Branche -

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und ZDH-Positionspaper So nachhaltig ist das Handwerk

Das Handwerk baut aus, saniert und repariert. Damit leisten die Betriebe einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der deutschen Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig bietet der Einsatz für Umweltschutz Unternehmern viele Vorteile.

Mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz – so will es die Bundesregierung. Dafür wurde nun die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickelt. Bis Ende Oktober konnten unter anderem auch Vertreter des Handwerks ihre Vorschläge einbringen. Mit dem Entwurf zeigt sich der Zentral Verband des Deutschen Handwerks (ZDH) jedoch nicht zufrieden, denn er werde der Rolle des Handwerks nicht gerecht. "Zu wenig bis gar nicht sind darin das Handwerk als wichtige Wirtschaftsgruppe wie auch kleine und mittlere Unternehmen berücksichtigt", sagt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer und ergänzt: "Die Nachhaltigkeitsziele werden nur zu erreichen sein, wenn auch die Betriebe des Handwerks ihren Beitrag leisten können und nicht etwa durch zusätzliche Berichts- und Informationspflichten bei den Maßnahmen, die die Strategie vorsieht, darin behindert werden." Denn Handwerker bauen aus, erhalten und sanieren. Die Betriebe integrieren neue Technologien, um weniger Abfall zu erzeugen, Energie zu sparen oder effizienter zu nutzen.

Studie LFI

Dass Handwerkern der Umweltschutz am Herzen liegt, bestätigt eine Untersuchung des Ludwig-Fröhler-Instituts, ein Forschungsinstitut für Handwerkswissenschaften. Auf die Frage, ob sie aktiv Ressourcen schonen, antworteten 48 Prozent mit "(fast) immer", 40 Prozent mit "häufig". Auch auf Müllvermeidung achten Handwerker laut der Studie. 45 Prozent vermeiden (fast) immer, 36 Prozent häufig Müll oder verwenden Materialien mehrfach. "Nachhaltigkeit ist für Handwerksbetriebe nicht nur ein Modethema. Nachhaltiges Denken und Handeln ist seit jeher ein integraler Bestandteil des Selbstverständnisses von Unternehmern und Beschäftigten im Handwerk", sagt ZDH- Generalsekretär Holger Schwannecke.

Welche Chance bietet Nachhaltigkeit?

Dass das Handwerk maßgeblich an der Umsetzung von Nachhaltigkeit beteiligt ist, sieht auch Georg Voswinckel, zuständig für Innovation, Technologie und Umwelt bei der Handwerkskammer Freiburg. "Gerade in den Bereichen Beratung und Instandhaltung tragen Handwerker viel dazu bei", so Voswinckel. Durch den direkten Kontakt zum Kunden seien sie in der Nachhaltigkeitskette unentbehrlich. Vor allem für die Bau- und Ausbaugewerke, wie zum Beispiel das SHK-Handwerk und das Elektrohandwerk oder auch die Lebensmittelhandwerke biete Nachhaltigkeit schon jetzt und auch in Zukunft großes Potenzial. Wer seinen Betrieb nachhaltig ausrichtet, könne nicht nur einen Teil zum Umweltschutz beitragen, sondern sich auch Marketingvorteile verschaffen.

Da der Stellenwert von Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Gesellschaft steigt, ist es auch für Betriebe immer wichtiger, sich damit zu beschäftigen. "Denn Kunden achten zunehmend darauf, wie und wo Produkte hergestellt werden". Ein Handwerker, wie beispielsweise ein Schreiner, könne da mit qualitativ hochwertigen und langlebigen Produkten punkten. Wer seine Klimaschutzaktivitäten kommuniziert, habe auch Vorteile, um Fachkräfte zu binden und gewinnen. "Betriebe können ihren Mitarbeitern beispielsweise ÖPVN-Tickets anbieten, oder mit einem elektrischen Fuhrpark überzeugen". Auch Banken würden bei einer Kreditvergabe immer mehr darauf achten, wie nachhaltig ein Betrieb ausrichtet, sagt Voswinckel. Wer hier entsprechende Nachweise liefern kann, habe Vorteile.

