Übersicht und FAQ So funktioniert die Inflationsausgleichsprämie

Arbeitgeber dürfen ihren Beschäftigten mit einer steuerfreien Zahlung von bis zu 3.000 Euro finanziell unter die Arme greifen. Alle Informationen zur Inflationsausgleichsprämie.

Mit der neuen Inflationsausgleichsprämie knüpft die Regierung an die Corona-Prämie an. - © monticellllo - stock.adobe.com

Grundsätze zur Inflationsausgleichsprämie

Die Bundesregierung hat nach Möglichkeiten gesucht, wie Steuerzahler angesichts der zweistelligen Inflation und der gestiegenen Energiepreise finanziell entlastet werden können. Ergebnis: Arbeitgeber können Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Einhaltung einiger Voraussetzungen eine steuerfreie und sozialversicherungsfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von bis zu 3.000 Euro zuwenden (§ 3 Nr. 11c Einkommensteuergesetz).

Anwendungszeitraum für neue Inflationsausgleichsprämie

Bereits kurze Zeit, nachdem die Idee zur steuerfreien Inflationsausgleichs­prämie geboren wurde, darf die Zahlung auch schon geleistet werden. Das "Gesetz zur temporären Senkung des Umsatzsteuersatzes auf Gaslieferungen über das Erdgasnetz", in dem diese Regelung enthalten ist, wurde am 25. Oktober 2022 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Das bedeutet: Die steuerfreie Zahlung in Höhe von bis zu 3.000 Euro kann im Zeitraum vom 26. Oktober 2022 bis zum 31. Dezember 2024 geleistet werden.

Praxis-Tipp: Es dürfen je Arbeitgeber in diesem Zeitfenster insgesamt nur 3.000 Euro steuerfreie Inflationsausgleichsprämie an einen Beschäftigten überwiesen werden und nicht 3.000 Euro je Jahr in den Jahren 2022, 2023 und 2024.

Zahlungsmodalitäten

Natürlich sind Zahlungen von 3.000 Euro je Beschäftigtem für viele Handwerksbetriebe absolut unrealistisch und finanziell nicht stemmbar. Doch der Betrag von 3.000 Euro ist nur ein Höchstbetrag. Inhaber von Handwerksbetrieben können ihre Mitarbeiter natürlich auch mit kleineren Beträgen oder mit monatlichen Prämien finanziell unterstützen – je nach Bedarf. Die steuerfreie Prämie kann in Form von Geldzahlungen oder Sachbezügen geleistet werden.

Beispiel: Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren, dass in den nächsten 20 Monaten eine Inflationsausgleichsprämie von 150 Euro im Monat überwiesen wird. Diese Zahlungen sind steuerfrei.

Zusätzlich zum Arbeitslohn

Die Inflationsausgleichsprämie in Höhe von bis zu 3.000 Euro je Beschäftigtem ist nur dann steuerfrei, wenn die Zahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wird. Das bedeutet: Verdient ein Arbeitnehmer brutto 3.000 Euro und nach Vereinbarung der Auszahlung einer Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1.000 Euro, beträgt das Bruttogehalt in den nächsten fünf Monaten nur noch 2.800 Euro (sogenannte Gehaltsumwandlung), klappt es mit der Steuerfreiheit nicht. Dasselbe gilt für in der Vergangenheit bereits erarbeiteten Lohn (zum Beispiel Leistungsprämie, Überstundenvergütungen). Diese können nicht einfach in eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie umgewandelt werden.

Anforderungen

Einen Nachweis, ob Mitarbeiter von der Inflation tatsächlich wirtschaftlich negativ betroffen sind, bedarf es nicht. Dem Gehaltszettel oder dem Kontoauszug, der im Lohnkonto aufzubewahren ist, muss jedoch eindeutig zu entnehmen sein, dass es sich bei der Zahlung um eine steuerfreie Inflationsausgleichs­prämie handelt.

Auch Minijobber begünstigt

Eine steuerfreie Inflationsausgleichs­prämie darf auch Minijobbern ausbezahlt werden, ohne dass diese dadurch ihren Minijob-Status verlieren. Hintergrund: Die Inflationsausgleichsprämie ist nicht nur steuer-, sondern auch sozialversicherungsfrei.

Mehrfacher Anspruch bei mehreren Arbeitgebern

Nach dem Gesetz kann die Inflationsausgleichsprämie auch von mehreren Arbeitgebern ausbezahlt werden. Das ist in folgenden Fällen denkbar: Ein Arbeitnehmer hat einen Hauptarbeitgeber und jobbt nebenbei nach Feierabend noch in einem Supermarkt. Theoretisch kann sich der Arbeitnehmer hier über steuerfreie Zahlungen in Höhe von bis zu 6.000 Euro freuen. Dasselbe gilt, wenn ein Arbeitnehmer ab dem 26. Oktober 2022 bis zum 31. Dezember 2024 dreimal den Arbeitgeber wechselt. In diesem Fall könnte ihm die Inflationsausgleichs­prämie theoretisch in Höhe von bis zu 9.000 Euro ausbezahlt werden. Ausnahme: In Fällen eines Betriebsübergangs nach § 613a BGB kann die Inflationsausgleichsprämie nicht davor und danach bis zum Höchstbetrag ausbezahlt werden, weil hier insgesamt nur von einem Arbeitgeber auszugehen ist.

Weitere Gehaltsextras, zusätzlich zur Inflationsausgleichsprämie

Wird einem Beschäftigten eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie ausbezahlt, können ihm trotzdem weitere steuerfreie Gehaltsextras zugewendet werden (zum Beispiel Tankgutscheine, Gewährung eines Dienst-Smartphone, Belegschaftsrabatt etc.).

Selbst wenn einem Beschäftigten bis zum 31. März 2022 eine steuerfreie Corona-Prämie in Höhe von bis zu 1.500 Euro ausbezahlt wurde (§ 3 Nr. 11a EStG), hat derselbe Beschäftigte bei Einhaltung der Steuerspielregeln Anspruch auf die neue steuerfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro.

Gesellschafter-Geschäftsführer

Ob sich auch Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie bis zum Höchstbetrag von bis zu 3.000 Euro auszahlen dürfen, ist fraglich. Im Rahmen der Corona-Prämie, die bis zu einem Betrag von 1.500 Euro bis 31. März 2022 steuerfrei ausbezahlt werden durfte, stellte sich die Finanzverwaltung auf den Standpunkt, dass es sich hierbei um eine verdeckte Gewinnausschüttung handelt. Das würde bedeuten: Zahlt sich ein Gesellschafter-Geschäftsführer die Inflationsausgleichsprämie aus, erhöht sich das Einkommen der GmbH um den Auszahlungsbetrag und der Gesellschafter muss in Höhe der Auszahlung Kapitalerträge versteuern. Deshalb: Vorerst mit einer steuerfreien Zahlung abwarten, bis sich das Bundesfinanzministerium zur Inflationsausgleichsprämie bei Gesellschafter-Geschäftsführern einer GmbH klar äußert.

Vor Auszahlung der Inflationsausgleichsprämie: Steuerberater kontaktieren

Um sicherzugehen, dass die Inflationsausgleichsprämie tatsächlich steuerfrei ist (also, dass alle Voraussetzungen eingehalten werden), sollte unbedingt der Steuerberater hinzugezogen werden. Denn bei künftigen Lohnsteuerprüfungen dürfte die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie im Fokus stehen.

Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Inflationsausgleichsprämie

Frage 1: Mein Arbeitgeber hat mir im August 2022 wegen der hohen Inflation und wegen der hohen Energiepreise eine freiwillige Sonderzahlung in Höhe von 1.000 Euro zugewendet. Kann er diese Zahlung nachträglich als steuerfreie Inflationsausgleichsprämie behandeln?

Antwort: Leider ein. Denn die freiwillige Zahlung wurde außerhalb des begünstigten Zeitfensters vom 26.10.2022 bis 31.12.2024 geleistet.

