiger Abschnitt der Sozialisation
Die Lehrzeit ist ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses. Junge Menschen kommen in den Betrieb, zunächst meist als weitgehend unbekannte Personen, über deren persönliche Eigenschaften und fachliche Kenntnisse nur wenig bekannt ist. Nach bestandener Prüfung sollen sie als gute Gesellinnen und Gesellen ins Berufsleben starten und sich gegebenenfalls noch weiterentwickeln.
Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten entsprechend dem betrieblichen Ausbildungsplan, sondern auch um die Eingliederung in die Arbeitsgruppe und das Verständnis für die Unternehmensziele.
Die Auszubildenden lernen, wie man sich bei der Arbeit und im Betrieb verhält und welche Erwartungen die Meisterin oder der Meister, die Beschäftigten und die Lehrkräfte in der Berufsschule an sie haben. Gleichzeitig erfahren sie, welche Regeln und Rangfolgen im Lehrbetrieb gelten.
Nach und nach entwickeln sie ein Verständnis für ihre Rolle im Unternehmen sowie für die Bedeutung von Arbeit und Leistung, materieller Sicherheit, Werten und Idealen.
Es entstehen Beziehungen zu anderen Lehrlingen, und sie lernen, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit funktioniert.
Eine lernfördernde Umgebung schaffen
Wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten, fühlen sich die Lehrlinge wohl. Es entsteht eine Bindung zum Betrieb. Damit werden auch die Erwartungen der Ausbildenden erfüllt, denn langfristig entwickeln sich so qualifizierte und motivierte Fachkräfte.
Abgerundet wird der Weg zur Eingliederung durch eine lernfördernde Umgebung, in der die Lehrlinge ihre Fähigkeiten voll entfalten können. Die Meisterin oder der Meister sollten eine offene Kommunikation unterstützen und die Lehrlinge immer wieder ermutigen, sich aktiv am Arbeitsleben zu beteiligen.
Ausbildung und Sozialisation miteinander verbinden
Um nicht nur in der Theorie zu verweilen, können einige Beispiele verdeutlichen, wie Ausbilderinnen und Ausbilder ihre Lehrlinge beim Lernen aktiv unterstützen und so Ausbildung und Sozialisation miteinander verbinden können:
- Dazu ermuntern, Checklisten für Arbeitsabläufe und Arbeitsanweisungen zu erstellen.
- Sprech- und Schreibanlässe schaffen, um die Fachsprache anzuwenden.
- Arbeitsaufträge erteilen und diese direkt im Anschluss besprechen.
- Bei Unterweisungen viele Abbildungen einsetzen.
- Quizfragen zu Fachthemen in die Ausbildung einbauen
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.
