Gesundheit -

Bau und Gestaltung des Arbeitsplatzes So schaffen Betriebe ein gesundes Raumklima

In Zeiten des Fachkräftemangels werden sie zu einem wichtigen Erfolgsfaktor für Unternehmen: Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mitarbeitergesundheit. Gestaltungstipps für Werkstatt und Büro.

Beschäftigte, die geistig und körperlich fit sind, können sich besser konzentrieren, machen weniger Fehler und erbringen so mehr Leistung. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf das Ergebnis, sondern auch auf das Image eines Unternehmens aus.

Schon beim Bau der Betriebsräume kann mit der Verwendung natürlicher und emissionsarmer Baumaterialien die Basis für einen gesunden Arbeitsplatz geschaffen werden. Im Hinblick auf die bauliche Beschaffenheit des Gebäudes rücken Aspekte wie Raumluft und -klima, Schadstoffe, natürliches und künstliches Licht, Sonnenschutz, Temperaturregelung sowie Schallschutz in den Fokus. Da all diese Kriterien auch objektiv messbar sind, kann ein Gebäude hinsichtlich dieser bewertet werden.

Dank raumklimatischer Vorteile eignet sich das Material Holz für den Bau von nachhaltigen Büro- und Werkstattgebäuden. Kombiniert mit Baustoffen wie Beton und Stahl innerhalb der Holz-Hybridbauweise erfüllt es zudem wichtige Anforderungen in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Brandschutz und Statik.

Luftqualität und Klima

Ein wichtiger Aspekt für das Wohlbefinden ist die Innenraumluftqualität. Eine Beeinträchtigung kann bereits dadurch entstehen, dass sich mehrere Personen über einen langen Zeitraum auf begrenztem Raum aufhalten – wie es zum Beispiel im Rahmen von Meetings und Konferenzen der Fall ist. Dann besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Kohlenstoffdioxid-Konzentration auf ein kritisches Level ansteigt. Ferner kann die Innenraumluftqualität durch Emissionen belastet werden, zum Beispiel durch flüchtige chemische Verbindungen, die von Bauprodukten, Möbeln oder Textilien an die Raumluft abgegeben werden.

Von großer Bedeutung ist auch der thermische Komfort. Das Wohlbefinden der Mitarbeiter in Bezug auf Raumtemperatur und -klima muss sowohl in der Heiz- als auch in der Kühlperiode sichergestellt werden. Bewertet wird der thermische Komfort anhand der Raumlufttemperatur und der operativen Temperatur (empfundene Temperatur). Zusätzlich fließen auch Faktoren wie Zugluft, die Oberflächentemperatur – vor allem an Außenwand und Fenstern – sowie die relative Luftfeuchte ein. Einen positiven Effekt haben dabei Maßnahmen und eine Bauweise, die es Nutzern ermöglicht, selbst Einfluss auf das Raumklima zu nehmen. Im Vergleich zu einer Kälteerzeugung über ein Klimaaggregat schont eine manuelle Belüftung durch den Nutzer die Umwelt und zeichnet sich durch geringe Investitions- und Betriebskosten aus.

Bei einer Kühlung über Heiz-/Kühldeckenelemente wird die Kühllast im Wesentlichen über Strahlung abgeführt, Zuglufterscheinungen entfallen. Ein behagliches Klima schafft darüber hinaus zum Beispiel die Integration von automatisch gesteuerten Verschattungssystemen, um dem übermäßigen Aufheizen der Räume im Vorhinein bereits vorzubeugen. Abhängig von Kriterien wie Innenraumtemperatur, Intensität der Sonneneinstrahlung, Sonnenstand und Jahreszeit schließt sich das Sonnenschutzsystem, kann aber zugleich manuell bedient werden.

Schallschutz und Raumakustik

Dauerhafte Lärmbelastungen und unerwünschte Geräusche wirken sich negativ auf Produktivität und Wohlbefinden aus. Maßstab zur Bewertung des baulichen Schallschutzes ist die Schalldämmung beispielsweise zwischen Büroräumen, Haustechnikräumen und dem Außenraum.

Der raumakustische Komfort innerhalb eines Büros – Maßstab ist hier die Nachhallzeit – fördert zusätzlich die Konzentration und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Vorteile von Holz

Niedrige Oberflächentemperaturen können mitunter unangenehm sein. Dauerhaft warme Oberflächen bietet der Baustoff Holz. Darüber hinaus weist er eine niedrige Wärmeleitfähigkeit auf – verfügt dadurch über gute Dämmeigenschaften – und kann überdies Wärme speichern. Damit kann Holz dazu beitragen, dass die Büroräume im Sommer nicht überhitzen und im Winter nicht auskühlen. Aufgenommene Wärme wird länger gespeichert und nur in geringen Mengen an den Innenraum weitergeleitet. Damit schafft Holz ein behagliches Raumklima mit angenehmen Temperaturen, ohne dass dabei ein erhöhter Energiebedarf für die Klimatisierung oder Beheizung aufgewendet werden muss.

Eine wichtige Rolle für ein angenehmes Raumklima spielt auch die relative Luftfeuchte. Für ein optimales Wohlbefinden sollte sie zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Eine niedrige Luftfeuchte begünstigt Allergien, Atemwegs- und Hautprobleme, eine sehr hohe Luftfeuchte kann zu Schimmelbildung führen. Hier punktet Holz als Feuchteregulator. Denn unbehandeltes oder mit einer diffusionsoffenen Oberfläche versehenes Holz hat – als hygroskopisches Material – die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und diese mit der Zeit auch wieder abzugeben. Nach diesem Prinzip entzieht Holz dem Raum Wasser, sofern die relative Luftfeuchte hoch ist. Sobald diese wieder sinkt, führt der Baustoff dem Raum Feuchtigkeit zu. Auf diese Weise sorgt das Material für ein angenehmes und ausgeglichenes Raumklima. Besonders wirtschaftlich ist die Kombination von Holz mit Beton und Stahl. Im Verbund lassen sich Bauteileigenschaften erzielen, die mit Holz allein nicht möglich sind, etwa in Bezug auf den Brand- und Schallschutz.

Begrünung für das Büro

Neben den Baustoffen beeinflussen auch Pflanzen das Klima am Arbeitsplatz. In diesem Zusammenhang gibt es vielfältige neue Ansätze – zum Beispiel mit vertikalen Begrünungssystemen. Dabei werden beispielsweise berankte Raumteiler aufgestellt. Zudem gibt es Forschungsansätze, ganze Wände flächendeckend mit Moos zu überziehen. Die lebenden Pflanzen wirken sich gleich in mehrfacher Weise positiv auf das Raumklima aus. Sie befeuchten die Raumluft und sind zugleich in der Lage, der Raumluft Schadstoffe und Feinstaub zu entziehen sowie durch Photosynthese Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umzuwandeln. Zudem tragen Pflanzen zu einer besseren Akustik bei.

Über die Autoren

Jan L. Wenker ist gelernter Tischler und hat auf dem Fachgebiet Holz promoviert. Frank Steffens ist Wirtschaftsingenieur. ­Beide sind für die Firma ­Brüninghoff tätig. Steffens ist Geschäftsführer.

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