Senator auf Irrwegen

Senator auf Irrwegen

Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin ist ein bekannter und wohl auch bekennender Querdenker. Seine teilweise recht derben Äußerungen zu verschiedensten Themen haben schon fast Kultstatus. Seine jüngsten Erkenntnisse zum Thema Schwarzarbeit gehören jedoch eher in die Rubrik verquer gedacht. In einer Fernsehsendung meinte er: „Ehe einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarzarbeitet.“ Sarrazin meinte weiter, der Schwarzarbeiter sei so an die frische Luft gekommen und habe wahrscheinlich jetzt drei Tage lang bessere Laune, das wiederum sei gut für Frau und Kinder. Sein Fazit: „Arbeit hat immer nur positive Seiten.“ Da mag man dem Herrn Senator nicht widersprechen, allerdings mit der Einschränkung, dass davon die Schwarzarbeit ausdrücklich auszunehmen ist. Die hat eindeutig nur Nachteile. Vielleicht sitzt auch Herr Sarrazin irgendwo im 20. Stock und nimmt die Probleme da unten nicht mehr so recht wahr. Und von Problemen hat gerade Berlin wahrlich genug. Diese Probleme lassen sich nicht mit Schwarzarbeit, sondern nur mit legaler Arbeit lösen. Denn nur Letztere bringt mehr Geld in die Kassen von Staat und Sozialversicherungen. Schwarzarbeit aber lässt nicht nur die öffentlichen Kassen leer ausgehen. Sie vernichtet darüber hinaus legale Arbeitsplätze und gefährdet Unternehmen. Nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft erwirtschaften unsere rund 13 Millionen Schwarzarbeiter immerhin bis zu 158 Milliarden Euro. Im Februar 2002 hatte Sarrazin über den Berliner Etat gesagt: „Der Haushalt ist objektiv verfassungsfeindlich.“ Diese Beschreibung hätte er auch auf die Schwarzarbeit anwenden sollen.los