Junges Mode-Label Schneiderhandwerk statt Massenware

Die Metropolregion Nürnberg zählt in der Modebranche nicht zu den High-Fashion-Hochburgen. Schon eher ist sie als Mekka der Sportartikelhersteller bekannt. Trotzdem haben drei junge Männer aus Herzogenaurach ein besonderes Label gegründet.

Das NCHTFLTR-Team (v.l.): Felix Flechtner, Sebastian Oertel, Nicolas Greiner und Florian Lickteig (Nicht im Bild: Theresa Scarabello). - © Vincent Grundke

Felix Flechtner, Sebastian Oertel und Florian Lickteig – die Macher von "Flick and Kaxx" haben eine eigene Modekollektion ins Leben gerufen: "NCHTFLTR". Ein Wort ohne Vokale. Warum? Die Modelinie will anders sein und ist es auch. Im Stil, in der Machart und vor allem in den beteiligten Personen. Denn: NCHTFLTR ist "made in Germany" und handgemacht im Maßschneiderhandwerk.

2019, im Jahr vor Corona, haben sich zwei junge Männer aus der Region, die bei beiden großen Herzogenauracher Sportartikelherstellern arbeiten, zusammengetan, um nebenbei eine eigene Modelinie aufzusetzen. Sebastian Oertel und Florian Lickteig. "Flick and Kaxx". Ihr erster Anlauf bestand darin, Hoodies zu bedrucken. Doch schnell wurden ihnen die klassischen Formen zu langweilig und sie holten Felix Flechtner mit ins Boot. Der 23-jährige Maßschneider absolvierte in Erlangen seine Ausbildung, wurde 2020 beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks Kammersieger und belegte auf Landesebene den vierten Platz. Er war gleich Feuer und Flamme. Passte zum Team. Und er konnte den Designideen Leben einhauchen.

Erfolgreicher Einstieg mit Masken

Als Corona dann die Welt aus den Angeln hob, gaben die Jungs nicht auf, sondern nutzten die Chance: Sie entwarfen bequeme Masken, die nur im Nacken fixiert sind. "2.500 Stück hat Felix ganz allein genäht", sagt Sebastian Oertel. Im Online-Shop fanden die Stücke reißenden Absatz. "Die Leute haben es gemocht. Ab diesem Zeitpunkt haben wir festgestellt, dass wir etwas designt haben", sagt Oertel stolz. Sie blieben dran.

Inspiration aus der Rave-Szene

Inzwischen entwickeln die Drei besondere Mode aus hochwertigen Materialien. Ein Rock aus Kaktusleder ist zum Beispiel dabei. Oder Hosen und T-Shirts aus zertifizierter Baumwolle, ausgestattet mit vielen Finessen. Inspiriert ist NCHTFLTR aus der Rave-Szene. Die vorherrschende Farbe ist schwarz. Die Schnitte mutig, aber alltagstauglich und kombinierbar. "Man kann damit abends in den Club gehen, aber auch in die Oper", sagt Designer Oertel. Auch wichtig: Herren- oder Damenkollektionen gibt es nicht. Die Teile können alle Menschen nach Lust und Laune tragen. Vor allem in Berlin feiert die neue Modemarke aus Herzogenaurach Erfolg. Dort gibt es einen Laden, der unter anderem die NCHTFLTR-Teile vor Ort verkauft, die passende Szene und natürlich Konsumenten, die bereit sind, für besondere Mode Geld auszugeben.

Kleine Stückzahlen, nachhaltige Herstellung

Sehr bewusst sucht das Team aus, woher die Materialien kommen, wie sie hergestellt sind. Produziert wird keine Masse, sondern 20 bis 30 Exemplare pro Kleidungsstück. Das Nähen übernehmen Maßschneider in ganz Deutschland. "Wir sind zwar nicht die Nachhaltigkeitsfirma schlechthin, aber wir achten darauf, so gut es geht", sagt Florian Lickteig. Zum Konzept gehört auch der Zero-Waste-Gedanke: Aus Druck- und Stoffresten entstehen Unikate, natürlich in Handarbeit.

Model in Kollektions-Outfit
Model Luna Plesinger im Outfit der neuen HW21-Kollektion. - © Kai Bauer

Faire Bezahlung

Die drei Männer ergänzen sich bestens. Alle lieben Mode und jeder bringt wertvolles Fachwissen mit: Florian Lickteig, 25 Jahre, ist der Marketing- und Finanzfachmann des Start-ups. Sebastian Oertel, mit 19 Jahren der Jüngste im Bunde, designt die Stücke, liefert die Entwürfe und wählt Stoffe und Materialien aus. Und Felix Flechtner realisiert die Muster, fertigt die Schnitte an und versorgt ein ganzes Netzwerk an Maßschneidern mit Aufträgen. Diese nähen dann die Kollektion und werden fair bezahlt. "Ich bereite das sehr gut vor, dann können die Kollegen das einfach in ihren Arbeitsalltag einbauen", sagt Flechtner. Eine Frau, die aus Berlin zuarbeitet, gehört auch noch dazu: PR-Managerin Theresa Scarabello.

Für die Kunden sind die Stücke eine exklusive Angelegenheit, die sie zu schätzen wissen: Die aktuelle Kollektion ist fast ausverkauft. Mit ihrem Konzept wollen die Herzogenauracher ein klares Zeichen setzen. Gegen billige Massenware, für das Schneiderhandwerk und für die lokale Produktion in Deutschland. Übrigens: Maßschneiderbetriebe, die Lust haben, Teil des Netzwerks zu werden, sind herzlich willkommen. Die nächste Kollektion steht schon in den Startlöchern.