Mit den Infektionszahlen steigt auch die wirtschaftliche Unsicherheit. Auf die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen hat sich das bislang offenbar nicht ausgewirkt. Am schlechtesten schneiden weiterhin Betriebe der Baubranche ab.

Die Zahlungsmoral der deutschen Unternehmen hat sich seit Jahresbeginn trotz der Corona-Krise leicht verbessert. Im dritten Quartal zahlten Betriebe ihre Rechnungen mit einem Verzug von durchschnittlich 9,4 Tagen, wie Creditreform mitteilte. Anfang des Jahres lag die Differenz zwischen dem vereinbarten Zahlungsziel und dem tatsächlichen Zahlungseingang noch bei 10,1 Tagen. Im dritten Quartal 2020 zahlten die Betriebe ebenfalls mit 9,4 Tagen Verzug.
Für ihren Zahlungsindikator wertete die Wirtschaftsauskunft branchenübergreifend rund 80 Millionen Zahlungserfahrungen in ihrem Debitorenregister aus. Auch die Zahlungsmoral von Baubetrieben hat sich demnach leicht verbessert. Mit einem Verzug von 13,6 Tagen (3. Quartal 2020: 13,9 Tage) schneidet die Branche aber weiterhin am schlechtesten ab.
Staatliche Hilfsmaßnahmen sichern Zahlungsmoral
"Ähnlich wie das bisher rückläufige Insolvenzgeschehen, ist auch die vermeintlich verbesserte Zahlungsmoral zunächst ein paradoxes Phänomen", sagt Patrik Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform. "Zur Stabilisierung haben vor allem die massiven staatlichen Hilfsmaßnahmen beigetragen, durch die große Mengen Liquidität an die Unternehmen ausgereicht wurden", so Hantzsch weiter. Zudem dürften sich die Unternehmen an die Krise gewöhnt und ihr Risiko- und Forderungsmanagement an die Ausnahmesituation angepasst haben.
Bei den Bundesländern gibt es dennoch einige Unterschiede. Vor allem die Betriebe in Baden-Württemberg (7,9 Tage), Bayern (8,1 Tage) und Bremen (8,4 Tage) zahlten branchenübergreifend im dritten Quartal 2021 am schnellsten. Am anderen Ende der Skala rangiert Berlin (10,8 Tage) vor Hamburg (10,9 Tage) und dem Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern mit 11,2 Tagen Verzug.
"Kein Zeichen der Gesundung"
Die jetzige Stabilisierung sei kein Zeichen der Gesundung, warnt Hantzsch. Zwar verlängerte die Bundesregierung ihre Wirtschaftshilfen erst kürzlich bis Ende März 2022, spätestens mit Auslaufen der staatlichen Hilfen drohe jedoch eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens. Für Gesamtdeutschland fällt der Ausblick deshalb verhalten aus. Die Wirtschaftsauskunft fürchtet, dass sich die Situation der Unternehmen unter realen Wettbewerbsbedingungen deutlich verschärfen dürfte. fre