So lange müssen Kunden aktuell auf einen Handwerker warten

Rohstoffe werden immer teurer und knapper. Aber auch die Ressource Handwerker ist gefragt. Die Wartezeiten, bis ein Handwerker mit einem Auftrag beginnen kann, werden immer länger.

Dachstuhl im Rohbau
Bis zu 15 Wochen kann es dauern, bis ein Handwerker aus dem Ausbaubereich einen neuen Auftrag starten kann. - © Wolfilser - stock.adobe.com

Im Handwerk müssen sich Kunden auf längere Wartezeiten und höhere Preise einstellen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Nicht nur Holz ist derzeit knapp und teurer, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren und vieles mehr. Auch elektronische Teile für unsere Elektroniker und Kabel und all das fehlt. Das macht unseren Betrieben in diesen Bereichen im Moment ganz schwer zu schaffen." Wollseifer warnte vor einem Einbruch des privaten Wohnungsbaus.

"Kunden müssen inzwischen wegen der Lieferengpässe noch länger auf einen Handwerker warten, auch wenn das natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich ist", sagte Wollseifer. "Unsere Betriebe tun da gerade ihr Bestes, damit sich das nicht oder nur in Maßen auf Kundenseite auswirkt. Im Gesamthandwerk liegt die durchschnittliche Auftragsreichweite derzeit bei 8,8 Wochen. Im Bau- und Ausbaubereich jedoch ist es so, dass man aktuell mit mindestens zehn und manchmal sogar bis zu 15 Wochen rechnen muss, bis ein Auftrag begonnen und abgearbeitet wird."

Materialien in allen Baubereichen fehlen

Vor allem der Bau- und Ausbaubereich drohe durch die Materialknappheit und Preisexplosion in eine Krise zu schlittern, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). "Erhebliche Engpässe sehen wir nach wie vor bei bestimmten Metallen und Kunststoffen, zudem melden die Betriebe uns, dass auch Vorprodukte wie Schrauben langsam knapp werden." Auch in den nächsten Monaten werde die Versorgung mit den für die Elektrohandwerke wichtigen Halbleiterprodukten weiter problematisch bleiben.

"Bauen wird teurer werden", sagte Wollseifer. Er könne keine genaue Größenordnung nennen. "Aber wir haben bei den verschiedenen Materialien in den letzten drei bis fünf Monaten Materialteuerungen von 20 bis 30 Prozent gehabt - bis hin zur Verdreifachung des Materialpreises bei einzelnen Gütern."

Lange Wartezeiten bereits vor Corona

Das Problem mit der knappen Ressource Handwerker ist jedoch nicht neu. Schon vor den starken Preisanstiegen für Rohstoffe und Baumaterialien waren gute Handwerker schwer zu bekommen. Bereits Anfang 2020 warnte Wollseifer vor langen Wartezeiten im Handwerk.

"Leider kann ich bei den Wartezeiten auf einen Handwerker noch keine Entwarnung geben, die werden mittelfristig erst einmal nicht geringer", sagte Wollseifer, damals der der Deutschen Presse-Agentur. "Es kommen nicht genügend Handwerker nach."

Der Konjunkturbericht des Handwerks Anfang 2020 zeigt, dass es im Gesamthandwerk im Durchschnitt 9,1 Wochen dauerte, bis ein Auftrag erfüllt wurde. In den Bau- und Ausbauhandwerken mussten Kunden 13,4 beziehungsweise fast 10,6 Wochen warten.

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Fehlender Nachwuchs verknappt das Angebot

Einer der Hauptgründe für den Handwerkermangel ist der fehlende Nachwuchs. Seit Jahren geht die Zahl der Auszubildenden im Handwerk zurück und immer mehr Stellen bleiben unbesetzt. Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Krise zusätzlich für einen schweren Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt gesorgt. Erstmals sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um elf Prozent unter eine halbe Million. Im Handwerk ging die Zahl um 7,5 Prozent auf 132.000 neue Verträge zurück.

Im aktuellen Ausbildungsjahr sieht die Lage insgesamt etwas besser aus. Insgesamt sind laut ZDH bis Ende Juni 2021 62.251 neue Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen worden. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 55.052 Verträge. Besonders im Baugewerbe sieht es gut aus. Die Zahl der neuen Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr ist, nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, um 6,9 Prozent gestiegen. Außerdem bilden 3,5 Prozent mehr Betriebe aus.

Die Zahlen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch mehr Nachwuchs gebraucht wird. Der ZDH spricht aktuell noch von etwa 31.000 offenen Stellen, in allen Regionen und Gewerken.

Mit Inhalten der dpa