Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex Selbstständige geben der Wirtschaftspolitik die Schulnote 4,3

Das Zeugnis für die Regierung fällt schlecht aus – vor allem die Sozial- und Rentenpolitik fällt durch. Und auch die aktuelle Geschäftslage erreicht einen historischen Tiefpunkt. Immerhin: Der Blick nach vorn fällt wieder etwas besser aus.

Wenn Selbstständige der Wirtschaftspolitik aktuell ein Zwischenzeugnis ausstellen müssten, stünde unter dem Strich nur ein "ausreichend". - © Marco2811 - stock.adobe.com

Selbstständige sowie Unternehmerinnen und Unternehmer in Kleinstbetrieben stellen der Wirtschaftspolitik ein schlechtes Zeugnis aus. Sie bewerten die politische Arbeit mit der Gesamtnote 4,3. Das geht aus dem aktuellen Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Januar 2026 hervor. Damit urteilen die Kleinen kritischer als die Gesamtwirtschaft, die eine Note von 4,2 vergibt. Besonders schlecht schneidet die Sozial- und Rentenpolitik ab, die von den Befragten mit der Note 4,7 abgestraft wird. Auch die Energie- und Klimapolitik erhält mit einer 4,5 eine Bewertung, die in der Schule als "mangelhaft" gelten würde.

Geschäftslage auf historischem Tiefstand

Neben der Unzufriedenheit mit der Politik drückt die wirtschaftliche Realität auf die Stimmung. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage fällt auf minus 21,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit dem Start dieser Index-Erhebung, teilt der Website-Anbieter Jimdo mit. Der Abstand zur Gesamtwirtschaft ist groß: Er beträgt 16,5 Punkte. Matthias Henze, CEO von Jimdo, ordnet die Zahlen ein: "Ein Abstand von 16,5 Punkten zur Gesamtwirtschaft zeigt, wie schwierig die wirtschaftliche Realität vieler Selbstständiger derzeit ist und wie weit sie noch von einer nachhaltigen Erholung entfernt sind."

Ein kleiner Lichtblick zeigt sich lediglich bei den Erwartungen für die kommenden Monate. Da die Betriebe weniger pessimistisch in die Zukunft blicken, stieg der Wert für die Geschäftserwartungen um 7,7 Punkte auf minus 21,7. Dadurch verbesserte sich das allgemeine Geschäftsklima leicht. Katrin Demmelhuber vom ifo Institut dämpft jedoch die Erwartungen für den Gesamtmarkt: "Die deutsche Wirtschaft startet damit insgesamt ohne Schwung ins neue Jahr."

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Bürokratie ist das größte Ärgernis

Die Befragung zeigt deutlich, wo den Betrieben der Schuh drückt. An erster Stelle der Forderungen steht der Abbau von Bürokratie. Rund 430 Nennungen entfallen laut ifo Institut auf den Wunsch nach einfacheren Verfahren und schnelleren Genehmigungen. Auf Platz zwei folgen Steuern und Abgaben. Hier wünschen sich die Unternehmer vor allem Entlastungen bei Steuern, Sozialabgaben und Lohnnebenkosten. Die Energiepreise liegen auf Rang drei der am dringendsten benötigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen.

Auftragsmangel belastet jeden zweiten Betrieb

Die schlechte Stimmung hat konkrete Ursachen im Betriebsalltag. Knapp jeder zweite Selbstständige (46,6 Prozent) klagt über fehlende Aufträge. In der Gesamtwirtschaft betrifft dies nur 36,3 Prozent der Firmen. Zudem herrscht große Unsicherheit: Mehr als ein Drittel der Befragten (33,5 Prozent) kann die eigene künftige Geschäftsentwicklung nur schwer einschätzen. Auch hier liegt der Wert deutlich über dem der Gesamtwirtschaft. Finanzielle Engpässe traten zuletzt hingegen seltener auf als in den Vorquartalen.

Verband fordert Taten vom Kanzler

Angesichts dieser Zahlen sieht der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) die Politik in der Pflicht. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD, bezieht sich auf Aussagen von Friedrich Merz: "Friedrich Merz hat zum Jahresbeginn erklärt, der Wirtschaftspolitik 2026 deutlich höhere Priorität einräumen zu wollen. Die Selbstständigen setzen ihre Hoffnung darauf, dass diesen Ankündigungen auch Taten folgen."

Lutz fordert eine klare Strategie für die kleinen Betriebe. Dazu gehören Reformen beim Statusfeststellungsverfahren und eine faire Berechnung der Beiträge. "Daran werden wir den Bundeskanzler messen", sagt Lutz.

Für den Index befragt das ifo Institut monatlich rund 1.700 Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern. fre