Energiewende als Zukunftsthema

Für Handwerksunternehmer biete Nachhaltigkeit  auch im Bereich der "Energiewende" viele Chancen, denn die Elektrohandwerke unterstützen mit ihrer Arbeit die Umsetzung vieler Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung. Zum Beispiel durch den Aufbau von Infrastruktur für E-Mobilität oder die Installation von PV-Anlagen, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben, so Daniel Erdmann, Referent Wirtschaft und Technik des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnik (ZVEH). Als ein Beispiel nennt er den Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland. "Handwerker sorgen dafür, dass das Glasfaserkabel vom Bürgersteig ins Gebäude kommt. Sie tragen damit dazu bei, den Gebäudebestand zukunftssicher zu machen. Auch für die Inhouseverkabelung braucht es einen Fachmann." Da eine Gigabitversorgung von Gebäuden immer wichtiger wird, sei das ein Zukunftsthema für das Handwerk.

Eine Marktanalyse des Bundesverbandes Breitbandkommunkation e.V. geht laut ZVEH davon aus, dass in Deutschland bis 2023 circa 22 Millionen Glasfaseranschlüsse zur Verfügung stehen werden. Ein wichtiger Treiber sei dabei auch die Corona-Pandemie, die zu einer erhöhten Nachfrage nach mehr Bandbreite geführt hat. "Außerdem sind Betriebe wichtige Arbeitgeber, gerade in strukturschwächeren Regionen. Sie erhöhen die lokale Wertschöpfung", sagt Erdmann. Digitalisierung und Energiewende seien ohne die Kompetenz der Elektrohandwerke nicht umsetzbar. Das bedeutet: Das Auftragsvolumen wächst, nicht zuletzt durch das wachsende Umweltbewusstsein in der Bevölkerung.

ZDH fordert bessere Bedingungen für das Handwerk

Um das Potenzial bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele ausschöpfen zu können, brauchen Handwerksbetriebe jedoch Bedingungen, die ihnen das auch ermöglichen, sagt Schwannecke. Konkrete Vorschläge liefert der Zentralverband in seinem Positionspapier "Werte erschaffen. Werte bewahren. Zukunft gestalten." Mit dem Papier stellt sich der Verband hinter die Bundesregierung, um die global vereinbarten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 umzusetzen. Mit der Agenda hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung gesetzt. Damit Handwerksbetriebe besser unterstützt werden und ihr Potenzial ausschöpfen können, sei es laut Positionspapier unter anderem wichtig, die regionalen Wirtschaftsstrukturen zu sichern, den Aufbau und die Sicherung von Fachkräften zu unterstützen, Innovationen nachhaltig zu stärken, die Energie- und Klimawende zu fördern und die Potenziale der Kreislaufwirtschaft zu heben.

Hier finden Betriebe Unterstützung

Handwerksbetriebe, die Unterstützung bei einer nachhaltigen Betriebsausrichtung suchen, können sich in erster Linie an Fachverbände und zuständige Handwerkskammern wenden. Wo Handwerksbetriebe nachhaltiger wirtschaften können, darüber informiert zum Beispiel auch die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz. Auf der Internetplattform sind allgemeine Tipps und gewerksspezifische Maßnahmen aufgelistet. Zudem finden Unternehmer persönliche Beratungsangebote. Bislang wurden laut ZDH 1.400 Betriebe vor Ort zum Thema Energieeffizienz und Klimaschutz geschult.

Betriebe können über die Mittelstandsinitiative auch ein Energiebuch beantragen, dass bei der Effizienzberatung helfen kann. Als Ordner konzipiert können Betriebsinhaber dort wichtige betriebliche Daten rund um das Thema Energie sammeln. Diese können ausgewertet werden und somit als Entscheidungsbasis für zukünftiges Handeln dienen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten