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Corona-Pandemie Behelfsmasken vom Maßschneider: Zwischen Solidarität und Existenzangst

Maßschneider Felix Flechtner näht und verkauft in der Corona-Krise Gesichtsmasken – für diejenigen mit Kunden- oder Patientenkontakt auch zum Selbstkostenpreis. Viele seiner Kollegen wollen ebenso helfen, mit den Behelfsmasken aber auch ihre Existenz retten. Dringend benötigte Einnahmen könnte eine gesetzliche Regelung bringen, wie sie jetzt in Österreich eingeführt wurde.

Abendkleider, Tanz-Outfits und jetzt auch Gesichtsmasken. Da im Atelier von Maßschneider Felix Flechtner derzeit keine Anproben möglich sind, kann er lediglich bestehende Aufträge vorbereiten. Ist dazwischen Zeit, näht er Mund- und Nasen-Masken aus doppellagiger Baumwolle. "Mit Nasenbügel und Gummibändern für eine optimale Passform", so der Damenschneider aus Herzogenaurach. Der Behelfsmundschutz ist bei 90 Grad waschbar (am besten mit Vollwaschmittel) und kann wiederverwendet werden. "Das ist der Beitrag, den ich in der Corona-Krise leisten kann."

Coronavirus-Gesichtsmasken dienen vor allem dem Fremdschutz  

Für den medizinischen Bereich sind die Masken ungeeignet, darauf weist Flechtner explizit hin. Bedenken über etwaige Kennzeichnungspflichten, die darüber hinausgehen, konnte er im Gespräch mit der Handwerkskammer Mittelfranken ausräumen. Im privaten Gebrauch können die Masken dennoch sinnvoll sein. So stecken Infizierte ihre Mitmenschen weniger schnell an, da sich ausgestoßene Tröpfchen in der Maske verfangen. Zudem fassen sich Träger von Behelfsmasken weniger direkt in das Gesicht. Das Coronavirus kann so von Mund und Nase ferngehalten werden.

"Ich möchte keinen Profit aus der Situation schlagen"

Die Gesichtsmasken produziert Flechtner auf Anfrage. "Ich möchte keinen Profit aus der Situation schlagen, sondern helfen", betont er. Für alle, die wegen ihrer Arbeit täglich Kontakt mit Dritten haben, gibt es die Masken zum Selbstkostenpreis von ca. drei Euro. Flechtner kann es aktuell noch finanziell verkraften solidarisch zu sein, er bezieht am Nürnberger Opernhaus ein sicheres Teilzeiteinkommen.

Hohe Umsatzeinbußen: Masken als Existenzretter

Viele seiner selbstständigen Kollegen haben das nicht – und mussten in den vergangenen Wochen teils fast vollständige Umsatzverluste hinnehmen. Für sie sind die Behelfsmasken der letzte Strohhalm, an den sie sich jetzt klammern können. "Ich habe schon fast den Eindruck, Maßschneider produzieren derzeit nur noch Schutzmasken", sagt Inge Szoltysik-Sparrer, Vorsitzende des Bundesverbands des Maßschneiderhandwerks. Einige würden dies wie Flechtner aus Solidarität tun, viele aber auch aus Existenznöten. "Die Masken werden teils für zehn bis 15 Euro das Stück verkauft."

Auch Szoltysik-Sparrer habe schon Anfragen erhalten. Eine Kinderarztpraxis möchte die Behelfsmasken etwa als Give-away an ihre Patienten weitergeben, damit diese gewappnet sind, sobald der Unterricht wieder beginnt. Die Kreishandwerkerschaft Düsseldorf berichtet von mehr als 1.000 Bestellungen innerhalb von zwei Tagen, die nun von sechs lokalen Ateliers für den Eigenbedarf des Handwerks produziert werden.

Kommt in Deutschland die Maskenpflicht?

Felix Flechtner Gesichtsmaske Corona

Ganz so groß ist die Nachfrage bei Flechtner noch nicht. Er fertigt derzeit überwiegend für Familie und Bekannte. Auch einen Auftrag von einer Physiotherapiepraxis habe er bereits erhalten. Es könnten jedoch schon bald deutlich mehr werden. Denn in Österreich dürfen ab Mitte der Woche Supermärkte nur noch mit Gesichtsmaske betreten werden, vorausgesetzt am Eingang werden entsprechende Masken verkauft. Auch in Deutschland könnten Länder und kommunale Gesundheitsbehörden eine Maskenpflicht beschließen. Sie könnte etwa Teil eines Exit-Plans sein, mit dem das öffentliche Leben wieder hochgefahren wird. Wenn jeder Gesichtsschutz trägt, könnten Kaufhäuser und Friseursalons gegebenenfalls wieder geöffnet werden.

Dem Maßschneiderhandwerk würde eine solche Regelung helfen, die Umsatzeinbußen ein wenig abzufedern. Denn wie sich die Corona-Krise mittelfristig auf die Branche auswirkt, wagt auch Flechtner derzeit nicht abzuschätzen. "In zwei bis drei Monaten wird sich zeigen, ob Kunden das gesparte Urlaubsgeld in maßgeschneiderte Kleidung investieren – oder ob sie nach der Krise erst einmal zurückhaltend mit Investitionen sind."

Was ist rechtlich zu beachten, wenn selbstgemachte Gesichtsmasken verkauft werden?

"Natürlich dürfen selbstgerfertigte Masken verkauft bzw. an Dritte abgegeben werden und sind auch verkehrsfähig - eben nur nicht als Medizinprodukte", schreibt Rechtsanwalt Phil Salewski von der IT-Recht Kanzlei. Sie dürften nur nicht in Verbindung mit medizinischen Eigenschaften beworben/angeboten werden, die sie nicht aufweisen. Vermieden werden muss also eine subjektive Widmung als Medizinprodukt. Zum vollständigen Beitrag.

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