Investitionen in umweltfreundliche Technik So finden Handwerker passende Förderprogramme

Handwerkschefs, die in umweltfreundliche oder energiesparende Technik investieren wollen, können durch vielerlei Programme gefördert werden. Weil jedoch nicht alle auf das Handwerk zugeschnitten sind, erweist sich die Recherche oftmals als schwierig. Was dabei zu beachten ist und welche Förderprogramme für Handwerksbetriebe in Frage kommen.

Sabine Hildebrandt-Woeckel

Ebenfalls förderfähig: die Umstellung auf Elektroautos. - © Wellnhofer Designs – stock.adobe.com

Die Bäckerei Eberl im oberbayerischen Bichl wird von Josef Eberl jun. heute bereits in der 13. Generation geführt und kann sich mit Fug und Recht als Traditionsbetrieb bezeichnen. Trotzdem oder gerade deswegen legen er und sein Vater, der nach wie vor aktiv mitarbeitet, großen Wert auf die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Bereits seit fast 20 Jahren lässt Josef Eberl sen. seinen Betrieb mit dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) qualifizieren. Vor gut zehn Jahren baute er eine Rauchgaswäscheanlage ein, die nicht nur die Abwärme aus den Kaminen nutzt, sondern zudem den jährlichen Feinstaub um 100 Prozent sowie den Kohlendioxid-Ausstoß um zwei Drittel reduziert – und heute noch die einzige im süddeutschen Raum ist.

Dabei ist Eberl sen. überzeugt davon, dass viel mehr Handwerksbetriebe in Umweltschutz und Energiesparmaßnahmen investieren würden, wenn es mehr staatliche Unterstützung und Förderprogramme gäbe, die auf die Zielgruppe Handwerk zugeschnitten sind. Eberl bekam Unterstützung – allerdings nur, weil er sich selbst intensiv darum kümmerte. 60.000 Euro kostete die Rauchgaswäsche und nochmal 80.000 Euro blätterte er danach für die Absorbtionsanlage hin. Da kam der Förderzuschuss von 20.000 Euro aus einem bayerischen Dorfentwicklungsprogramm gerade recht.

Förderangebote meist auf die Industrie zugeschnitten

Es gäbe zwar viele Programme, so die Erfahrung des engagierten Unternehmers, sehr viele davon seien jedoch auf die Industrie zugeschnitten. "Wenn 4 Millionen investiert werden müssen oder 50 Millionen Umsatz gefordert sind, fallen die meisten Handwerksbetriebe raus", weiß Eberl. Zudem hätten viele Betriebsinhaber im Arbeitsalltag kaum Zeit, sich mit den oftmals umfangreichen Förderbedingungen auseinanderzusetzen.

Dirk Bräu, Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT) und Energieberater bei der Handwerkskammer München, sieht das ähnlich. Das Angebot ist groß, der Aufwand das richtige zu finden, aber auch. Selbst die Handwerkskammern seien mit dem Rechercheaufwand gut beschäftigt. Zahlreiche Förderangebote sind regional oder sogar lokal begrenzt, andere gelten auf Länderebene, bundes- oder sogar EU-weit. "Da den Überblick zu behalten ist nicht einfach."

Und ein großes Problem: Viele Programme, gerade auch der KfW, der wohl bekanntesten Förderinstitution, setzen auf Innovation, das heißt, die geförderten Projekte sollen Vorbildcharakter haben. "Dies umzusetzen ist für Handwerksbetriebe schwierig und teuer." Hinzukommt: Viele Förderangebote sind letztlich nur zinsgünstige Darlehen – wenn auch oftmals mit Tilgungszuschuss. Beliebter und auch passender für die meisten Handwerksbetriebe, so Bräu, seien jedoch Zuschüsse.

Handwerker setzt schrittweise auf Elektromobilität um

Eine Ansage, der Dieter Schühle keinesfalls widerspricht. Der Inhaber von Wohnideen Schühle in Schönaich bei Böblingen begann vor einem Jahr sich näher mit dem Thema Elektromobilität auseinander zu setzen und ist derzeit mittendrin in der schrittweisen Umstellung seiner Flotte. Zwei seiner elf Firmenfahrzeuge fahren bereits rein elektrisch, eines hybrid, und ein viertes – wieder rein elektrisch – ist bereits bestellt.

Auch bei Schühle kam der erste Impetus, jetzt was zur Schonung der Umwelt zu tun, von ihm selbst. Entscheidend zur Umsetzung beitragen, gibt Schühle unumwunden zu, habe dann aber die Kombination aus kompetenter Beratung bei der Handwerkskammer Stuttgart und die Aussicht auf einfache Förderung – die den letzten Anstoß gab. Schühle kombinierte ein staatliches Programm des Bafa (4.000 Euro Zuschuss pro Fahrzeug) mit dem e-Gutschein, der über die L-Bank Baden-Württemberg für die reinen E-Autos ausgegeben wird. Beides passgenaue und einfache Förderungen, wie nicht nur Schühle findet.

