Angesichts der Skandale um gestohlene Kreditkarten- und Kontoinformationen gerät der Marktplatz Internet unter Druck. Die Deutsche Handwerks Zeitung nimmt gängige Bezahlsysteme aus der Sicht von Käufer und Verkäufer unter die Lupe. Von Matthias Heiler
Sicher im Netz verkaufen und bezahlen
Die Kreditkarte ist entgegen ihres Rufs sehr sicher. SSL-Verbindungen bieten bei der Datenübermittlung einen guten Schutz und sind für Betrüger schwer zu knacken, wenn Nutzer und Anbieter ihre IT auf dem neuesten Sicherheitsstandard halten. Vor allem der Käufer hat den Vorteil, alle Belastungen seiner Karte zurückgeben zu können. Nach dem Gesetz gilt die umgekehrte Beweislast: Der Verkäufer muss also nachweisen, dass der Karteninhaber den Kauf persönlich getätigt hat. Der Verkäufer bleibt bei der Rückgabe also auf den Kosten sitzen. Diese Beträge können erheblich ausfallen. Die zwischengeschaltete Bank berechnet für jede Transaktion eine Servicegebühr zwischen 50 Cent und 3 Euro. Der Händler muss ein virtuelles Kassensystem von einem Clearinganbieter bereitstellen, um eine sichere SSL-Verbindung zum Clearingunternehmen aufzubauen, das die Transaktionen prüft und freigibt. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten von zirka 100 Euro für die einmalige Installation und eine Gebühr von zirka 40 Euro pro Monat. Die Jahresgebühr bei der Bank beläuft sich auf zirka 100 Euro. Die Clearingprüfung verzögert die Zahlung zum Nachteil des Verkäufers. Der Hauptvorteil für den Internethändler liegt in der großen Akzeptanz und Verbreitung der Kreditkarte. Sie lohnt sich aber nur für Verkäufer mit vielen Zahlungsvorgängen und höheren Beträgen.
Betrüger auf Einkaufstour
Oft genutzt und doch ziemlich unsicher: Das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) wird nach Statistiken der Polizei jedes Jahr für die meisten Betrügereien genutzt. Das Hauptproblem liegt in dem üblichen Verfahren der Banken. Die Kreditinstitute prüfen oft nicht die Berechtigung von Lastschriften. Seit Anfang 2010 sind Banken nicht einmal mehr verpflichtet, die Plausibilität des Kontoinhabers zu prüfen. Deshalb brauchen Betrüger nur noch eine Kontonummer und gehen damit auf Einkaufstour durchs Internet. Im Zweifelsfall probieren Kriminelle automatisch generierte Kontonummern aus und räumen nach einmalig erfolgreicher Abbuchung das Konto des ahnungslosen Inhabers leer. Der Kunde kann Lastschriften zwar zurückgeben, muss aber ständig sein Konto überwachen und die Rückgabefristen einhalten. Das kann sich schnell zur Belastung entwickeln. Wer einmal Opfer von Lastschriftbetrügern geworden ist, sollte sein Konto auflösen und ein Neues eröffnen. Als goldene Regel gilt: Geben Sie Ihre Kontodaten niemals an zweifelhafte Internethändler weiter. Auch für den Verkäufer ist das Lastschriftverfahren keine ideale Option. Er bleibt auf den Kosten möglicher Rückbuchungen sitzen. Eine Alternative bietet die Vorauszahlung des Kunden per Überweisung auf das Konto des Verkäufers. Als Anreiz kann dieser seinen Klienten das Porto schenken. Eine gute Zahlungsalternative bietet mittlerweile das PayPal-System. Dabei agiert PayPal als Vermittler zwischen dem Zahlendem und dem Empfänger. Der Kunde richtet sein PayPal-Konto ein und gibt ein gültiges Bankkonto oder eine Kreditkarte an. Dann kann der Nutzer Geld transferieren und empfangen. Jede Transaktion wird von PayPal freigegeben.
Schnelle Transaktion
Der große Vorteil liegt darin, dass auch der Empfänger/Verkäufer ein PayPal-Konto haben muss und die Transaktion deshalb in der Regel sofort stattfindet. Der Verkäufer muss nicht lange auf sein Geld warten. Außerdem ist der Weg des Geldes nachvollziehbar. Betrüger sind aus diesem geschlossenen System ausgeschlossen, so lange die PayPal-Nutzer ihre Zugangsdaten nicht weitergeben. PayPal akzeptiert als Zahlungsmethoden Kreditkarte, Lastschrift und Überweisung. Für die Teilnehmer fallen keine Einrichtungsgebühren oder monatliche Gebühren an. PayPal berechnet eine Gebühr für jede Transaktion: Je höher der Betrag, desto höher die fällige Gebühr. Deshalb eignet sich das Verfahren auch für Kleinstbeträge, so genannte Mircopayments. Für Verkäufer ist das System mittlerweile kaum noch zu ignorieren, weil es durch die Kooperation mit dem Internetauktionshaus eBay eine starke Marktposition erobert hat. Zu den Nachteilen von PayPal zählt ein Kundenservice über teure Hotlines und die Kontrolle durch die amerikanischen Behörden, die den Geldtransfer von Terroristen über diesen Weg bekämpfen. Als Folge kann ab einem bestimmten Umsatzvolumen das PayPal-Konto gesperrt werden. Für kleine Beträge bieten sich Mircopaymentsysteme wie Click and Buy an. Ähnlich wie bei PayPal hinterlegen die Teilnehmer dabei ein verifiziertes Bankkonto beim Serviceanbieter. Als Kosten für Verkäufer fallen eine Einrichtungsgebühr von 19,95 Euro, eine monatliche Grundgebühr von 19,95 Euro und ein Betrag von 2,9 Prozent plus eine Pauschale von 35 Cent pro Transaktion an. Die Marktverbreitung von Click and Buy ist nicht so hoch wie die von PayPal. Gleich, welches System Sie für Zahlungen im Internet nutzen, achten Sie immer auf eine sichere Verbindung. Diese erkennen Sie an der Buchstabenkombination "https" in der Adressleiste des Webbrowsers und einem Schloss- oder Schlüsselsymbol im Browserprogramm.
