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Handwerksbranchen im Überblick So wirkt sich das Coronavirus auf das Handwerk aus

Messeausfälle, Lieferstopps, Mitarbeiter unter Quarantäne – das Coronavirus beeinträchtig viele Handwerksbetriebe auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat nachgefragt, wie die aktuelle Lage in den einzelnen Gewerken ist.

Das Coronavirus hat unterschiedliche Auswirkungen auf das Handwerk. Während einige Gewerke stark von den Lieferengpässen mit Produkten aus China betroffen sind, sind andere massiv von den Veranstaltungsabsagen in Deutschland betroffen.

Besonders in Gewerken, deren Aufträge größtenteils durch Veranstaltungen und Hotels zustande kommen, sind negative Auswirkungen deutlich spürbar, berichtet der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT). Der BWHT bezieht sich dabei auf eine Mitgliederbefragung. Danach haben handwerkliche Messebauer für die nächsten Monate 70 bis 90 Prozent ihres Auftragsvolumens verloren.Textilreiniger mit Hotellerie-oder Gastronomie-Kunden gehen von bis zu 80 Prozent Umsatzrückgang aus. Bei Fleischereien und Bäckereien, die Catering anbieten oder Gastronomie und Kantinen beliefern, kann der Umsatzrückgang laut BWHT bei 30 Prozent und mehr liegen.  

Darüber hinaus berichten einige Betriebe, die auf dem Werksgelände ihrer Kunden arbeiten (zum Beispiel Klimatechnik, Elektro, Gebäudereiniger) von hohen Auflagen oder Zutrittsverboten. Zahntechniker und Maler/Lackierer berichten vereinzelt, dass Desinfektionsmittel und verpflichtende Schutzkleidung nicht mehr verfügbar sind. In Einzelfällen wird auch von fehlendem Material aus China oder Italien (Terrassenbeläge, Photovoltaik, elektronische Bauteile, Sanitätsbedarf) berichtet.

Wie sieht es aktuell bei den Bäckern, Tischlern und im Metallhandwerk aus? Ein Überblick zum aktuellen Stand.

Metallhandwerk

Einen deutlichen zusätzlichen Dämpfer erleiden vor allem die Betriebe der Feinwerkmechanik im Metallhandwerk. "Die Lieferketten reißen ab", sagte Karlheinz Efkemann, Pressesprecher des Bundesverbandes Metall (BVM). Teile aus China kommen nicht mehr an, produzierte Teile können nicht mehr verschickt werden. Die Feinwerkmechaniker hatten sowieso schon unter der nachlassenden Konjunktur zu leiden. Handelsrisiken und wegbrechende Auftragseingänge bei Automobilzulieferern bereiteten den international tätigen Betrieben die größten Sorgen. Nach der Automobilkrise und dem Brexit sei das Coronavirus noch das Tüpfelchen auf dem I, formuliert es Efkemann etwas sarkastisch. Folglich ist die Verunsicherung groß in den Betrieben. Derzeit gehen täglich Anrufe von Betriebsinhabern ein, die nicht wissen, wie sie mit der Bedrohung durch das Virus umgehen sollen.

Für Seiger Drehmaschinen aus dem westfälischen Lippstadt ist die Situation ebenfalls gänzlich neu. Bei dem Maschinenbauer erlahmt nach und nach die Produktion. Noch sei der Betrieb einigermaßen ausgelastet und Kurzarbeit nicht nötig, berichtete Geschäftsführer Willi Seiger. Da jedoch Lieferungen von zum Beispiel Steuerungs- und Regeltechnik ausbleiben und fertige Maschinen nicht ausgeliefert werden dürfen, können möglicherweise Termine nicht eingehalten werden. Dann drohen Vertragsstrafen. Zusätzlich leidet der Maschinenbauer darunter, dass seine Kunden – in der Hauptsache Feinwerkmechaniker, die ebenfalls von Konjunktur und der Corona-Pandemie verunsichert sind – Investitionen im Moment völlig auf Eis gelegt haben. Die Auftragsakquise bekommt obendrein einen Dämpfer durch die Verschiebung der Metav, einer Messe für Metallbearbeitung in Düsseldorf, auf nächstes Jahr. Normalerweise wollte Seiger dort im März neue Maschinen präsentieren. Im August und September hätten dann, wie sonst auch, die Auftragseingänge folgen sollen. Diese wird Willi Seiger wahrscheinlich abschreiben müssen, ebenso wie rund ein Drittel der 85.000 Euro Messekosten, die Seiger bereits investiert hat. Die müssen im kommenden Jahr neu in die Messevorbereitung gesteckt werden. Willi Seiger wünscht sich jetzt von der Politik, dass sie kluge Entscheidungen trifft – so wie seinerzeit zur Finanzkrise vor zehn Jahren.