Dass es eine Reihe von Programmen gibt, die nicht passgenau auf die Bedürfnisse des Handwerks zugeschnitten sind, räumt man auch bei der KfW ein. Dennoch werden auch die Bedürfnisse des Handwerks adressiert, erläutert Cornelia Lamers, Teamleiterin Produktmanagement Umwelt- und Energiefinanzierung im Geschäftsbereich Mittelstandsbank und Private Kunden. So gibt es es einige eingeführte Produkte und auch neue Initiativen, von denen gerade auch das Handwerk profitieren kann, z. B. die im März gestartete "Klimaschutzoffensive für den Mittelstand".

Nicht alle Banken spielen mit

Das sogenannte Programm 293 fördert eine breite Palette von Maßnahmen zur Verringerung, Vermeidung und Abbau von Treibhausgasemissionen. Dabei orientiert es sich an der EU-Taxonomie, eine Klassifizierung für grüne Finanzprodukte, die europaweit definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten und Produkte sich nachhaltig nennen dürfen. "Wichtig ist jedoch, wie bei allen KfW-Krediten, dass erst mit dem Vorhaben begonnen wird, nachdem der Kreditantrag bei der Hausbank gestellt wurde", so der Rat der Expertin.

 "Auch der Zugang", stellt Lamers klar, "ist bei diesem Angebot für die Unternehmen unkompliziert". Zielgruppe sind alle mittelständischen Unter­nehmen der gewerblichen Wirtschaft, die sich mehrheitlich in Privat­besitz befinden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Kredit bei einem Finanzierungspartner der KfW beantragt wird, denn wie ebenfalls bei allen Maßnahmen der KfW handelt es sich um einen sogenannten bankdurchgeleiteten Kredit, d. h. beantragt werden kann er nur über ein Kreditinstitut, in der Regel die Hausbank.

Ein Flaschenhals, der sich gerade im Handwerk allerdings mitunter als zu eng erweist, wie Experten wissen. Denn nicht alle Banken spielen mit – oder sind mitunter auch nicht gut informiert. "Fragen Sie, ob es einen Spezialisten für staatliche Förderprogramm gibt", so der Rat eines Insiders, der seinen Namen hier nicht lesen will. "Wenn ja, ist das ein gutes Zeichen, sonst hilft vielleicht eine andere Bank."

Viele Handwerker informieren sich zu spät

Auch Lamers Mitarbeiterin, Henrike Koschel, sieht das Handwerk bei der KfW in einigen Programmen gut aufgehoben, "gerade energieintensive Gewerke wie Bäcker, Friseure, Schreiner oder metallverarbeitende Berufe". Wie der Handwerksexperte betont sie jedoch ebenfalls, dass es auch ein großes Spektrum an weiteren Fördermaßnahmen gibt und rät allen vor der Entscheidung erst einmal umfassend selbst zu recherchieren und dabei alle Kanäle zu nutzen: "Kammern, Innungen, Verbände, Websites, Infonummern, es gibt viele Möglichkeiten an Informationen zu kommen."

Eine Einschätzung, der auch Bräu zustimmt, der sich hier mitunter ebenfalls mehr Eigeninitiative der Betriebe wünscht. Viele, so der Fachmann, kämen erst, wenn das Kind schon fast in den Brunnen gefallen sei, Strompreise explodierten oder Umweltauflagen erfüllt werden müssten. Gleichzeitig fordert er aber auch mehr Fördergelder schon bei der Eruierung von Förderbedarf und im Vorfeld der Antragstellung.

Und das nicht nur, weil nicht wenige Fördermaßnahmen aufwendige Gutachten externer Energieberater voraussetzten, sondern auch weil vielen Betriebsinhabern einfach die Zeit fehlt, Konditionen zu vergleichen oder aufwendige Förderanträge auszufüllen. Zwar gibt es auch für Beratung und für die Erstellung von Energiekonzepten Gelder, dies aber auch nach Einschätzung anderer Experten erstens nicht bekannt genug und oftmals auch nicht attraktiv genug ist.

Übersicht: Förderprogramme für das Handwerk

  • bmvi.de: Bundesverkehrsministerium – ­Förderung umweltfreundlicher Nachrüstung von Handwerkerfahrzeugen
  • bafa.de: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – Optimierung von Anlagen und Prozessen, effiziente Gebäude- oder Heizungsoptimierung sowie Investitionen in E-Mobilität, Förderschwerpunkt liegt beim Mittelstand
  • kfw.de: KfW – z. B. Programme zur Förderung der Nachhaltigkeit
  • foederdatenbank.de: Auf dieser Seite des Bundeswirtschaftsministeriums werden alle Förderprogramme und Finanzhilfen der EU, des Bundes und der Länder aufgelistet.