Schlösser, Sicherheitscodes und Online-Suche So haben Fahrraddiebe schlechte Chancen

Wer statt mit Auto oder Bahn lieber mit dem Rad zur Arbeit fährt, sollte dieses gut sichern, denn Fahrraddiebstahl hat Hochsaison – und nur rund zehn Prozent der Besitzer bekommen es zurück. Was gegen die Fahrraddiebe hilft und wie Sie gestohlene Räder online wiederfinden können.

Wenn ein Fahrrad gestohlen wird, hat der Besitzer meist das Nachsehen: Nur rund zehn Prozent bekommen es zurück. Spezielle Internetseiten und eine Codierung am Rahmen vergrößern die Chance. - © Foto: corepics/Fotolia

Am besten gegen Fahrraddiebe hilft, wenn diese erst gar keine Chance haben, das Schloss zu knacken oder das Rad einfach mitzunehmen. Radler sollten daher mindestens zehn Prozent des Fahrradwerts in ein gutes Schloss investieren, rät der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). "Je länger Langfinger benötigen, um ein Fahrrad zu knacken, desto eher lassen sie von ihrem Vorhaben ab", sagt ADFC-Mitarbeiterin Bettina Cibulski.

Beim Abschluss einer Hausratversicherung sei darauf zu achten, dass Fahrraddiebstähle mit abgedeckt sind, rät der Radlerverband. Spezielle Fahrradversicherungen würden sich wegen des hohen Beitrags von bis zu 150 Euro pro Jahr indes nur für sehr hochwertige Velos eignen.

Online-Fahnder für Fahrräder

So ist auch bei diesem Thema Vorsorge besser als aktiv werden zu müssen, wenn das Rad geklaut ist. Doch das ist nicht immer möglich, denn Fahrraddiebe sind im Sommer fleißig an der Arbeit. Jeden Tag werden in Deutschland rund 900 Fahrräder gestohlen. Im Jahr 2012 kamen laut dem Bundeskriminalamt (BKA) 326.159 Drahtesel abhanden. Nur rund zehn Prozent der gestohlenen Zweiräder finden den Weg zurück zu ihrem Eigentümer.

Und genau dabei kann das Internet eine Hilfe sein. Im Netz gibt es mehrere Homepages für bestohlene Fahrradbesitzer - fahrrad-gestohlen.de oder radklau.org und auch seriennummern-check.de zählen dazu. Auf diesen Seiten können Velos mit Rahmennummer, Fotos sowie allen Ausstattungsdetails und besonderen Merkmalen als gestohlen gemeldet werden. Schnelligkeit ist hier Trumpf. Denn erfahrungsgemäß werden viele gestohlene Räder rasch außer Landes geschafft und im Ausland verkauft, erklärt Cibulski.

Nicht auf Hehlerware hereinfallen

Die Internetseiten bieten andersherum ehrlichen Findern eine Chance, den Eigner eines herrenlosen Drahtesels ausfindig zu machen. Und wer sich für den Kauf eines gebrauchten Fahrrads interessiert, kann dort checken, ob es sich womöglich um Hehlerware handelt.

Noch einen Schritt weiter geht das Start-up-Unternehmen Fahrradjäger mit seiner Online-Meldestelle für gestohlene Velos. Die Seite fahrradjaeger.de sucht die Verkaufsplattform permanent nach Angeboten ab, die mit gestohlen gemeldeten Fahrrädern Übereinstimmungen aufweisen. Bestohlene können sich die entsprechenden Offerten anzeigen lassen und prüfen, ob ihr vermisstes Velo darunter ist.

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"Die niedrige Aufklärungsquote beim Fahrradklau liegt nicht zuletzt daran, dass aufgefundene herrenlose Fahrräder meist keinem Eigentümer zugeordnet werden können", sagt ADFC-Sprecherin Cibulski. Der Club und die Polizei empfehlen deshalb, Zweiräder mit der sogenannten EIN-Kennung (Eigentümer-Identifikations-Nummer) codieren zu lassen. Dieser Aufkleber mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination wird im oberen Bereich des Rahmens angebracht und lässt sich wie der Fahrradjäger-Code nicht entfernen. Er ermöglicht es, ein Fahrrad ohne Online-Datenbank einem Eigentümer zuzuordnen.

Der EIN-Code besteht aus dem Kfz-Kennzeichen des Wohnorts des Eigentümers, den letzten beiden Ziffern des Gemeindeschlüssels, einem fünfstelligen Code für die Straße, der Hausnummer sowie den Initialen des Eigners. Mitunter wird das Jahr der Codierung als zweistelliges Kürzel angefügt.

Ein  Pass fürs Fahrrad

Durch den am Rahmen gut sichtbar platzierten Sticker mit explizitem Registrierungshinweis werden Fahrräder laut Cibulski für Langfinger einerseits unattraktiv, weil Hehler sie damit kaum weiterverkaufen können. Anderseits vervielfache der Code die Chance, das Rad wiederzubekommen, falls es doch gestohlen wird. Die Codierung nehmen viele Polizeidienststellen, Fahrradhändler und der ADFC in seinen Zweigstellen zu Preisen bis rund 25 Euro vor.

Neben dem EIN-Code empfiehlt die Polizei einen Fahrradpass, in den der Radbesitzer Modell, Ausführung und Farbe, besondere Merkmale, angebautes Zubehör und die Rahmennummer einträgt. Den gibt es als Vordruck bei der Polizei und auch als App für Smartphones, mit der sich gleich mehrere Räder mitsamt Fotos verwalten lassen. Der Fahrradpass erleichtert es, nach einem Raddiebstahl alle wichtigen Informationen an Polizei und Versicherung weiterzugeben. dhz/dpa