Karlheinz Efkemann formuliert für den Metallverband gerade Forderungen an die Politik. Die Betriebe dürften in dieser Situation nicht allein gelassen werden. Der Verband erwarte zum Beispiel die Sicherung des Warenverkehrs oder Formen der Liquiditätssicherung. Die Liste mit den Forderungen finden Interessierte hier. Für den akuten Umgang mit dem Coronavirus finden die Unternehmen eine Liste mit den häufigsten Fragen online.

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Gebäudereiniger

Weniger mit Lieferengpässen, dafür aber mit den Messeabsagen zu kämpfen haben die Gebäudereiniger, Tischler und Bäcker.

Wie Johannes Bungart, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks, mitteilte, sind seine Betriebe stark von den Messeausfällen und Veranstaltungsabsagen betroffen. Wenn Meetings und Konferenzen nicht stattfinden oder Schulen geschlossen werden, entfielen auch die Aufträge für die Reinigung. "Die Betriebe in unserer Branche verzeichnen aktuell einen deutlichen Umsatzrückgang. Wo nicht gearbeitet wird, wird auch nicht gereinigt", sagte Bungart. Zwar werde die Hygiene nun von Seiten der Kunden viel ernster genommen und es würden auch ein paar mehr Aufträge erteilt, diese könnten aber die stornierten Veranstaltungen nicht auffangen. "Kurzarbeit spielt schon jetzt eine Rolle für einige Gebäudereiniger", sagte Bungart. Was die Beschaffung von Hygienemitteln angeht, so seien die Betriebe dank langjähriger Beziehungen und fester Lieferketten bislang noch recht gut aufgestellt.

Tischler und Schreiner

Der Ausfall zahlreicher Messen, wie zum Beispiel der Internationalen Handwerksmesse, trifft auch die Tischler und Schreiner, die auch im Messebau aktiv sind. Wie viele Betriebe direkt von den Absagen betroffen sind, konnte Martin Paukner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Tischler, zwar nicht sagen, jedoch müssten einige Betriebe nun mit Umsatzausfällen rechnen. Schnelle und unbürokratische Hilfen für die betroffenen kleinen und mittleren Betriebe seien nun gefragt. "Der temporäre Schock ist momentan groß. Daher ist es psychologisch wichtig auch wirtschaftspolitisch ein Signal zu setzen", sagte Paukner. Die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld sei ein guter und wichtiger Schritt. Die Regierung müsse aber noch weitere unbürokratische Maßnahmen treffen, um bei Betrieben wirtschaftliche Schieflagen zu vermeiden. Dazu zählen alle wirtschaftspolitischen Instrumente die existenzsichernd und somit beschäftigungssichernd wirken. Die nun von Sachverständigen vorgeschlagen weiteren Maßnahmen werden ausdrücklich begrüßt und sollten umgesetzt werden.

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Bäcker

Rund um die Messen gibt es auch für die Bäcker für gewöhnlich viel zu tun. Die zahlreichen Absagen bekommen die Betriebe daher stark zu spüren. "Wir hören von der Basis, dass erste Betriebe große Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, weil die Menschen seltener vor die Tür gehen oder gastronomische Angebote in Anspruch nehmen. Catering-Services sind von den sich häufenden Absagen von Messen und anderen Veranstaltungen besonders betroffen", sagte Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Zudem gebe es einige Betriebe, die wegen kranker oder unter Quarantäne stehender Mitarbeit Filialen schließen müssten.

Der alleinige Hinweis auf die Möglichkeit des sog. konjunkturellen Kurzarbeitergelds greife laut Verband zu kurz. Versicherungen würden zwar bei infektionsbedingten und behördlich angeordneten Betriebsschließungen zahlen, aber nicht für sonstige Verbindlichkeiten und Umsatzrückgänge.

Zugleich sei auch das Bäckerhandwerk bestrebt, die weitere Ausbreitung dieses Coronavirus möglichst zu unterbinden. Der Verband habe seinen Mitgliedern bereits dazu geraten, einen Plan aufzustellen, der Maßnahmen für den Fall einer weiteren Ausbreitung des Virus und den damit verbundenen Arbeitsausfällen vorsieht.

Friseure

Bei den Friseuren zeichnen sich aktuell keine Umsatzrückgänge ab, teilte der Zentralverband der Friseure (ZV) mit. Dank der standardisierten Hygienemaßnahmen in den Betrieben, sei man bislang gut vorbereitet. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sind aus Sicht des Verbandes ein Signal in die Richtige Richtung. ZV-Präsident Harald Esser, begrüßte vor allem, dass nun anders als bisher die Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden voll erstattet werden sollen. Gleichzeitig sprach Harald Esser sich dafür aus, auf das neuartige Coronavirus nicht mit Panik zu reagieren.

