Unfälle durch ungünstiges Heben oder durch Ausrutschen lassen sich vermeiden – eine Geschäftsidee

Sicherheit in kleinen Schritten
Trägheit kann sehr nützlich sein. Das beweist Schreinermeister Michael Wirth: „Ich war einfach zu faul, immer auf den Transporter hochzuklettern“, erklärt der Erfinder der „Safety-Step“, einer Einstiegshilfe für Lieferwagen. Der 48-Jährige war es leid, schwere Lasten im Heck seines Transporters abzulegen, dann einen gewaltigen Schritt nach oben zu machen und anschließend die Last wieder aufnehmen zu müssen. Auf dem Markt gab es keine sinnvolle Lösung für dieses Problem, also tüftelte der gesundheitsbewusste Schwabe selber etwas aus. Seine inzwischen patentierte Stufe geht über die ganze Breite des Fahrzeughecks und halbiert immerhin die Höhe, die man mit einem Schritt überwinden muss, von 60 auf 30 cm. Wie auf einer Treppe können nun Wirth und sein Sohn, die die Zweimann-Schreinerei in Wattenweiler bei Neuburg an der Kammel betreiben, Lasten ein- und ausladen. Das reduziert nicht nur die Belastung für Rücken und Gelenke, auch die Gefahr von Stolperunfällen ist deutlich geringer.
Falsches Heben und Tragen, aber auch Ausrutschen, Stolpern und Stürzen sind häufige Ursachen für Ausfallzeiten von Mitarbeitern. Nicht immer muss der Chef eigens etwas erfinden, um diese Gefahren zu reduzieren. Rücken- und Gelenkschäden lässt sich meist schon vorbeugen, wenn die Mitarbeiter wissen, wie sie Lasten richtig anpacken. Entsprechende Rückenschulungen bieten Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und sogar Volkshochschulen an. Auch Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle lassen sich weitgehend ausschließen: Gutes Schuhwerk, Anti-Rutsch-Beläge und stets aufgeräumte Baustellen reduzieren die Gefahr. Nicht zuletzt passieren Unfälle aber auch aus Hektik. Deswegen legt Schreinermeister Michael Wirth Wert darauf, mit Ruhe zu arbeiten. Seine Devise lautet: „Wenn’s pressiert, muss man langsam tun.“ Arbeitsdruck lässt sich zwar nicht immer vermeiden, aber gerade dann sollte der Chef darauf achten, dass die Mitarbeiter Sicherheitsvorkehrungen einhalten und in keinen unvernünftigen Rhythmus verfallen. Statt zu versuchen, Bewegungen doppelt so schnell auszuführen, kann das Team nach Zeitfressern suchen: Unnötige Wege, Unordnung und fehlende Klarheit über die Aufgabenverteilung zählen dazu.
Da in jedem Unternehmen die Mitarbeiter unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt sind, bieten viele Krankenversicherungen oder Berufsgenossenschaften an, vor Ort Lösungen für Arbeitsschutzprobleme zu finden. Wer den Gesundheitsschutz im Betrieb fördert, bekommt in manchen Fällen sogar einen Bonus von seiner Krankenversicherung. Die Kosten für ein verbessertes Gesundheitsmanagement halten sich in Grenzen. Die Teilnahme an Gesundheitskursen ist meist kostenlos, am teuersten für den Chef ist hier der Arbeitsausfall der Mitarbeiter während der Seminare. Auch die Investition in Tragehilfen oder bessere persönliche Schutzausrüstungen rechnet sich schnell: In Michael Wirths Betrieb gab es in den 25 Jahren seiner Selbstständigkeit nur einen einzigen Unfall. Das Nachdenken über bessere Arbeitsbedingungen brachte ihm zudem nicht nur persönlich bessere Arbeitsbedingungen, er hat sich damit auch ein zweites Standbein geschaffen. Marktgrößen wie „Würth“ kaufen dem Schwaben sein mit dem Bundesinnovationspreis der Internationalen Handwerksmesse 2003 sowie dem „Deutschen Arbeitsschutzpreis 2005“ ausgezeichnetes Produkt ab.
Weiterführende Informationen im Internet unter:
www.safety-step.de