Lieferdauer und Fördersituation Schwierige Zeiten für Verkäufer von E-Autos

Wer sich heute für den Kauf eines E-Autos entscheidet, kann ziemlich sicher erst 2023 damit fahren. Die Lieferzeiten sind lang. Die aktuellen Kaufanreize über den Umweltbonus von bis zu 9.000 Euro laufen allerdings Ende 2022 aus. Das Kfz-Gewerbe fordert Nachbesserungen, denn immer mehr E-Auto-Interessierte entscheiden sich derzeit gegen den Kauf.

Umweltbonus für E-Autos
Der Umweltbonus für E-Autos läuft in seiner jetzigen Form Ende 2022 aus. Schon jetzt bringt er E-Auto-Interessierten aber nichts mehr. Die Lieferzeiten der Fahrzeuge sind zu lang. - © mpix-foto - stock.adobe.com

Der Umweltbonus soll Neuwagenkäufer dazu motivieren, sich für ein Elektroauto zu entscheiden. Bis zu 9.000 Euro kann man derzeit noch als Zuschuss dafür bekommen. Theoretisch zumindest. In der Praxis scheint dies für dieses Jahr sehr unwahrscheinlich, denn die Förderung in ihrer jetzigen Form läuft zum Jahresende aus. Die Lieferzeiten für E-Neuwagen sind derzeit aber so lange, dass Käufer bis 2023 warten müssen. Das Problem: Der Umweltbonus ist an das Zulassungsdatum geknüpft.

Ohne Umweltbonus schwindet das Interesse an den E-Autos

Genau das sollte die Bundesregierung aus Sicht des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) nun schnell ändern und stattdessen das Bestelldatum gelten lassen. Ohne Änderung droht das Interesse der Fahrzeugkäufer an E-Autos aus Sicht des Kfz-Gewerbes stark abzuflauen. So zeigte eine Blitzumfrage des Verbands Anfang Februar, dass sich rund die Hälfte der Kunden, die sich im Januar für den Kauf eines batteriebetriebenen Fahrzeugs oder eines Plug-in-Hybrid interessiert zeigten, gegen den Kauf entschieden hat. Für die Umfrage wurden 521 Autohäuser befragt. Verantwortlich für die Verunsicherung der E-Auto-Interessierten macht der Verband die fehlende Klarheit bei der Fördersituation über 2022 hinaus.

In ihrer jetzigen Form läuft der Umweltbonus Ende 2022 aus. Zwar plant die Bundesregierung wohl eine Reform der staatlichen Förderung, die ab 2023 gelten soll. Dann sollen nur noch Elektrofahrzeuge gefördert werden, die nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt haben. Details dazu – etwa die Förderhöhe – sind aber noch nicht bekannt. Thomas Peckruhn, der Vizepräsident des ZDK, erklärte dazu bei der Jahrespressekonferenz: "Das heißt: Weder die Händler noch die Kunden sind zurzeit in der Lage, einen korrekten Fahrzeugpreis zu kalkulieren, weil nicht sicher ist, mit welcher Förderung dann zu rechnen ist."

Missbrauch beim Umweltbonus: Längere Haltefrist ab 2023 geplant

Die Bundesregierung bzw. das Bundeswirtschaftsministerium ist derzeit allerdings in Sachen Elektroautos und deren Kauf und Verkauf erst einmal an ganz anderer Stelle dabei, Änderungen beim Umweltbonus vorzunehmen. Medienberichten zufolge herrscht aktuell ein reger Handel mit den Fahrzeugen, da die Käufer sie bereits nach sechs Monaten wieder verkaufen dürfen und den Umweltbonus nicht zurückzahlen müssen. Nun soll die Frist, wie lange ein Käufer das Fahrzeug halten muss, ab 2023 auf mindestens zwölf Monaten verlängert werden.

Neben seiner Kritik an den Förderbedingungen für den Umweltbonus verwies der ZDK auch darauf, dass das Postulat der Technologieoffenheit bei alternativen Antrieben nicht aus dem Blick geraten darf. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski sagte: "Wenn wir die Klimaziele im Straßenverkehr erreichen wollen, muss der Bestand an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in die Strategie zur CO2-Minderung einbezogen werden. Auch diese Fahrzeuge könnten ihren Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz leisten, indem sie mit CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen betrieben würden." Weltweit sind aktuell rund 1,4 Milliarden Pkw mit Verbrennungsmotoren ausgestattet, davon in Deutschland rund 46 Millionen.

Laut Karpinski wären diese E-Fuels sofort einzusetzen, auch als Beimischung zu Benzin- oder Dieselkraftstoff. Auch bei diesem Thema forderte der Verband die Bundesregierung auf, Klarheit über künftige Festlegungen und eventuelle Anreize zu schaffen. Bisher sind die E-Fuels noch wenig verfügbar und Investoren hätten keine Planungssicherheit, ob es sich lohnt, Anlagen für die Herstellung dieser Kraftstoffe zu errichten.

Schwieriges Autojahr 2021

Auf der jährlichen Veranstaltung zog der ZDK insgesamt eine sehr durchmischte Bilanz. Es habe spürbare Umsatzeinbußen im Neuwagenhandel, bei jungen Gebrauchtwagen und im Service gegeben. Der Handel mit älteren Gebrauchtwagen und das Geschäft mit Lastkraftwagen habe hingegen Zuwächse gebracht. Der Gesamtumsatz im Kfz-Gewerbe sank den Angaben zufolge um 2,7 Prozent auf 179,8 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite lag bei 1,3 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Der Umsatz mit Pkw-Neuwagen ging 2021 im Markenhandel um 8,8 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro zurück. Als Gründe gab der Verband den Lockdown im ersten Halbjahr 2021 mit Verkaufsbeschränkung im Präsenzhandel sowie die Halbleiter-Krise mit mangelnder Verfügbarkeit von Neufahrzeugen an. Der Pkw-Gebrauchtwagenhandel legte um 1,4 Prozent auf 83,4 Milliarden Euro zu. Der Durchschnittspreis für Neuwagen legte um 4,0 Prozent auf 37.790 Euro zu. Gebrauchte kosteten im Schnitt 15.740 Euro, 6,9 Prozent mehr als 2020. jtw/dpa

>>> Weitere Zahlen der Branche sind unter zdk.de nachzulesen