Augenoptiker

Bei den Augenoptikern sind momentan vor allem regionale Unterschiede zu spüren, wie der Zentralverband der Augenoptiker mitteilte. In Gegenden mit relativ hohen Infektionsraten seien die Auswirkungen durchaus deutlich, in anderen sei nichts zu spüren. Teilweise sei eine gewisse Zurückhaltung bei den Kunden spürbar, so haben einige Augenoptiker eine geringere Frequenz, bei anderen, die nach Terminvergabe arbeiten, würden vereinzelt unter Hinweis auf das Virus Termine abgesagt. Was sich geändert habe sei der Umgang mit den Kunden. So muss nun insbesondere vor der Kontaktlinsenanpassung geklärt werden, ob sich der Kunde in einem der Risikogebiete aufgehalten hat. Im Zweifel rät der Zentralverband von einer Kontaktlinsenversorgung ab. Die vom Robert-Koch-Institut unterbreiteten Hygieneempfehlungen seien für die Betriebe und deren Mitarbeiter hingegen nicht neu. Denn auch schon vor der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus musste in Augenoptikbetrieben darauf geachtet werden, virale und bakterielle Infektionen zu verhindern.

Kfz-Gewerbe

Die Bundesregierung hat den stationären Kraftfahrzeughandel untersagt, um das Coronavirus zu bekämpfen. Darüber zeigt sich der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) besorgt. Autohäuser werden am Mittwoch (18. März) geschlossen, Werkstätten dagegen nicht. Denn Werkstätten gehören genau wie Tankstellen oder Lebensmittelläden zu den Bereichen der nötigen Grundversorgung, die von den staatlich angeordneten Schließungen ausgenommen sind. Nach Darstellung des ZDK dürften viele Betriebe ein generelles Verbot des Handels ohne massive Liquiditätshilfen nicht überstehen. Die Autoindustrie steht vor einer schwierigen Zeit, was auch auf Zulieferer und Dienstleister durchlagen wird. VW etwa hat seine Produktion wegen der Coronakrise weitgehend eingestellt. Unternehmensberater erwarten eine Erholung der Autoindustre frühestens im zweiten Halbjahr.

Bauhandwerk

Auf den Baustellen im Bundesgebiet herrscht noch weitgehend Normalbetrieb. Trotzdem wächst beim Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB) die Sorge, vor allem um die Liquidität der vielen kleineren und mittelständischen Betriebe. Ziel der wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung müsse es sein, den Unternehmen Handlungsspielraum zu geben, erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. "Wir brauchen gezielte Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität. Das hat in der jetzigen Situation eine höhere Wirksamkeit als groß angelegte Konjunkturprogramme."

Konkret forderte Pakleppa, dass die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge zurückgenommen werden sollte. "Außerdem brauchen wir eine Flexibilisierung der Soll-/Ist-Besteuerung. Wenn die Betriebe die Umsatzsteuer erst zahlen müssen, wenn die Rechnung tatsächlich beglichen wurde, verschafft das einen Liquiditätsvorteil. So können die drohenden finanziellen Einbußen wenigstens abgemildert werden", sagte Pakleppa.

Nicht zuletzt sei nun erforderlich, die Kreditvergabe durch KfW und Bürgschaftsbanken zu beschleunigen und mit entsprechenden Schnellverfahren für zusätzliche Liquiditätshilfen zu sorgen.

Braubranche

Der Deutsche Brauer-Bund berichtet von deutlichen Auswirkungen der Schutzmaßnahmen vor der Krankheit auf Exportmärkte. Hinzu kämen die Folgen der Einschränkungen in Deutschland auf den Bierausschank in Kneipen und Restaurants. Zudem schwinden die großen Hoffnungen auf die Effekte der Fußball-EM, die auf der Kippe steht. Andererseits wird auch von Vorratskäufen bei Bier berichtet. "Schon heute steht fest, dass die Corona-Pandemie massive Auswirkungen auf die 1500 Brauereien in Deutschland haben wird", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands, Holger Eichele, der Deutschen Presse-Agentur. Nachdem im Februar die Exporte in wichtige Auslandsmärkte eingebrochen seien, falle nun auch ein großer Teil des Gastronomiegeschäfts weg. "Dies kann nicht nur Gastwirte vor existenzielle Probleme stellen, sondern bedeutet auch für viele Brauereien zum Teil massive Verluste", verdeutlichte er. dpa

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