Apple Campus 2 Schwäbisches Glas für Apples Raumschiff

Apple Campus 2 heißt der neue Firmensitz des iPhone-Herstellers im Silicon Valley. Einer der wichtigen Partner des Bauprojekts kommt aus Schwaben. Sedak hat sich mit überdimensionalen Glasfassaden international einen Namen gemacht.

Steffen Guthardt

Apple-Chef Tim Cook ­begutachtet in Gersthofen eine Glasscheibe für den Apple Campus 2. - © picture alliance /dpa / Tobias Hase

Größer als das Pentagon, Platz für etwa 13.000 Mitarbeiter, Kosten von geschätzten fünf Milliarden US-Dollar – der neue Firmensitz von Apple im Silicon Valley strotzt vor Superlativen. Von der Belegschaft wird der futuristische Bau kurz AC2 oder wegen seiner Ringform einfach Raumschiff genannt. Schon in Kürze werden die Angestellten im Apple Campus 2 ihre Arbeit aufnehmen.

Der amerikanische Protz passt auf den ersten Blick so gar nicht zur schwäbischen Bescheidenheit. Trotzdem ist ein Handwerksbetrieb aus Gersthofen bei Augsburg maßgeblich am Bau des Apple Campus 2 beteiligt. Der Glasveredeler Sedak hat für das ikonische Gebäude des iPhone-Herstellers über 2.500 Glasscheiben hergestellt, die wesentlich zum futurischen Design des Baus beitragen und ein Arbeiten wie unter freiem Himmel ermöglichen.

XXL-Gläser aus einem Guss

Bei den Gläsern handelt es sich jedoch nicht um handelsübliche Glasscheiben, sondern überdimensionale Sonderanfertigungen mit einem Gewicht wie ein Waldelefant. Bis zu 2,7 Tonnen wiegt ein Element.

Die Fassadengläser für den Außenring sind 14 Meter lang und über drei Meter breit. Die Scheiben für den Innenring haben eine Länge von knapp 11 Metern. Jedes Fassadenglas ist ein Laminat und besteht aus zwei 12-Millimeter-Gläsern – so genanntes Verbundsicherheitsglas (VSG). Für die Veredelung des Rohglases müssen die großen Scheiben mehrere Fertigungsschritte durchlaufen: vom Zuschnitt über den Kantenschliff bis zum Vorspannen im Ofen und schließlich die Lamination in so genannten Autoklaven .

Diese 17 Meter langen und 220 Tonnen schweren gasdicht verschließbaren Druckbehälter ermöglichen es, riesige Glasflächen in einem Stück zu bearbeiten. Technik, die bisher vor allem aus der Luft- und Raumfahrtindustrie bekannt ist.

Eine zusätzliche Herausforderung für Sedak war das Biegen der Fassadenscheiben entsprechend der runden Bauform des AC 2. Um dabei die optische Qualität zu erhalten, wurden die Scheiben "kalt gebogen". Bei diesem Verfahren werden die einzelnen Scheiben vor dem Laminationsprozess verformt. Die besonderen Vorteile des Laminationsbiegens von Verbundglas liegen vor allem in der höheren optischen Qualität der Gläser aufgrund der geringen Verwerfungen und Reflexionen. Ein Vakuumverfahren verhindert das Eindringen von Luft und Staub.

Neben den Fassadenscheiben hat Sedak auch noch 1.600 Vordachscheiben in einer Länge von bis zu 14 Metern ins Silicon Valley geliefert.

Laut Sedak gibt es derzeit kein Gebäude auf der Welt, bei dem so viele Scheiben in dieser Größe verbaut worden sind. Würde man die Fassadenscheiben für den Apple Campus 2 nebeneinander ausbreiten, ergäbe sich eine Fläche von knapp 31.000 Quadratmetern – eine Fläche so groß wie fünf Fußballfelder oder die gesamte Fertigungshalle von Sedak.

Ein Transport der Glaselemente im Container war aufgrund der Länge der Scheiben nicht möglich. So wurden eigens Kisten aus Holz gebaut, die mit biegesteifen Rahmenkonstruktionen beim Transport per Schiff ein Durchbrechen verhindern.

Glas für 70 Apple Stores weltweit

Dass der Weltkonzern Apple den lukrativen Auftrag für seine Konzernzentrale in die schwäbische Kleinstadt vergeben hat, verwundert nur auf den ersten Blick.

Apple und Sedak arbeiten bereits viele Jahre bei diversen Projekten zusammen. Die Glaselemente made in Germany wurden weltweit schon in über 70 Apple Stores verbaut, beispielsweise auch im berühmten Glaskubus von Apple auf der 5th Avenue in New York. Für den architektonisch einzigartigen Apple Store mit einer Fläche von fast 3.000 Quadratmetern lieferte Sedak neben den Fassadengläsern auch eine Wendeltreppe aus Glas.

Bei der langen und erfolgreichen Partnerschaft der beiden Unternehmen lag es nahe, dass Apple den Auftrag für seinen neuen Konzernsitz wieder nach Gersthofen vergibt.

Zumal die technischen Möglichkeiten des Glasspezialisten genau zu den Vorstellungen von Apple-Gründer Steve Jobs passen. Der Apple-Gründer hatte noch zu Lebzeiten Ideen für den neuen Firmensitz entwickelt. Eine seiner Visionen, die Star-Architekt Norman Foster realisiert hat: Die Fassade sollte aus riesigen Gläsern bestehen und viel natürliches Licht nach innen lassen.

Die Zusammenarbeit mit Apple hat Sedak über viele Jahre geheim­gehalten, damit keine vertraulichen Details über das Großprojekt an die Öffentlichkeit gelangen. Zu wichtig ist Apple als Partner.

Apple-Chef besucht Werk

Geändert hat das erst ein Besuch von Apple-Chef Tim Cook in Gersthofen im Februar 2015. Höchstpersönlich nahm Cook die 872. Fassadenscheibe für den Apple Campus 2 ab und verteilte dabei – typisch amerikanisch – noch fleißig Komplimente.

Der Auftrag sei nach Gersthofen gegangen, "weil das niemand so gut kann" und "ihr die Besten der Welt seid". Eine große Ehre für den Glasbauer. "Wir sehen es als Auszeichnung an, dass unser Glas Teil eines Jahrhundertbauwerks wie dem Apple Campus 2 ist", sagt Bernhard Veh, Geschäftsführer bei Sedak, nicht ohne Stolz.

Schreinerkunst für Apple

Die Firma Sedak ist nicht das einzige deutsche Handwerksunternehmen, das zu den wichtigen Partnern von Apple zählt. Das Familienunternehmen Dula aus dem Münsterland liefert zum Beispiel handwerklich gefertigte Möbel für viele Apple Stores weltweit und auch für den neuen Apple Campus 2.

Der Betrieb, der in der vergangenen Jahren sein Geschäft zunehmend international ausgerichtet hat und inzwischen über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, liefert zum Beispiel Schränke und Tische nach Maß für die Apple Stores. Die Produktionsprozesse laufen wegen der großen Stückzahlen zum Teil automatisiert ab. Über 100 Teile werden für jeden der gefertigten Tische benötigt. Die hochmodernen Produkte für Apple sind mit Sensoren ausgestattet, die Berührungen erkennen und zum Beispiel automatisch Steckdosen aus- und einfahren.

Trotzdem ist klassische Handarbeit beim Zusammenbau immer noch unverzichtbar. Auch beim verwendeten Material setzt die Firma Dula auf Tradition: Deutsche Eiche aus dem Spessart muss es sein. dhz