Handwerksbetriebe, die ihren Arbeitsalltag effizient organisieren, sparen Geld und Zeit. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach hat sechs Ansätze entwickelt, mit denen Handwerker ihre Organisation verbessern können.
Sechs Tipps für effizientes Arbeiten
"Sowohl die Handwerksbetriebe als auch auch Studierende sollen von den Ergebnissen profitieren", sagt der Lehrbeauftrage und Projektleiter Erich Bechtold. Die Studenten dokumentierten den Ablauf des Alltags und entwickelten sechs konkrete Verbesserungsvorschläge, um die Effizienz zu steigern:
1. Den Kunden zum Handwerker holen: Die Studierenden stellten fest, dass insbesondere Ausschreibungen und Angebotserstellungen häufig ein großer Zeitfresser im Handwerkeralltag sind. Allein schon Fahrzeiten zum Kunden zur Angebotspräsentation sind ein Risiko, da der Aufwand schlecht vorab kalkulierbar und unentgeltlich ist. Während nach Angaben der Unternehmen bei einer Ausschreibung lediglich zehn Prozent letztendlich zu einer Beauftragung führen, seien es bei Messen zirka 80 Prozent. Die Studenten schlugen vor, Kunden verstärkt zu Präsentationen im Handwerksunternehmen selbst einzuladen, um dadurch die Trefferquote zu erhöhen.
2. Werbung mehr ins Netz verlagern: Die analysierten Handwerksbetriebe setzen ihren Werbefokus in erster Linie auf klassische Print-Werbung und Empfehlungsmarketing. Im Zeitalter der Digitalisierung reicht eine reine Offline-Existenz nicht mehr aus. Sich allein auf den "guten Ruf" zu verlassen, ist höchst riskant im Falle eines Scheiterns. Vielmehr muss man künftig eine aussagekräftige Online-Präsenz entwickeln und über Chancen der digitalen Kundeninteraktion nachdenken.
3. iPhone statt Terminkalender: Um den Tagesablauf besser im Voraus zu koordinieren, ist es wichtig, auf eine entsprechende Planungssoftware zurückzugreifen. Positiv fiel den Studierenden auf, dass einige Handwerksbetriebe bereits Terminkalkulationsprogramme verwenden, die von mobilen Endgeräten aus genutzt werden können. Auf diese Weise erhalten die Mitarbeiter tagesaktuell einen Überblick über den Einsatzplan und die Tagesziele.
4. Kein totes Kapital ansammeln: Als Problem in fast allen besichtigten Handwerksbetrieben stellten sich die "Lagerhüter" heraus. Je größer das Lager, desto größer ist auch die Gefahr, dass sich totes Kapital ansammelt, das eigentlich auf der Bank Zinsen bringt. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig Bestandsaufnahmen vorzunehmen und das Lager so klein und übersichtlich wie möglich zu halten.
5. Kunden hinter die Kulissen schauen lassen: Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist im Handwerk eines der wichtigsten Werbemittel. Gerade im Handwerk geht es mehr als irgendwo anders um eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Kunde und Dienstleister. Deshalb ist es entscheidend, sich tatsächlich so zu verhalten, wie man wahrgenommen werden will. Unternehmenswerte müssen im Umgang mit den Kunden gelebt werden. Dann entsteht Glaubwürdigkeit.
6. Mitarbeiter mit ins Boot holen: Die eigenen Mitarbeiter sind die wichtigsten Imageträger. Gerade deshalb spielt es eine wesentliche Rolle, dass auf der Baustelle nicht nur der Bauleiter, sondern auch die Facharbeiter fachlich kompetent Auskunft geben können.
Fast 80 Prozent aller Handwerksbetriebe haben weniger als zehn Beschäftigte. Handwerker stehen deshalb häufig vor der Herausforderung, nicht nur als Handwerker, sondern auch als Berater, Verkäufer, Buchhalter, Steuerexperte und Marketingreferent zu handeln. Die betriebswirtschaftliche Komponente kommt dabei häufig zu kurz. Unternehmer sollten ihre Prozesse immer wieder kritisch auf Optimierungsmöglichkeiten hin überprüfen und dabei neue technische Möglichkeiten nutzen.
Im kommenden Jahr plant die Hochschule Mosbach eine Neuauflage des Forschungsprojekts. Teilnehmende Handwerksbetriebe erhalten als Dankeschön konkrete, auf den eigenen Betrieb zugeschnittene Handlungsempfehlungen. Interessierte Handwerksunternehmen können sich jetzt bei Prof. Dr. Neumann für das Projekt 2010 per E-Mail anmelden unter neumann@dhbw-mosbach.de .
dhz