Mitarbeiter auf dem Bau haben ein besonders hohes Unfallrisiko. Im Herbst machen Dunkelheit, Nebel und Nässe das Arbeiten noch schwieriger. Wie hoch die Unfallzahlen sind und wie Arbeitgeber vorbeugen können.

Wer den Begriff "Arbeitsunfall" hört, denkt meist an hohe Gerüste, schwere Lasten oder gefährliche Maschinen. Tatsächlich haben die meisten Unfälle bei der Arbeit aber eine einfache Ursache: Stolpern, Ausrutschen und Stürzen.
Laut Unfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ereigneten sich 2020 rund 913.000 meldepflichtige Unfälle. 100.000 Unfälle sind auf Unebenheit oder einen rutschigen Boden zurückzuführen. 154.000 Unfälle gelten als Stolper, Rutsch- und Sturzunfälle (SAS-Unfälle). Jeweils 2.000 (Fußboden) und 3.000 (SAS) der Unfälle führten zu einer Unfallrente.
Vor allem Mitarbeiter auf dem Bau sind gefährdet. Im industriellen, gewerblichen Bereich ereigneten sich 2020 32 Prozent aller SAS-Unfälle. Der Bausektor liegt mit 16 Prozent auf dem zweiten Platz. Auf den weiteren Plätzen folgen:
- Dienstleistungstätigkeiten: 20 Prozent
- Gesundheitswesen: 9 Prozent
- Öffentlicher Bereich: 16 Prozent
- Heimbereich: 2 Prozent
- Sportausübung: 3 Prozent
Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle nach Geschlecht 2020
| Geschlecht | Meldepflichtige Unfälle | Neue Unfallrenten | Tödliche Unfälle |
| Anzahl (Prozent) | Anzahl (Prozent) | Anzahl | |
| männlich | 97.407 (63,4) | 1.790 (58,8) | 6 |
| weiblich | 56.185 (36,6) | 1.253 (41,2) | 0 |
| Gesamt *) | 153.622 (100) | 3.043 (100) | 6 |
Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle auf dem Bau 2020
| Arbeitsumgebung | Meldepflichtige Unfälle | Neue Unfallrenten | Tödliche Unfälle |
| Anzahl (Prozent) | Anzahl (Prozent) | Anzahl (Prozent) | |
| Baustelle, Bau, Steinbruch, Tagebau | 24.322 (15,8) | 388 (12,8) | 2 (33,3) |
Arbeitssicherheit im Herbst besonders wichtig
Nasse und rutschige Oberflächen erhöhen die Unfallgefahr im Herbst zusätzlich. Für Mitarbeiter auf dem Bau ist es daher besonders wichtig, die richtigen Vorkehrungen zu treffen, um Arbeitsunfällen vorzubeugen. Drei wichtige Faktoren bei der Arbeitssicherheit im Herbst sind Lichtquellen, Stolperfallen und Kleidung. Die BG Bau hat hierzu einige Tipps zusammengestellt.
1. Für Ausreichend Licht sorgen
Morgens und ab dem späten Nachmittag sind die Sichtverhältnisse in den Herbstmonaten oft schlecht. Künstliche Beleuchtung erhöht die Sicherheit am Bau. Am besten ist laut BG Bau eine Beleuchtung mit einer breit strahlenden oder asymmetrischen Lichtverteilung. Bei der Beleuchtungsstärke gilt: Verkehrswege erfordern mindestens 20 Lux. Je nach Tätigkeit sind bis zu 500 Lux notwendig. Gefahrenbereiche und wichtige Verkehrswege lassen sich besonders hervorheben, zum Beispiel durch eine andere Lichtfarbe oder durch eine mindestens doppelt so hohe Beleuchtungsstärke wie in der Umgebung. Für den zuverlässigen Einsatz müssen Lichtquellen regelmäßig gewartet und gereinigt werden, empfiehlt die BG Bau.
Beleuchtungsstärken für die Allgemeinbeleuchtung
| Allgemeinbeleuchtung auf Baustellen | Mittlere Beleuchtungsstärke E |
| Hochbau | 20 Lux |
| Tiefbau | 20 Lux |
| Stahl- und Metallbau | 20 Lux |
| Gleisbau | 50 Lux |
| Tunnelbau | 100 Lux |
| Sanitär- und Sozialräume | 200 Lux |
| Büroräume | 500 Lux |
Beleuchtungsstärken auf Teilflächen für bestimmte Tätigkeiten
| Tätigkeiten | Wartungswert der horizontalen Beleuchtungsstärke |
| Arbeiten an Holzbearbeitungsmaschinen | 500 Lux |
| Grobe Montagearbeiten, z.B. Erdarbeiten, Hilfs- und Lagerarbeiten | 50 Lux |
| Mittelfeine Montagearbeiten, z.B. Maurer-, Schal, Installationsarbeiten | 100 Lux |
| Feine Montagearbeiten, z.B. anspruchsvolle Montagen, Oberflächenbehandlung | 200 Lux |
2. Stolperfallen vermeiden
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kommen im Herbst durch überfrierende Nässe und Bodenfrost weitere Gefährdungen hinzu. Deshalb müssen Arbeitsplätze und Verkehrswege regelmäßig geräumt und von Laub befreit werden. Auch Gerüste, Laufstege und Treppen müssen sauber gehalten und gegebenenfalls gestreut werden, um ein Ausrutschen zu verhindern. Die BG Bau empfiehlt Gerüstplanen, die zusätzlich gegen schlechte Witterungsbedingungen schützen können.
3. Schutz durch Kleidung
Wasser- und winddichte Wetterschutzkleidung schützt vor chronischen Atemwegs- oder Gelenkerkrankungen. Außerdem sollte die Kleidung gut sichtbar sein. Denn gerade in der dunklen Jahreszeit kann leuchtende und reflektierende Warnkleidung Unfälle verhindern. Kleidung mit Reflexstreifen ist auch bei schlechten Sichtverhältnissen oder Dunkelheit aus bis zu 150 Metern Entfernung zu erkennen. Die Anforderungen an Farbe und Leistungsklasse der Warnkleidung richten sich nach den jeweiligen Gefährdungen.
Die entscheidende Norm für Warnschutzkleidung ist die DIN EN ISO 20471. Diese definiert primär für den professionellen Bereich, wie die Warnkleidung beschaffen sein muss. Die Norm beinhaltet drei Leistungsklassen.
Mindestflächen des sichtbaren Materials in Quadratmetern
| Material | Klasse 1 | Klasse 2 | Klasse 3 |
| Fluoreszierendes Hintergrundmaterial | 0,14 | 0,50 | 0,80 |
| Retroreflektierendes Material | 0,10 | 0,13 | 0,20 |
| Material mit kombinierten Eigenschaften | 0,20 |
Welche Leistungsklasse für die jeweiligen Arbeiten gilt, hat die BG Bau auf dieser Webseite aufgelistet.
>>> Nähere Informationen zum Thema Warnkleidung: