Hoch- und Tiefbau Schlechte Lage auf dem Bau hält an: ZDB besorgt

Der Hoch- und Tiefbau entwickeln sich aktuell sehr unterschiedlich. Unterm Strich ist aber noch keine Trendwende zu erkennen. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe fordert die Politik zum Handeln auf.

Baustelle
Der Umsatz im Bauhaupgewerbe ist im ersten Halbjahr 2024 um ein Prozent gesunken. - © Calado - stock.adobe.com

Das Bauhauptgewerbe mit Betrieben ab 20 Beschäftigten verzeichnete im ersten Halbjahr 2024 eine extrem ungleiche Entwicklung der Bausparten, wie die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Während der Tiefbau sich positiv entwickelte, brach der Umsatz der deutschen Wohnungsbaubetriebe nach einem schlechten 1. Halbjahr 2023 um weitere zwölf Prozent ein.

Auftragseingänge unterschiedlich im Hoch- und Tiefbau

Die Auftragslage im Bauhauptgewerbe sei differenziert zu betrachten, so der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Während der Hochbau einen Rückgang der Auftragseingänge um drei Prozent verzeichnete, stiegen die Auftragseingänge im Tiefbau um gut acht Prozent. Besonders der Wohnungsbau zeige mit fünf Prozent eine erschreckend stabile Negativtendenz.

Die Order für den gewerblichen Hochbau, wo es zu Jahresbeginn noch zweistellige Rückgänge gab, erholten sich zuletzt und liegen nun bei minus 3,4 Prozent. Positiv entwickelt sich der öffentliche Hochbau, der durch Investitionen in Schulen und Kitas gestützt wird. Der Sektor sei aber zu klein, um den gesamten Hochbau aus der Krise zu bauen, so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Im Tiefbau stiegen die Auftragseingänge im gewerblichen Bereich hingegen um zehn Prozent, im öffentlichen Bereich um sieben Prozent, was die insgesamt stabile Nachfrage in diesem Segment unterstreicht.

Die Zahlen im Überblick

  • Umsatz Bauhauptgewerbe: 48,6 Milliarden Euro (nominal minus 1 Prozent zum Vorjahr)
  • Wohnungsbau (nominal zum Vorjahr): Umsatz minus 12,2 Prozent, Aufträge minus 5,1 Prozent,
  • Auftragseingänge insgesamt (nominal zum Vorjahr): Hochbau minus 3,0 Prozent, Tiefbau plus 8,3 Prozent

Politischer Weckruf gefordert

Die Zahlen müssten eigentlich ein Weckruf sein für die Politik, so Pakleppa. "Dass sich an dieser Misere nichts ändert, macht sie so besorgniserregend. Es muss jetzt endlich einen Ruck geben auf allen politischen Ebenen. Kommunen und Länder haben einen immensen Einfluss auf die Neubautätigkeit."

Als einen großen Kostentreiber bezeichnet Pakleppa die Bauordnungen mit ihren hohen Anforderungen. Auch schnellere Bebauungspläne und Baugenehmigungen könnten einen großen Unterschied machen für Bauwillige und Investoren.

"Wir warnen eindringlich vor den gesamtgesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Wohnungsknappheit", sagt Pakleppa weiter, Die Bundesregierung müsse endlich den Autopilotmodus abschalten und die Wohnungsbaukrise angehen.

Der Hauptgeschäftsführer des ZDV fordert unter anderem eine belastbare Zinsstütze für den EH 55-Standard für Bauwillige. Vereinfachte Anforderungen nach dem Vorbild des Gebäudetyp E seien wichtig. Außerdem müssten alle kostenintensiven Normen auf den Prüfstand kommen. "Wir sind überzeugt, dass diese Maßnahmen dem Wohnungsbau einen Schub geben würde", so Pakleppa.

Umsatzplus nur im Tiefbau

Die Umsatzentwicklung spiegelt die gemischte Auftragslage wider. Insgesamt erzielte das Bauhauptgewerbe einen Umsatz von ca. 48,6 Milliarden Euro, was einem Rückgang von ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im Hochbau sank der Umsatz um acht Prozent, wobei der Wohnungsbau mit minus zwölf Prozent besonders stark betroffen war. Der gewerbliche Hochbau verzeichnete ein Minus von 5,5 Prozent.

Der Tiefbau konnte seine Umsätze hingegen um gut sieben Prozent steigern, wobei der gewerbliche Tiefbau ein Plus von gut zehn Prozent und der öffentliche Tiefbau einen Zuwachs von fünf Prozent verzeichneten. dhz