Planungssicherheit Fehlanzeige, hohe Betriebskosten und eine instabile Auftragslage: Die Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland sehen weiterhin große Unsicherheiten. Dennoch zeigt der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im Februar 2026, dass der Optimismus wieder wächst. Das steckt dahinter.

In den ersten Monaten des Jahres steigen die Geschäftserwartungen, weil Projekte starten, Budgets freigegeben und aufgeschobene Investitionen umgesetzt werden. Wie nachhaltig sich dieser Aufbruch dann langfristig im Jahresverlauf entwickelt, bleibt abzuwarten. Dass sich im Februar sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten auf die kommenden Monate bei den Soloselbstständigen etwas verbessert haben, werten Wirtschaftsforscher deshalb auch noch nicht als realistischen Aufschwung – oder gar als Trendumkehr.
Nach einer langen Phase, in der das Geschäftsklima sich Monat für Monat verschlechterte, zeigt der Geschäftsklimaindex im Februar 2026 bei den Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland wieder einen leichten Anstieg. Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex ist im Februar 2026 von minus 21,5 auf minus 16,5 Punkte gestiegen. Dabei haben die Selbstständigen die aktuelle Geschäftslage weniger negativ bewertet – sie stieg um 3,5 Punkte auf minus 17,8. Zugleich legten die Geschäftserwartungen um 6,6 Punkte auf minus 15,1 zu.
Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im Februar 2026 zeigt große Planungsunsicherheiten
Dennoch zeigen die Umfragewerte der Betriebe mit weniger als neun Mitarbeitern, die die Wirtschaftsforscher des Münchner ifo Instituts im Auftrag des Internetdienstleisters Jimdo monatlich befragen, dass die Unsicherheit unter Selbstständigen trotz eines leichten Rückgangs hoch bleibt: 32 Prozent gaben an, ihre Geschäftsentwicklung schwer einschätzen zu können. Damit liegt der Wert weiterhin deutlich über dem der Gesamtwirtschaft. Von den größeren Unternehmen berichten laut ifo Institut nur 21,4 Prozent von derart unsicherer Einschätzung.
Matthias Henze, CEO und Mitgründer von Jimdo, wertet die – stark saisonal geprägte – Entwicklung zwar als positives Signal, aber auch er sieht, dass weiterhin viele strukturelle Probleme bleiben: "Alle Indikatoren des Geschäftsklimaindex liegen weiterhin im negativen Bereich. Anhaltend hohe Betriebskosten und Abgaben, schwache Nachfrage und Planungsunsicherheit belasten kleine Betriebe besonders stark", kommentiert er die neuen Zahlen. Welche wirtschaftlichen Folgen die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben werden, bleibe aus seiner Sicht außerdem abzuwarten.
Angespannte Wirtschaftslag: Strukturelle Reformen notwendig
Dieser Einschätzung schließt sich auch der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) an. Angesichts der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage seien jetzt strukturelle Reformen notwendig. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD, zählt auf, welche Maßnahmen für die Kleinstunternehmen jetzt wichtig wären: "Die angekündigte Reform der Statusfeststellung, eine faire Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge, die Einbeziehung in die Aktivrente sowie das geplante Altersvorsorge-Depot." jtw
