Ifo-Umfrage Soloselbstständige: Geschäftsklima pessimistischer als Gesamtwirtschaft

Rezession und Energiekrise machen großen und auch kleinen Betrieben zu schaffen. Die Soloselbstständigen betrachten ihre aktuelle Lage als besonders schlecht, so die Erhebung des aktuellen Jimdo-ifo Index.

BÄcker holt Brot aus dem Ofen
Kleinunternehmen, wie zum Beispiel Bäckereien, haben aktuell nicht nur mit den hohen Energiepreisen zu kämpfen, sondern auch mit steigenden Lohnkosten in Folge der Inflation. - © Philippe Ramakers - stock.adobe.com

Inflation, Energiepreise, Ukraine-Krieg – diverse Faktoren beeinträchtigen derzeit die Weltwirtschaft massiv. Dies spiegelt sich im allgemeinen Geschäftsklima wider. Deutlich dramatischer ist die Situation jedoch für kleine Unternehmen in Deutschland.

Laut der aktuellen Befragung des Ifo-Instituts unter Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen wird die aktuelle Lage als besonders schlecht eingeordnet. Die Gruppe sieht ihre wirtschaftliche Situation pessimistischer als der Durchschnitt der Unternehmen in Deutschland. Der Geschäftsklimaindex für die Soloselbstständigen wird seit einem Jahr ermittelt und liegt nun auf dem niedrigsten Wert seit Beginn im September 2021.

"Das Geschäftsklima für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen hat sich erneut verschlechtert. Dies war vor allem der schlechteren Beurteilung der aktuellen Geschäftslage geschuldet", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.

Schere zwischen kleinen Unternehmen und Gesamtwirtschaft

Auffällig ist laut den Experten nach wie vor der Unterschied zwischen den kleinen Betrieben und der Gesamtwirtschaft, in Bezug auf die aktuelle Geschäftslage: Bei der Bewertung der aktuellen Situation geht die Kluft zwischen Gesamtwirtschaft und Soloselbstständigen weiter auseinander. Während die Gesamtwirtschaft die Lage mit 22,1 Punkten bewertet, liegt der Wert für die Soloselbstständigen bei 3,4 Punkten. Im Juni, Juli und August hat sich die Lage der "Kleinen" somit kontinuierlich verschlechtert.

Für die kommenden Wochen und Monate erwarten alle Unternehmen eher eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Allerdings sind die Soloselbstständigen und Kleinstunternehmer etwas optimistischer als der Rest der Wirtschaft.

Interviews mit Selbstständigen bestätigen Krisenstimmung

"Die kleinen Unternehmen haben schon durch Corona am stärksten gelitten und bekommen jetzt die Auswirkungen der Rezession und Energiekrise als erste zu spüren",so Matthias Henze, CEO von Jimdo. Eine Umfrage von Jimdo bei Selbstständigen bestätige die schlechte Stimmung der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen. Mehr als Hälfte der Teilnehmer bewertet die Geschäftslage im August schlechter als noch im Juli. In Interviews berichten diese insbesondere von reduzierten Umsätzen, da ihre Kunden zögerlicher konsumierten.

Moritz Metzler, Bäckerjugend-Weltmeister aus 2021 und Teil des Kleinstunternehmens Bäckerei Metzler, sagt: "Natürlich sind die Energiekosten bei einer Bäckerei ein großer Kostenblock, wir haben einen hohen Energieverbrauch sowohl für die Öfen als auch die Kühlung. Der Hauptkostenpunkt sind allerdings bei uns, und wahrscheinlich bei vielen Kleinstunternehmen, die Personalkosten. Die Inflation verschärft die Lohnsituation, denn wir werden unsere Mitarbeiter finanziell unterstützen, wo es nur geht."

Constanze Lux, Inhaberin von LaDouce Catering, sagt: "Es gibt auch viele Ängste. Ich habe schlaflose Nächte, das blockiert mich mental sehr. Teils reguliere ich auch, wie viel Nachrichten ich noch gucke", so die Hamburgerin. "Von der Politik wünsche ich mir mehr Aufmerksamkeit für die Sorgen von uns Kleinstunternehmern. Durch Krieg, Inflation und Krise geraten wir als die, die es echt hart trifft, oft in Vergessenheit."

Eine weitere Jimdo Nutzerin berichtet: "Weniger Luxusgüter werden bezogen, und unsere Kunden wirken verhaltener. Im Ladenlokal merkt man, dass die Kunden die Produkte häufiger in die Hand nehmen, länger überlegen und ihre Kaufentscheidung länger dauert. Wir sehen dies auch bei unserem Webshop. Wir haben online zwar die gleiche Anzahl an Kunden wie im Vormonat. Aber die Umsätze sind weniger, die Leute kaufen zögerlicher. Ich denke, dass die Kunden jetzt doppelt hinterfragen, wofür sie in der Krise Geld ausgeben.“ Hinzu kämen dann auch noch die eigenen Belastungen: "Unsere Heizölbestellung war jetzt schon doppelt so teuer wie letztes Jahr." Matthias

Soloselbstständige wichtig für regionale Vielfalt und Digitalisierung

Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender Verbands der Gründer und Selbstständigen in Deutschland stellt deutliche Forderungen an die Politik. Die Verantwortlichen müssten deutlich machen, dass sie die schwierigere Lage der Soloselbstständigen verstanden haben und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung ergreifen. "2020/21 ging die Zahl der Selbstständigen unter dem Strich um 300.000 zurück. Das darf sich nicht wiederholen, denn damit geht die von ihnen getragene regionale und kulturelle Vielfalt verloren", mahnt Lutz. Mit ihrem Spezialwissen, das sie verschiedensten Auftraggebern zur Verfügung stellen, seien Solo- und Kleinstunternehmen unverzichtbar für die Digitalisierung, die Transformation der Energieversorgung und gegen den Fachkräftemangel. jes