Frage 2: Ich habe am 28.10.2022 eine freiwillige Zahlung von meinem Arbeitgeber erhalten. Auf dem Lohnzettel ist vermerkt, dass es sich um eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie handeln soll. Trotzdem hat er für diese Zahlung Lohnsteuer einbehalten. Nachdem das Arbeitsverhältnis zum 31. Oktober 2022 beendet wurde, weigert sich mein damaliger Arbeitgeber, die Zahlung nachträglich steuerfrei zu stellen. Wie soll ich mich verhalten?

Antwort: In diesem Fall kann die Steuerbefreiung erst im Steuerbescheid 2022 hergestellt werden. Bei Abgabe der Einkommensteuererklärung 2022 sollte ein Antrag auf Reduzierung des Arbeitslohns in Höhe der steuerfreien Inflationsausgleichsprämie beantragt werden. Als Nachweise müssen dem Finanzamt der Lohnzettel mit dem Hinweis auf die Inflationsausgleichsprämie und der Schriftverkehr mit dem Arbeitgeber vorgelegt werden,

Frage 3: ich erhalte regelmäßig freiwillige Sonderzahlungen von meinem Arbeitgeber. Kann ich anstatt dieser freiwilligen Sonderzahlungen nun die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie bekommen?

Antwort: Das kommt darauf an. Wurde für eine freiwillige Sonderzahlung in der Bilanz des Handwerksbetriebs eine Rückstellung gebildet oder wurde für eine freiwillige Sonderzahlung bereits vor dem 26.10.2022 eine Zusage erteilt, wird das Finanzamt eine Umwandlung dieser lohnsteuerpflichtigen Sonderzahlungen in eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie ablehnen. Hintergrund: Da vor dem 26.10.2022 bereits ein Anspruch auf eine freiwillige Sonderzahlung bestand, handelt es sich um eine schädliche Gehaltsumwandlung, sollte nachträglich eine Inflationsausgleichsprämie statt der vereinbarten Sonderzahlung geleistet werden.

Frage 4: Ich habe meinen Ehepartner als Minijobber in einem Handwerksbetrieb angestellt? Ich möchte gerne die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 zuwenden. Anderen Mitarbeitern möchte ich aber die Inflationsausgleichsprämie nicht auszahlen. Ist das steuerlich zulässig?

Antwort: Grundsätzlich darf die Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro auch Minijobbern steuerfrei zugewendet werden. Doch werden nur dem angestellten Ehegatten die 3.000 Euro überwiesen und anderen Beschäftigten nicht, kann das Finanzamt die Zahlung der Inflationsausgleichsprämie an den angestellten Ehegatten als fremdunüblich einstufen. Folge: Dann darf in Höhe der bezahlten Inflationsausgleichsprämie kein Betriebsausgabenabzug erfolgen.

Frage 5: Prinzipiell finde ich es eine gute Idee, Beschäftigten eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie auszubezahlen. Gleichzeitig möchte ich aber keine lohnsteuerlichen Fehler machen und vielleicht Jahre später doch noch Lohnsteuer ans Finanzamt abführen müssen. Wie schaffe ich Rechtssicherheit?

Antwort: Entweder Sie sprechen mit Ihrem Steuerberater oder Sie lassen das Finanzamt checken, ob alle Voraussetzungen für die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie vorliegen. Dazu stellen Sie einen Antrag beim Finanzamt auf Erteilung einer Anrufungsauskunft nach § 42e EStG. Dieser Service des Finanzamts ist kostenlos und bringt die gewünschte Rechtssicherheit.

Frage 6: Ich habe gerade wegen der Formulierung "zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn" einige Bauchschmerzen bei der Frage, ob die Inflationsausgleichsprämie wirklich steuerfrei ist. Wo finde ich hier passende Informationen?

Antwort: Die neue Inflationsausgleichsprämie nach § 3 Nr. 11c EStG ist vergleichbar mit der steuerfreien Corona-Prämie nach § 3 Nr. 11a EStG, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis Ende März 2022 steuerfrei auszahlen durften. Zur Frage, ob die Zahlung als zusätzlich zum ohne hin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wurde, finden sich zahlreiche Antworten auf typische Praxisfragen in den "FAQ Corona Steuern" auf www.bundesfinanzministerium.de. Diese Antworten zur Corona-Prämie sind 1 : 1 auch bei der Inflationsausgleichsprämie anzuwenden.