KI in der Praxis So nutzen diese Handwerksbetriebe ChatGPT

ChatGPT als Arbeitsentlastung in Handwerksbetrieben? Ein Maschinenbau-Betrieb und ein Friseursalon berichten, wie sie das Tool einsetzen.

Laptop mit Startseite ChatGPT aufgerufen.
ChatGPT kann vor allem bei der Büroarbeit ein hilfreiches Tool sein. - © Thaspol - stock.adobe.com

Digitalisierung ist bei der R&W Maschinenbau GmbH nicht nur ein Schlagwort. Das Unternehmen in Remagen im Rheinland fertigt CNC-Komponenten, Präzisionsteile, Werkzeuge und komplette Baugruppen für Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Seit Kurzem erleichtert ein ERP-System die Arbeitsabläufe im Betrieb, eine digitale Lagerhaltung und die Erfassung von Maschinendaten sollen bald folgen. Zwei neue Roboter in der Produktion helfen zudem dabei, die Mitarbeiter bei monotonen Arbeiten zu entlasten. Und seit einiger Zeit setzen die Unternehmensnachfolger Hendrik Richarz und Simon Wilwerscheid sowie Geschäftsführer Markus Byhahn auch auf ChatGPT im Büro.

Maschinenbau-Betrieb: ChatGPT erstellt Schulungsunterlagen

Die Künstliche Intelligenz (KI) von Microsoft sammelt große Mengen an Daten aus dem Internet. Wird dem Chatbot vom Nutzer eine Frage gestellt oder ein Befehl – der Fachbegriff dafür lautet "Prompt" – erteilt, erstellt er daraus neue Inhalte. Damit hat ChatGPT auch das Potenzial, den Büroalltag von Handwerkern zu erleichtern.

Am Beispiel der R&W Maschinenbau GmbH zeigt sich das ganz deutlich. Mittlerweile sei das Tool fest auf seinem Desktop verknüpft, sagt Hendrik Richarz. So nutzt er die KI etwa, um Schulungsunterlagen für die rund 50 Mitarbeiter zu erstellen. Zum Beispiel für Unterweisungen rund um das Thema IT-Sicherheit. In diesem Fall war es das Ziel, die Mitarbeiter über den Umgang mit schädlichen E-Mails, Trojanern und verdächtigen Links zu schulen. "Ich habe ChatGPT gesagt, dass er mir zu dem Thema ein kurzes und knackiges Handout für eine Unterweisung mit maximal zehn Punkten erstellen soll", erklärt Richarz seine Vorgehensweise. Das habe gut geklappt: "Die Inhalte, die bei ChatGPT herauskommen, sind wirklich brauchbar."

"Allerdings sind immer einige Korrekturen an den Texten nötig", ergänzt er. Gebe man dem Chatbot jedoch die passenden Rahmendaten vor, spare ChatGPT sehr viel Zeit. Denn vorher habe Richarz für solche Textaufgaben immer eine größere Internetrecherche machen müssen. "Gerade auch beim Zusammenfassen von Texten oder beim Sortieren von Inhalten ist ChatGPT sehr hilfreich", findet er. Und das Tool bietet ihn auch Inspiration, wie dieses Beispiel zeigt: "Ich habe mir von ChatGPT grob vorschlagen lassen, welche Mehrwerte am Markt wir mit unserem Unternehmen generieren könnten." Auch hierbei sei die KI ziemlich treffsicher gewesen. In die Ergebnisse habe ChatGPT auch Inhalte der Firmenwebseite einbezogen. "Nach etwas Feinarbeit hatte ich zehn Punkte für unsere künftige Unternehmensausrichtung zusammen, die ich für ein entsprechendes Meetings nutzen konnte", so Richarz.

ChatGPT im Friseursalon

Dass ChatGPT auch in anderen Handwerksbranchen erfolgreich zum Einsatz kommen kann, zeigt das Beispiel des Friseursalons Jens Dapper. Seit 1951 gibt es den Familienbetrieb in Mörlenbach im Odenwald. Jens Dapper ist Friseurmeister in dritter Generation und kümmert sich gemeinsam mit den vier Mitarbeitern um die Haare der Kunden. Für alle anderen Aufgaben im Salon – insbesondere für das Marketing – ist seine Frau Elke Thomé zuständig. Die Betriebswirtin hat ChatGPT bereits getestet.

