Betriebsübergabe Schenkung an Kinder, Enkel und Urenkel: Das gilt bei der Steuer

Die Betriebsübertragung in der Familie ist nicht immer einfach. Hat das eigene Kind keine Lust auf die Übernahme des Handwerksbetriebs, kann es dazu kommen, dass erst der Enkel oder vielleicht sogar der Urenkel dazu bereit ist, in die Fußstapfen des Betriebsinhabers zu treten. Was schenkungssteuerlich bei Übertragungen auf Kinder, Enkel und Urenkel zu beachten ist.

Bernhard Köstler

Übertragung von Vermögen auf Kinder

Wird Vermögen zu Lebzeiten von den Eltern auf die Kinder übertragen, ist diese Schenkung grundsätzlich ein Fall für das Finanzamt. Doch bei der Ermittlung der Schenkungssteuern zieht das Finanzamt einen persönlichen Freibetrag ab. Dieser Freibetrag beträgt bei einer Schenkung an ein Kind 400.000 Euro je Elternteil.

Ist nur der Vater Inhaber eines Handwerksbetriebs und schenkt seiner Tochter einen Teil des Betriebs, kann er 400.000 Euro steuerfrei übertragen. Überträgt der Vater dagegen zuerst seiner Frau einen Teil seines Betriebs. Hier bleibt eine Schenkung in Höhe von 500.000 Euro schenkungssteuerfrei. Überträgt die Mutter dann ihren Anteil am Betrieb auf das Kind, können beide Elternteile jeweils 400.000 Euro steuerfrei an ihr Kind verschenken.

Praxis-Tipp: Bei einer solchen Kettenschenkung sollte immer ein Steuerberater eingeschaltet werden. Denn in den Verträgen darf nichts davon stehen, dass der Ehegatte sein geschenktes Vermögen an das Kind weiterschenken soll. Befindet sich eine solche Klausel im Schenkungsvertrag, würde das Finanzamt in diesem Fall die Zwischenschenkung an den Ehegatten nicht anerkennen.

Übertragung von Vermögen auf Enkel

Soll ein Enkel beschenkt werden und es ist entsprechend Vermögen vorhanden, wird es schon knapp mit dem Ziel, dass keine Schenkungssteuer entstehen soll. Denn für Schenkung von Oma und Opa an den Enkel beträgt der Schenkungssteuerfreibetrag nur noch jeweils 200.000 Euro.

Ein Freibetrag von 400.000 Euro je Großelternteil steht einem beschenkten Enkel nur dann zu, wenn dessen Elternteil bereits verstorben ist.

Übertragung von Vermögen auf Urenkel

Wird Vermögen auf einen Urenkel übertragen und das Finanzamt ermittelt die Schenkungssteuer, wird nur ein Schenkungssteuerfreibetrag von 100.000 Euro je schenkendem Ur-Großelternteil berücksichtigt.

Praxis-Tipp: Gegen diesen nur sehr niedrigen Schenkungssteuerfreibetrag klagten zwei Urenkel, die von ihren Ur-Großeltern ein Grundstück geschenkt bekommen haben. Doch der Bundesfinanzhof stellte klar, dass der Gesetzestext zu den Schenkungssteuerfreibeträgen wörtlich auszulegen ist. Und deshalb können Enkel und Urenkel schenkungssteuerlich nicht gleichbehandelt werden (BFH, Beschluss v. 27.7.2020, Az. II B 39/20; veröffentlicht am 22.10.2020).

Steuerberater frühzeitig einbeziehen

Soll der ganze Handwerksbetrieb oder privates Geld- und Immobilienvermögen auf die nächste, übernächste oder auf die überübernächste Generation übertragen werden, sollte die Rechnung nie ohne das Finanzamt gemacht werden. Das bedeutet im Klartext: Die Überlegungen zur Betriebsübertragung sollten stets von Beginn an mit einem Steuerberater besprochen werden. Dieser wird alternative Übertragungsvarianten gegenüberstellen und die schenkungssteuerlich günstigste Variante für die Beschenkten suchen und finden.