Der Bedarf, Gebäude energetisch zu sanieren, ist hoch – und vielerorts wird das derzeit auch gemacht. Nicht selten fällt beim Rückbau Dämmstoff aus Polystyrol an, der giftige Stoffe wie HBCD enthält. Dieser Abfall wird im Regelfall verbrannt. Das Recycling steckt noch am Anfang. Doch es gibt Wege und nun auch Anlagen, die den Prozess schon auf den Baustellen beginnen lassen.

Seit dem Jahr 2016 ist der Stoff HBCD (Hexabromcyclododecan) verboten bzw. darf er nicht mehr als Flammschutzmittel in Dämmstoffen dienen. HBCD enthält unter anderem Brom. Es gilt als umweltschädlich und vor allem persistent. Es verbleibt in der Umwelt und vor allem im Wasser, wenn es zum Beispiel über den Regen in Gewässer gespült wird. Auch Tiere nehmen es auf. Es ist sehr langlebig und kann in der Umwelt schlecht abgebaut werden.
Dämmstoffe benötigen in vielen Fällen weiterhin Flammschutzmittel, um in Gebäuden einen notwendigen Brandschutz zu gewährleisten – heutzutage aber eben ohne HBCD. Was fortschrittlich klingt, greift allerdings nur beim Neubau bzw. wenn neue Dämmstoffe angebracht werden. Müssen Gebäude, die vor 2016 gedämmt wurden, nun saniert werden, fällt oftmals HBCD-belastetes Polystyrol (EPS) an. Nach dem Rückbau müssen es die Unternehmen entsorgen.
HBCD-belasteter Dämmstoff: Eine Recyclinganlage EU-weit
Doch nach rechtlichen Änderungen vor einigen Jahren kam auch die Entsorgung des HBCD-belasteten Materials in die Diskussion. Denn der Stoff bekam eine neue Bestimmung in der europäischen POP-Verordnung. Seither dürfen die Sanierungsabfälle, die HBCD enthalten, nicht mehr deponiert werden. Sie wandern im Regelfall in die Verbrennung. Damit sind die alten Dämmstoffe und das eigentlich gut recycelbare Polystyrol für eine Wiederaufbereitung verloren.
Während der noch sortenrein trennbare Verschnitt von Polystyrol-Dämmplatten direkt ins Recycling gehen kann, kann aus dem belasteten Dämmstoff erst in einer EU-weit einzigen Anlage in Terneuzen in den Niederlanden neues EPS entstehen. Doch diese Anlage der Firma PS Loop benötigt Material. Erst seit Anfang diesen Jahres läuft sie nicht mehr im Test- bzw. Forschungsbetrieb, sondern ist in den Regelbetrieb übergegangen.
Aus Deutschland versorgt sie die Firma FZ-Recycling mit HBCD-belasteten Dämmstoffen aus Sanierungsprojekten. Diese holt sie sogar direkt von den Baustellen ab. "Wir machen das ähnlich wie die EPS-Hersteller, die den Verschnitt ja auch bei den Baufirmen abholen, wenn die sich melden", berichtet Frank Ziebeil, der Geschäftsführer von FZ-Recycling. Das "Abholen" verläuft in diesem Fall allerdings etwas anders. Denn Polystyrol ist nun einmal ein Stoff mit einem großen Volumen und einem verhältnismäßig geringen Gewicht. Die alten Dämmplatten zu transportieren, verursacht einen großen Aufwand – entsprechend viele Spritkosten und eine starke Umweltbelastung.

HBCD-belasteter Dämmstoff: Verbrennen kann man vermeiden
Die Mitarbeiter von Frank Ziebeil bringen deshalb zu jeder Baustelle eine speziell entwickelte Anlage mit, einen EPS-Verdichter. Die Polystyrol-Platten werden unter starkem Druck zusammengepresst. So schwindet das Volumen und gleichzeitig der Transportaufwand des Dämmstoffabfalls. "Es entstehen kleine Päckchen, die wir dann zusammen mit der Anlage wieder mitnehmen", erklärt der Geschäftsführer. Seine Firma arbeitet bundesweit; ansässig ist sie in Rheinland-Pfalz.
Damit sich das ganze Verfahren und wiederum der Transportaufwand zu der Wiederaufbereitungsanlage in den Niederlanden lohnt, sucht die Firma FZ-Recycling noch mehr Bauunternehmen, die sich beteiligen. Ziebeil verspricht, rund 20 Prozent günstiger zu sein als der herkömmliche Entsorgungsweg über die Müllverbrennung. Außerdem würde für die Baufirma ja auch der Weg dorthin und das Lagern im eigenen Betrieb entfallen. "Alles wird ja auf der Baustelle direkt verkleinert", sagt er. Neben der Anlage, die in Hochseecontainern untergebracht ist und dann auch längere Zeit geschützt auf Baustellen stehen kann, bietet FZ-Recycling auch eine Variante auf einem Anhänger an sowie die Möglichkeit, dass man die Anlage direkt auf Dächer stellen und dort betreiben kann. So muss man die zu entsorgenden Dämmstoffe noch nicht einmal vom Dach hinunterschleppen. Den Einsatz dieser Anlagen muss man allerdings immer an die individuelle Lage anpassen bzw. schauen, was die Statik des Gebäudes erlaubt.
In den Niederlanden entsteht dann aus den zusammengepressten EPS-Blöcken nach einer Schadstoffüberprüfung und einem Reinigungsprozess sogenanntes PS-Granulat. Daraus kann dann wiederum neues Dämmmaterial hergestellt werden. So werden Stoffkreisläufe geschlossen und die Verbrennung des HBCD-belasteten Dämmstoffs vermieden.