Beginn der Ausbildung So klappt es zwischen Chef und Azubi

Zum Start eines neuen Ausbildungsjahrs kommt sowohl auf die Azubis als auch auf die Ausbilder viel Neues zu. Gegenseitiges Beschnuppern und schnell ein gutes Miteinander finden ist angesagt. Welche Fragen zu Beginn geklärt werden sollten und warum ein Einarbeitungsplan so wichtig ist.

Bettina Schöbitz

Eine erfolgreiche Ausbildung bedeutet für den Auszubildenden, mehr als nur "Fachliches" zu lernen. Chef und Lehrling sollten gut miteinander auskommen, damit die Zusammenarbeit klappt. Dann profitieren beide. - © Foto: endostock/Fotolia

Neue Azubis im Betrieb fordern viel von Ihnen: Zeit, Geduld, Fachwissen und einen menschlichen Umgang miteinander. Das erfordert Kraft – und  bringt Ihnen in hoffentlich baldiger Zukunft eine fähige und einsatzbereite Arbeitskraft. Jemanden, der Ihnen Aufgaben abnimmt. Der eigenverantwortlich arbeitet, mitdenkt und der Ihre Kunden für Ihr Unternehmen begeistert. Im Idealfall. Doch oft sieht die Wirklichkeit anders aus.

Denn um diesen Optimalzustand zu erreichen, bedarf es zunächst des gegenseitigen Respekt beider Parteien: Des Ausbilders und des Auszubildenden. Denn Respekt ist quasi der "Mutterboden" eines Unternehmens, auf dem engagierte und leistungsfähige Mitarbeiter überhaupt erst einmal gedeihen können. Fehlt er, vertrocknet die noch junge "Motivation" der künftigen Mitarbeiter wie ein Keimling in der Sonne. Respekt seitens des Auszubildenden fördert im Gegenzug die Bereitschaft der Kollegen und des Chefs, sich Zeit zu nehmen, Dinge mehrfach zu erklären und über Fehler auch einmal großzügig hinweg zu sehen.

Niemand möchte wie der Dorfdepp dastehen

Denken Sie einmal an den ersten Tag Ihrer eigenen Ausbildung zurück: Sie waren vermutlich selbst  nervös, hatten Tage vorher kaum geschlafen und keine wirkliche Ahnung, was auf Sie zukommt. Sie haben sich Gedanken gemacht, wie Sie – der Sie ja noch nichts können – mit den an Sie gestellten Erwartungen klar kämen. Sie wussten vermutlich kaum, wie so ein Arbeitstag als Auszubildender wirklich abläuft.

Fehler zu machen erschien Ihnen peinlich, zu viel zu fragen vielleicht auch. Denn eigentlich möchte niemand von uns als unwissender Dorfdepp dastehen und mehrere Wochen lang das Gefühl haben, nur lästig zu sein und im Weg zu stehen. Hätte man Ihnen genau dieses Gefühl gegeben, wäre auch Ihre Motivation vermutlich schnell den Bach herunter gegangen, oder?  

Fragen vorab klären

Um den jungen Mitarbeitern einen optimalen Start zu ermöglichen – und schnell das Beste aus ihnen herauszuholen – ist eine gute Vorbereitung hilfreich. Allen Beteiligten geht es besser, wenn einige Fragen vorab geklärt sind:

1. Wer im Unternehmen ist als Ansprechpartner für den/die Azubis verantwortlich? Wann nehme ich als Chef mir die Zeit, den oder die Neue(n) angemessen "willkommen" zu heißen und ein wenig kennenzulernen? Schön wäre es hier, wenn Sie die jungen Menschen mit Namen ansprechen würden – eine schnelle Runde in Facebook dürfte sogar zumeist passende Fotos liefern. Wenn die Neu-Auszubildenden mit so viel Wertschätzung begrüßt werden, steigt deren Motivation quasi von alleine.

2. Stehen alle Materialien sowie Arbeitskleidung für die "Neuen" rechtzeitig zur Verfügung? Nichts ist schlimmer, als am ersten Tag das Gefühl zu haben, dass ich nicht willkommen bin. Dass die Dinge, die ich zum Arbeiten benötige, schlicht (noch) nicht vorhanden sind oder gar erst bestellt werden müssen. So etwas ist wenig respektvoll, oder?

