Musterportfolio So könnten 25.000 Euro erfolgreich angelegt werden

Angesichts extrem niedriger Zinsen müssen Sparer bei der Geldanlage heute ganz andere Überlegungen anstellen als früher. Vor allem müssen sie sich der Aktienanlage öffnen.

Gastautor Gerd Hübner

Bei einem längeren Anlagezeitraum von 15 oder 20 Jahren raten Experten dazu, mehr Risiko und damit einen höheren Aktienanteil ins Portfolio zu nehmen. - © pixelkorn - stock.adobe.com

Wer einen größeren Betrag zur Verfügung hat und diesen anlegen möchte, steht vor einer Herausforderung. Denn das Sparbuch wirft aktuell keine Zinsen mehr ab. Unverzinst angelegtes Geld aber verliert an Kaufkraft. Bei einer Inflationsrate von nur 1,5 Prozent im Schnitt pro Jahr verliert eine Summe von 25.000 Euro in zehn Jahren rund 3.500 Euro an realem Wert. In zehn Jahren kann ein Sparer damit folglich nur noch Güter erwerben, die dem heutigen Gegenwert von etwa 21.500 Euro entsprechen.

"Aufgrund dieser Ausgangssituation kommen das Sparbuch oder andere Zinseinlagen als Geldanlage nicht mehr in Betracht", erläutert Torben Peters, Geschäftsführer der Proaktiva GmbH. Es stellt sich also die Frage, wie zum Beispiel ein jüngerer Anleger, der einen Betrag von 25.000 Euro investieren möchte, am besten vorgeht.

Anlageziele und Risikobereitschaft festlegen

"Grundsätzlich gilt es zunächst, sich über die eigenen Anlageziele und seine eigene Risikobereitschaft Gedanken zu machen", macht Petra Ahrens von der Maiestas Vermögensmanagement AG klar. Wer beispielsweise bei kurzzeitigen starken Verlusten nicht gut schlafen kann oder das Geld schon nach ein bis zwei Jahren wieder braucht, sollte keine hohen Risiken eingehen.

Wer wie im obigen Beispiel aber jung ist, kann einen längeren Anlagezeitraum von 15 oder 20 Jahren einplanen. "In diesem konkreten Fall rate ich deshalb schon dazu, mehr Risiko und damit einen höheren Aktienanteil ins Portfolio zu nehmen", sagt die Finanzexpertin. Der Grund: Langfristig, so die Erfahrung aus der Vergangenheit, gleichen sich zwischenzeitliche Kursverluste nach einigen Jahren wieder aus. Das bestätigt ein Blick auf das Dax-Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts. Demnach dauerte es bei einer Einmalanlage im schlimmsten Fall zwölf Jahre, bis der Anleger wieder im Plus war.

"Wer die Kursschwankungen am Aktienmarkt trotzdem nicht gut aushalten kann, für den kann zudem ein Sparplan, bei dem ein Anleger jeden Monat einen bestimmten Betrag investiert, hilfreich sein", so Ahrens weiter. Schließlich kaufen Anleger so im Falle eines Kurseinbruchs die Aktien im Schnitt günstiger ein. Dieser so genannte Cost-Average-Effekt kann helfen, kurzfristige Marktschwankungen besser durchzustehen.

Aktienquote von 70 bis 80 Prozent für jüngere Sparer

Grundsätzlich rät Ahrens jüngeren Sparern zu einer Aktienquote in Höhe von 70 bis 80 Prozent im Portfolio. "Dazu können dann noch Anleihen kommen, idealerweise über einen international anlegenden und breit gestreuten Investmentfonds, eine Beimischung an Edelmetallen wie Gold, Silber oder Platin sowie etwas Cash", sagt die Expertin.

Wer so weit ist, muss nun überlegen, wie er den Aktienbereich befüllt. "Ein entscheidender Punkt ist hier eine breite Streuung", meint Peters. Und deshalb eignen sich Exchange Traded Funds (ETFs) oder aktiv gemanagte Fonds am besten (siehe dazu Interview). Zudem empfiehlt der Experte eine so genannte Core-Satellite-Strategie.

"Das heißt, dass man zunächst einen breit gestreuten ETF oder global anlegenden Aktienfonds nimmt, der die wichtigsten Märkte wie die USA, Europa und Asien inklusive China abdeckt", so Peters weiter. "Danach kann der Anleger, je nach seinen persönlichen Überzeugungen, Themen wie Technologie, Nachhaltigkeit oder den Biotech-Bereich über einzelne Fonds oder ETFs beimischen."

