Betriebsausgabenabzug Seminarkosten steuerlich absetzen: Das ist zu beachten

Längst nicht in allen Fällen erkennt das Finanzamt Seminarkosten steuerlich an. Worauf es beim Betriebsausgabenabzug für Seminarkosten ankommt? Hier die Voraussetzungen inklusive Beispiel, Praxistipps und eines aktuellen Urteils.

Entscheidend für den Betriebsausgabenabzug ist der berufsspezifische Zuschnitt eines Seminars. - © anzebizjan - stock.adobe.com

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Betriebsausgabenabzug für Seminarkosten: Die Voraussetzungen

Damit Seminarkosten als Betriebsausgaben vom Gewinn abgezogen werden dürfen, sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen: Der Unternehmer muss die Höhe der Seminarausgaben anhand einer Rechnung nachweisen. Zudem ist es erforderlich, dass ein hinreichend konkreter Zusammenhang zur handwerklichen Tätigkeit besteht.

Beispiel: Eine selbstständige Malerin besucht ein Seminar zur Persönlichkeitsbildung. Sie zieht die Seminargebühren in Höhe von 3.000 Euro als Betriebsausgaben ab. Bei Bearbeitung der Steuererklärung streicht der Sachbearbeiter im Finanzamt den Betriebsausgabenabzug. Begründung: Durch Persönlichkeitskurse werden regelmäßig private Interessen verfolgt und nicht betriebliche.

Finanzgericht bestätigt strenge Vorgehensweise

Das Finanzgericht Düsseldorf bestätigte diese strenge Vorgehensweise der Finanzämter aktuell (FG Düsseldorf, Urteil v. 15.12.2021, Az. 10 K 2085/17 E). In dem Urteilsfall wollte sich ein Steuerzahler selbstständig machen und buchte vor dem Weg in die Selbstständigkeit verschiedene Seminare für 27.000 Euro. Dazu gehörten Seminare wie "Geheime Anlagestrategien", "Devisenhandel", "Garantie zum Wohlstand", "Nie wieder arbeiten" sowie Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung wie "Erleuchteter Krieger" und  "Trainiere den Trainer". Der Betriebsausgabenabzug wurde wegen des fehlenden berufsspezifischen Zuschnitts der Seminare abgelehnt.

Praxis-Tipp: Möchten Sie also Aufwendungen für Seminare als Betriebsausgaben abziehen, müssen Sie detailliert nachweisen, warum diese Seminare für ihren betrieblichen Hintergrund notwendig sind. Oftmals ist es hilfreich, wenn es sich bei den Seminarteilnehmern um einen homogenen Kreis handelt (alle Teilnehmer sind Handwerker; Spezielle Seminarinhalte für selbstständige Handwerker). Um das Finanzamt vom Zusammenhang mit Ihrem Beruf zu überzeugen, empfiehlt es sich, die Seminarbeschreibung mit den jeweiligen Inhalten des Seminars aufzubewahren.

Aufteilung der Seminarkosten?

Greift der Sachbearbeiter oder der Betriebsprüfer des Finanzamts als Betriebsausgabe verbuchte Seminarkosten auf und hat Zweifel am Zusammenhang des Seminars mit dem Handwerksbetrieb, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Legen Sie dem Finanzbeamten die Seminarbeschreibung vor.
  • Sind nicht alle Seminarinhalte auf die selbstständige Tätigkeit als Handwerker zugeschnitten, sollte darauf gepocht werden, dass zumindest ein Teil der Seminargebühren als Betriebsausgaben abgezogen werden darf.
  • Eine Einigung auf 50 Prozent Betriebsausgabenabzug ist besser, als ganz auf die Gewinnminderung zu verzichten.

Auslandsseminare führen zu Zweifeln

Besonders kritisch begutachten Sachbearbeiter und Prüfer des Finanzamts Seminare und als Betriebsausgaben erfasste Seminarkosten, wenn das Seminar im Ausland stattgefunden hat – meist an touristisch attraktiven Orten. Hier wird unterstellt, dass der Privaturlaub auf Kosten des Finanzamts abgesetzt werden sollen.

Praxis-Tipp: Auch hier ist das A und O für den Betriebsausgabenabzug die Vorlage der Inhaltsbeschreibung des Seminars mit zeitlichen Angaben. Auch der Nachweis eines homogenen Teilnehmerkreises hilft dabei, die Finanzbeamten vom Betriebsausgabenabzug zu überzeugen. Auch hier gilt: Lässt sich der Sachbearbeiter bzw. der Prüfer nicht vollends überzeugen, sollte eine Aufteilung der Seminarkosten in Betriebsausgaben und nicht abziehbare Betriebsausgaben vorgeschlagen werden.