Mehr Recycling, weniger Kosten Polystyrol-Verschnitt nicht in den Baumischcontainer

Polystyrol wird auf dem Bau massenweise eingesetzt. Eigentlich ließe sich der Dämmstoff gut recyceln und mehrfach nutzen – vor allem der Verschnitt bietet Potenzial. Doch noch sammeln zu wenige Betriebe ihre Styroporabfälle getrennt – obwohl sie dadurch Kosten sparen könnten. Viele stehen vor dem gleichen Problem.

Polystyrol-Verschnitt
Polystyrol-Verschnitt kann gut recycelt werden. Doch auf Baustellen wird noch zu wenig davon gesammelt. - © schankz - stock.adobe.com

Der Container für Baumischabfall ist verlockend – auch wenn die Entsorgung über diesen Weg Mehrkosten verursacht. Das getrennte Sammeln von Gewerbemüll in verschiedenen Abfallfraktionen belohnt der Gesetzgeber zwar finanziell, dennoch ist es aufwendig – zu aufwendig für manch einen Betrieb mitten im Baustellenalltag. Deutlich wird das bei Polystyrol – umgangssprachlich meist Styropor oder Styrodur genannt und auf dem Bau unter den Namen EPS oder XPS bekannt, als Polystyrol-Dämmstoff der verschiedenen Dichte und Härte.

Mit Polystyrol werden Keller, Fassaden und Dächer gedämmt. Auch wenn Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen langsam Einzug halten, ist Polystyrol derzeit noch das mit Abstand am häufigsten genutzte Dämmmaterial. So nutzen es nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) auch drei Viertel der Dachdeckerbetriebe.

Mehr Polystyrol-Verschnitt könnte recycelt werden

Wo man mit Polystyrol dämmt, fällt allerdings auch Verschnitt an. Da dieser meistens weder verklebt oder verputzt wurde, könnte man ihn relativ einfach getrennt sammeln und als sortenreine Abfallfraktion entsorgen. Und noch mehr: Man kann ihn sammeln und von den Herstellern kostenlos wieder abholen lassen. Diese können das Polystyrol dann recyceln. Technisch ist das schon gut möglich, aber noch wird dieser Weg zu wenig genutzt.

So ergab eine Umfrage des ZVDH zum Thema Recycling und Entsorgung unter Dachdeckerbetrieben erst kürzlich, dass 55,7 Prozent der Betriebe den Polystyrol-Verschnitt nicht separat sammeln, um ihn dem Recycling zuzuführen. Also landet der Verschnitt oftmals im klassischen Baumischcontainer. Der Verband teilt im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse mit: "Während auf der einen Seite rund 85 Prozent der Befragten angeben, dass bei ihnen Verschnitt anfällt, sammeln nur rund 44 Prozent der Betriebe diesen separat. Hier ist noch deutlich Luft nach oben."

Nach Aussage von Philip Witte vom ZVDH liegt das Problem bei einigen Betrieben am mangelnden Platz – sowohl auf den Baustellen als auch in den eigenen Räumlichkeiten. "Die Hersteller holen den Verschnitt verständlicherweise erst ab, wenn eine größere Menge zusammengekommen ist. Ansonsten lohnt es sich nicht, einen Lkw dafür loszuschicken", erklärt er. Da Polystyrol zwar kein großes Gewicht, dafür aber ein großes Volumen hat, muss das getrennte Sammeln gut organisiert sein.

"Auf einzelnen Baustellen fallen keine großen Mengen an Verschnitt an, denn die Betriebe planen ihre Dächer heutzutage sehr genau", sagt Philip Witte. Somit müssten sie die Abfälle umso länger lagern, bis genug zusammenkommt. Dennoch weist der ZVDH darauf, dass das Recycling von Polystyrol nur vorankommt, wenn mehr Betriebe mitmachen. Bei 15.000 Dachdeckerbetrieben in Deutschland besteht durchaus Potenzial. Immerhin zeigte die Umfrage auch, dass pro Betrieb und Jahr im Schnitt 2,4 Tonnen Polystyrol-Verschnitt anfallen.

Polystyrol-Verschnitt nicht das einzige Recyclingpotenzial

Ganz neu ist die Thematik des Platzproblems durch Polystyrol-Abfälle nicht. Schon vor ein paar Jahren gab es dabei Engpässe auf den Deponien. Dabei ging es allerdings nicht um den Verschnitt, sondern um die Polystyrol-Dämmung, die bei Sanierungen und dem Rückbau anfällt. Abfalldeponien wollten und konnten sie nicht mehr annehmen. Durch eine Gesetzesänderung mussten die Betriebe Dämmabfälle, die das Brandschutzmittel HBCD enthielten, über Müllverbrennungsanlagen loswerden. Hier kam es zum Stau und viele Dachdeckerbetriebe mussten den Abfall selbst lagern.

Zwar hat sich die Problematik nach Aussagen von Philip Witte geklärt und die Entsorgungsabläufe sorgen nicht mehr für Staus. Dennoch sollte aus seiner Sicht stärker auch hierbei an den Recyclingfortschritten gearbeitet werden. Bisher gibt es nur eine Anlage in Europa, die die HBCD-haltigen Polystyrol-Abfälle so aufbereiten kann, dass Teile davon wiederverwendet werden können. Witte berichtet von einem "Leuchtturmprojekt" in den Niederlanden, dem dies gelingt und das zum Vorbild für andere Anlagen werden könne. Immerhin fallen bei 76,2 Prozent der Dachdeckerbetriebe in Deutschland Polystyrol-Abfälle aus dem Rückbau an. Fast alles davon landet derzeit in der thermischen Verwertung. Es wird also verbrannt.

"Heute ist HBCD zwar nicht mehr in den neuen Polystyrol-Platten enthalten, aber fast jedes alte Dach, das nun saniert und bei dem Polystyrol entfernt wird, bringt Abfälle davon mit sich", sagt Philip Witte. Die Umfrage des Verbands zeigte, dass so im Schnitt pro Betrieb und Jahr 23 Tonnen Polystyrol-Abfälle zusammenkommen. Als durchschnittlichen Preis, den ein Betrieb dafür bei der Entsorgung bezahlen muss, ergab die Auswertung 478 Euro pro Tonne.

Kosten einsparen durchs Sammeln von Polystyrol-Verschnitt

Beim Polystyrol-Verschnitt liegen die Angaben laut Umfrageergebnis zwar nur bei 363 Euro pro Tonne Abfall. Doch diese kann sich ein Betrieb komplett sparen, wenn er die Abfälle getrennt sammelt und von den Dämmstoffherstellern abholen lässt. Und noch ein Fortschritt lässt sich dann erzielen: Wenn das Recyclingsystem mehr Rohstoffe erhält, können auch mehr Baustoffe hergestellt werden, die das wiederaufbereitete Material enthält.

Philip Witte geht nämlich davon aus, dass die Nachfrage nach Recyclingbaustoffen in Zukunft wachsen wird. "Das negative Image verliert sich derzeit und es setzt sich mittlerweile durch, dass diese Stoffe eine genauso gute Qualität haben", sagt er. Im Gegenteil dazu sei es immer mehr so, dass diejenigen, die diese Baustoffe einsetzen, gezielt damit werben.