Betriebskosten So klappt Energiemanagement ohne Komfortverlust

Mit der richtigen Steuerungstechnik können energieintensive Handwerksbetriebe ihren Stromverbrauch optimieren. Die nötigen Investitionen werden gefördert.

Metzgerei, Verkaufstheke
Metzgereien und Fleischereien können Kosten senken, wenn sie ihre Energieflüsse optimieren. - © Deutscher Fleischer-Verband

Einsparungen von zehn und mehr Prozent Energie oder CO₂ sind für energieintensive Handwerksbetriebe wettbewerbsentscheidende Standortfaktoren, zumal wenn die technische Lösung ohne Komfortverlust einhergeht. Der Grund: Im Zeitalter von Smart-Grids und Künstlicher Intelligenz macht dies eine Energiemanagement-Lösung namens Enlynx möglich, die im Wesentlichen aus einer Software besteht. In ersten Handwerksbetrieben ist sie bereits im Einsatz, wie etwa in einer Metzgerei im Badischen, die allein für Strom bislang jährlich gut 100.000 Euro ausgibt.

Entwickelt hat das vermeintliche Wunder-Tool der württembergische Mittelständler Riempp aus Oberboihingen, selbst ein elektrotechnischer Handwerksbetrieb mit 250 Mitarbeitern, der vor allem über die Maschinenwartung für rund 100 Industriebetriebe in der Region Stuttgart, darunter viele Automobilzulieferer, groß geworden und auf das Thema gestoßen ist.

Einstieg ins Energiemanagement

Inhaber Friedrich Riempp: "Durch die Wartung von rund 1.000 Maschinen bei unseren Kunden und rund 10.000 anderer elektrischer Anlagen wie Beleuchtung, Lüftung oder Kühlung waren und sind wir Experten für das Thema Strom." Als dann die CDU-geführte Bundesregierung 2011 den Atomausstieg beschloss und dies mit der Förderung von Lösungen zur Stromeinsparung flankierte, war dies für den Unternehmer der Startschuss, ein eigenes Energiemanagement-System (EMS) zu entwickeln, das unter dem Namen Emsyst 4.0 drei Jahre später marktreif war.

Anwender – darunter schon damals Firmen aus der Lebensmittelverarbeitung und bald auch Metzgereien, Schlachthöfe, Bäckereien oder Molkereien – hatte Riempp genug, bei denen er sein Energiemanagement-System erproben und um neue Bereiche wie etwa eigenproduzierten Strom oder später eigene Speicher erweitern konnte. Dabei durchdrang der technische Betriebswirt die Materie immer tiefer und verfolgte die politischen Debatten.

Riempp gibt ein Beispiel: "Als auf EU-Ebene eine CO₂-Abgabe diskutiert wurde, sich die Leipziger Strombörse etablierte und zunehmend regenerative Kraftwerke stunden- oder tageweise abgeschaltet wurden, weil die Netze überlastet waren, war mir klar, dass es atmende Systeme braucht." Mit Enlynx kam 2022 ein System auf den Markt, das seine Stromsparanlage EPC mit seinem Emsyst 4.0 verband und mittlerweile eine wesent­liche Voraussetzung darstellt, dass ein Betrieb künftig das Klimaschutzgesetz und dessen verbindliche Vorgaben bis 2030 erfüllt.

Bei offenem Fenster schaltet sich die Heizung ab

So kann das Enlynx-EPC bspw. eigenen, regenerativ erzeugten Strom priorisieren oder Spitzenlastzeiten vermeiden, indem die Lasten aus dem eigenen Speicher gedeckt werden. Oder sich aus dem öffentlichen Netz bedienen, wenn die Kilowattstunde besonders günstig ist und etwa Arbeitsprozesse, die nicht zeitgebunden sind, in dieser Preisphase ausführen. Emsyst 4.0 mit automatisierten Regelungs- und Steuerungsfunktionen spart im laufenden Be­­trieb Strom, Gas, Öl, Druckluft etc. ein, weil etwa Bewegungsmelder Funktionen nur dann auslösen, wenn sich Menschen nähern. Oder: Die Heizung sich selbst herunterfährt, so­bald ein Fenster geöffnet ist. Oder Abwesenheiten programmiert werden, in denen PCs, Kühlgeräte und Heizung heruntergefahren werden.

Riempp: "Sämtliche Erfahrungswerte belegen, dass die Einsparmöglichkeiten je nach Ausstattung der vorhandenen Kundenanlagen bis zu zehn Prozent des Gesamtverbrauchs ausmachen." Aktuell liefen Enlynx-­Anlagen, die je nach Firmenan­forderung zwischen 60.000 und 300.000 Euro kosten, etwa in Metzgereien, metallverarbeitenden und Pulverbeschichtungsunternehmen, bei Teilefertigern, Kunststoffverarbeitern, in Druckereien und im Anlagen- und Maschinenbau.

Energiemanagement amortisiert sich in fünf Jahren

Kleinbetriebe werden demnach vom Bafa bei der Anschaffung mit bis zu 45 Prozent gefördert, mittlere Be­­triebe mit 35 und Großunternehmen mit 25 Prozent. Der Metzger aus dem Badischen, der aus Wettbewerbsgründen ungenannt bleiben möchte, hat sich für eine Lösung für 70.000 Euro entschieden, die vorigen Sommer binnen zweier Tage installiert wurde. Mit Planungsvorlauf, Bedarfs­erhebung und Beratung dauerte die Umsetzung zwei Monate.

Nach Angaben des Betreibers, der auf einer Fachmesse von der Lösung gehört hatte und bislang allein an Strom jährlich gut 450.000 kWh verbrauchte, dürfte die Einsparung aufs Jahr gesehen bei acht Prozent und somit 8.000 Euro liegen. Bei steigenden Strompreisen, allein schon durch höhere CO₂-Abgabe und Netzentgelte, dürfte sich dieser Betrag weiter er­­höhen. Und dank 45 Prozent staat­licher Förderung sollte sich die Investition in fünf Jahren amortisiert haben.

PV-Anlage wird eingebunden

Da der Handwerker aber stufenweise weitergeht, kommen weitere Investitionskosten auf ihn zu, die sich ökonomisch ähnlich gestalten dürften. Denn bald geht eine leistungsfähige PV-Anlage in Betrieb, die dank Enlynx den Eigenverbrauch auf mindestens 70 Prozent optimieren soll. Ob es dafür eines Speichers be­­darf oder der Wert mit ihm sogar auf 100 Prozent steigt, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

Da der Betrieb aber – die größten Verbraucher sind Erhitzen mit Gas und Kühlen mit Strom – auch Gas und Heizöl bezieht im Äquivalent von rund 600.000 kWh, werden auch diese Segmente in Enlynx integriert und müssen mittelfristig durch regenerativen Strom kompensiert werden. Riempp: "Die Voraussetzungen sind hier ideal, weil wir – ähnlich wie bei Brauereien oder Molkereien – die Abwärme nutzen und in Strom um­­wandeln können." Auch das sei in seiner Software darstellbar. Und nehme der Metzger Emsyst 4.0 hinzu, was in dessen Fall maximal 20.000 Euro koste und gleichfalls gefördert werde, spare er weitere vier Prozent Strom ein. Diese Einsparung stünde dann zur Verfügung, die fossilen Energien anteilig zu substituieren.