Zwar dürfen Anleger dabei nicht vergessen, dass ihr Vermögen dabei aufgrund der hohen Kursschwankungen bei Aktien zwischenzeitlich stark schwanken kann. "Im aktuellen Umfeld bietet eine solche Vorgehensweise mit einem Sparplan und einer starken Aktiengewichtung aber die Chance, eine positive reale Rendite zu erzielen", sagt Finanzexpertin Ahrens. Langfristig sind auf diese Weise fünf Prozent oder mehr im Schnitt pro Jahr drin. Und das ist deutlich mehr, als es derzeit mit sicheren Zinsanlagen zu verdienen gibt.  

Musterportfolio

Ausgangspunkt ist ein jüngerer Anleger, der 25.000 Euro für einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren anlegen möchte. "In einem solchen Fall kann der Sparer größere Risiken eingehen und zum Beispiel ein Portfolio, dass zu 70 Prozent aus Aktien, zu 20 Prozent aus Anleihen und zu zehn Prozent aus Rohstoffinvestments wie Gold oder Silber aufbauen", sagt Petra Ahrens von Maiestas Vermögensmanagement klar. Wer vorsichtig ist, investiert das Geld zudem über regelmäßige monatliche Sparraten.

Konkret könnte das Portfolio folgendermaßen aussehen:

  • 70 Prozent Aktien
  • 20 Prozent Anleihen
  • 10 Prozent Rohstoffe

Mögliche Fonds für den Aktienanteil:


ISIN Wertentwicklung  Wertentwicklung  
Name
1 Jahr in %  3 Jahre in % p.a.
Morgan Stanley Global OpportunityLU055238529579,2123,07
Robeco Global Consumer TrendLU018707934773,4821,55
Threadneedle Global Small CapLU057087056785,4120,70
Fidelity World Fund Y-Acc-EURLU031894166264,1913,93
iShares Core MSCI World UCITS ETFIE00B4L5Y98353,0913,08
SPDR MSCI World Health Care ETFIE00BYTRRB9428,1212,99
Vanguard FTSE All World ETFIE00B3RBWM2552,8812,29
SPDR S&P US Dividend Aristocrats ETFIE00B6YX5D4046,3312,14

Quelle: Morningstar, Stand 18.03.21, sortiert nach 3-Jahres-Performance

Interview: Worauf bei der Geldanlage zu achten ist

Torben Peters von Proaktiva erklärt, was eine breite Diversifikation im Portfolio bringt und was Anleger sonst noch berücksichtigen sollten.

DHZ: Herr Peters, warum ist eine breite Streuung der Geldanlage so wichtig?

Torben Peters: Wenn Sie in nur drei Werten aus dem gleichen Land oder der gleichen Branchen investieren, weisen diese Aktien eine sehr hohe Korrelation zueinander auf. Dies kann bei bestimmten Ereignissen dazu führen, dass alle drei Aktien gleichermaßen an Wert verlieren. Dagegen lassen sich mit einer breiten Diversifikation des Portfolios über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen Risiken nachweislich reduzieren, ohne dass darunter die Rendite leidet.

DHZ: Wie können Anleger eine breite Streuung erreichen?

Peters: Einmal gibt es Exchange Traded Funds, die einen Index wie den globalen Aktienindex MSCI World nachbilden. Er enthält mehr als 1.500 Titel aus allen wichtigen Branchen und Regionen der Welt. Der Kurs eines ETF bewegt sich dann genau so wie der zugrunde liegende Index abzüglich der Kosten.

DHZ: Die Alternative dazu sind Investmentfonds…

Peters: Ja. Bei Fonds wählt ein Management die Einzeltitel nach bestimmten Kriterien, zum Beispiel nach bestimmten Fundamentaldaten aus, womit die Zusammensetzung eines weltweit anlegenden Aktienfonds auch von einem Index wie dem MSCI World abweichen sollte. In der Regel wird ein globaler Fonds dann ebenfalls eine Vielzahl an Aktien aus verschiedenen Ländern und Regionen sowie aus allen möglichen Sektoren enthalten.

DHZ: Worin liegen Vor- und Nachteile gegenüber einem ETF?

Peters: Nachteilig sind die höheren Kosten, weil Sie den Fondsmanager bezahlen müssen. Das heißt, ein Fonds muss unter Beweis gestellt haben, dass er diese Mehrkosten wert ist. Ein guter Fondsmanager kann beispielsweise in fallenden Märkten Risiken herausnehmen und die Verluste im Vergleich zum Aktienmarkt insgesamt begrenzen. Ob sich nun ein ETF oder ein Fonds besser eignet, hängt aber letztlich auch vom einzelnen Anleger ab.