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3. Wissen die jungen Mitarbeiter, welche Unterlagen und Dinge sie am ersten Tag mitbringen sollten? Für Sie vielleicht selbstverständliche – Dinge wie Steuernummer, Krankenkassenbescheinigung und Arztbericht der Einstellungsuntersuchung – sind für die Jobnovizen vollkommen neu. Wertschätzend wäre es zum Ausbildungsbeginn einen freundlichen Brief an die Neulinge zu verschicken, in dem übersichtlich steht, was am ersten Tag erforderlich ist. Formulieren Sie an dieser Stelle hilfreiche Informationen wie:

  • welche Kleidung Sie sich von den Auszubildenden wünschen - und welche Dinge bei Ihnen "verpönt" sind (Stichwort BaseCap oder offene Schuhe),
  • um welche Uhrzeit die "Neuen" wo und von wem erwartet werden,
  • ob sie sich Getränke und Verpflegung mitbringen sollten/dürfen und wie es mit den Pausen gehandhabt wird,
  • wie lange der Arbeitstag etwa dauern wird (viele Neulinge werden am 1. Tag gerne von Eltern und Familie abgeholt).
  • Weisen Sie darauf hin, dass ein mitgebrachter Block und ein funktionierender Kugelschreiber nie schädlich sind…
  • Sprechen Sie schon in diesem freundlichen Vorab-Brief Grundregeln an, die Ihnen wichtig sind: Pünktlichkeit, Erscheinungsbild, Rauchen, Höflichkeit.
  • Im Optimalfall sprechen Sie am Starttag gemeinsame Grundregeln für den Umgang miteinander ab und fixieren diese schriftlich. Sie unterschreiben diese anschließend gemeinsam – das schafft Verbindlichkeit für alle. Denn etwas vorab zu Hause zu verstehen ist leichter, als eine Chef-Ansage vor versammelter Mannschaft zu ertragen, die die Jugendlichen bloßstellt.

4. Gibt es in Ihrem Unternehmen einen detaillierten "Einarbeitungsplan"? Ein klarer Plan, der genau vorgibt, wann und wo der Neuling was tun oder lernen soll, ist für beide Seiten äußerst hilfreich – auch bei der Kontrolle der gelernten oder noch zu vermittelnden Inhalte.

Die Chance, Fehler zu machen

Eine erfolgreiche Ausbildung bedeutet für den Auszubildenden, mehr als nur "Fachliches" zu lernen. Er wird auch persönlich eine große Weiterentwicklung erleben. Sozialkompetenz, Serviceorientierung, Kommunikation und Persönlichkeit statten ihn – bei entsprechenden Voraussetzungen – mit einem dicken "Reife"-Plus aus.

Respekt wirkt wie ein Spiegel. Was ich hineingebe, kehrt zu mir zurück. Als Ausbilder ist es clever, diesen Respektvorschuss zu investieren. Denn das bringt Jugendlichen Motivation und Mut. Geben Sie jungen Menschen die Chance, Fehler zu machen und daraus zu lernen – anstatt von Anfang an Perfektion zu erwarten. Aus dem "selbst Tun" lernt der Mensch am meisten. Fordern Sie zum Mitdenken auf, trauen sie den Neuen etwas zu und loben Sie häufiger.

Dann bekommen Sie auch die Auszubildenden und Arbeitskräfte, die Sie sich wünschen. Das erhöht die Ausstrahlung Ihres Unternehmens auf Ihre Kunden und potentielle neue Mitarbeiter – denn der Kunde spürt, wenn zwischen Ihnen und Ihren Azubis ein wertschätzendes Miteinander den Arbeitsfluss beherrscht. Er fühlt sich dann selbst "wohler" mit Ihnen. Respektvoller Umgang mit Auszubildenden stärkt also auch Ihr Unternehmensimage.

Gastautorin: Bettina Schöbitz ist Azubi-Trainerin und bloggt auf der Seite Respektspezialistin.de über Themen rund um das gute Miteinander von Chefs und Nachwuchskräften.