Elke Thomé vom Friseursalon Jens Dapper nutzt ChatGPT und andere KI fürs Schreiben von Stellenanzeigen. - © privat

Thomé ist sowohl beruflich als auch privat an allen Facetten der Digitalisierung interessiert, organisiert als Smartphonefotografin etwa eigene Ausstellungen. Für die Arbeit nutzt sie schon seit einigen Jahren KI, die ihr dabei helfen, Texte zu erstellen und zu verbessern. "Ich finde, sie sind eine riesige Erleichterung. Denn vorher musste ich alle Texte selbst schreiben. Das war ein sehr großer Zeitaufwand." Die Inhalte nutzt sie zum Beispiel für die Website oder die Social Media-Kanäle des Friseursalons.

Stellenanzeigen von der KI

Aktuell ist sie noch dabei, die Möglichkeiten von ChatGPT mit anderen KI zu vergleichen. So hat sie zum Beispiel zwei Stellenanzeigen schreiben lassen: einmal über ChatGPT und einmal über Wortliga, einem Textanalyse-Tool, das sie schon seit längerer Zeit gerne nutzt. Ihr Fazit: "Beide Stellenanzeigen sind gut geworden." Mit der Qualität der Texte von ChatGPT sei sie aber noch nicht ganz zufrieden gewesen. "Damit ein hochwertiger Text entsteht, kommt es tatsächlich stark darauf an, welche Informationen man ChatGPT mitgibt. Teilweise sind die Texte auch viel zu lang und in meinen Augen damit oft nicht online-tauglich", sagt Thomé. Die Stellenanzeige von ChatGPT habe sie noch zwei Mal überarbeiten müssen: "Bis zur Veröffentlichung war es dennoch ein minimaler Aufwand für mich." Und auch Thomé prüft immer aufmerksam, ob alle Inhalte korrekt sind. Dazu raten auch Juristen: Denn trotz der vielen Fähigkeiten von ChatGPT, ist das Programm anfällig für Fehler. Das liegt unter anderem daran, dass die KI nur mit Daten bis Ende 2021 trainiert worden ist.

Welchen Tipp gibt Elke Thomé Handwerksbetrieben, die ChatGPT ausprobieren wollen? "Wer sich vorher gut überlegt, welche Details für den Text wichtig sind und diese so präzise wie möglich bei ChatGPT eingibt, erhält auch bessere Texte", so Thomé. Gleichzeitig rät sie dazu, dem Chatbot keine persönlichen Daten rund um den Betrieb oder gar über die Kunden zur Verfügung zu stellen. Auch Rechtsexperten warnen: Bei der Eingabe sensibler Daten sollten Unternehmer vorsichtig sein. Denn sie könnten gegen die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstoßen.

Und Thomé hat noch einen Tipp. Da sich die Möglichkeiten durch ChatGPT und andere KI immer weiter entwickeln, ist es manchmal schwer, hier den Überblick zu behalten: "Deshalb habe ich Newsletter verschiedener Fachmagazine aus dem Bereich Digitalisierung abonniert, die mich auf dem Laufenden halten."

Auf die von ChatGPT generierte Stellenanzeige für eine Reinigungskraft habe Thomé bereits Feedback erhalten, erzählt sie: "Eine Rückmeldung war, das sie die Anzeige besonders angesprochen hat."

Kostenloses Webinar: ChatGPT – kann mein Betrieb vom KI-Hype profitieren?

Theoretisch kann ChatGPT fast jede Aufgabe im Büro binnen Sekunden erledigen: Stellenanzeigen, Abwesenheitsnotizen, Kundenbriefe, Marketingtexte und sogar Kündigungen. Was Handwerkinnen und Handwerker dafür brauchen, ist lediglich ein Zugang zu OpenAI und das richtige Gefühl für die Befehle an die KI. Ist ChatGPT aber auch praxistauglich? Und darf die KI datenschutzrechtlich überhaupt verwendet werden? Diesen Fragen beantwortet handwerk magazin in einem kostenlosen Webinar am 27. Juli 2023. Das Wirtschaftsmagazin für Handwerksunternehmer erscheint wie die Deutsche Handwerks Zeitung im Verlag Holzmann Medien. Hier erfahren Sie mehr über das Webinar: 

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