Die Gaslieferung durch die Pipeline Nord Stream 1 laufen wieder. Allerdings auf niedrigerem Niveau. Unterdessen hat sich Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hinter den Sanktionskurs der Bundesregierung gegen Russland gestellt.

Nach einer zehntägigen Wartung von Nord Stream 1 fließt wieder russisches Gas nach Deutschland. Dies teilte die Nord Stream AG in Lubmin mit. Ein Sprecher sagte, dass zuletzt etwa 67 Millionen Kubikmeter pro Tag angemeldet wurden. Dies entspreche etwa einer Auslastung von 40 Prozent. Die angekündigten Mengen könnten sich allerdings noch ändern. Zuvor war befürchtet worden, Russland könnte den Gashahn nach der Wartung gar nicht mehr öffnen.
Der Grund: Nach Russlands Angriff auf die Ukraine hatten westliche Staaten Sanktionen gegen Russland verhängt. Daraufhin hatte Russland seine Gaslieferungen in europäische Länder ganz oder teilweise zurückgefahren. So waren vor der Wartung von Nord Stream 1 nur noch rund 40 Prozent der maximalen Kapazität nach Deutschland geliefert worden. Begründet hatte Russland dies mit technischen Problemen bei Gasturbinen. Die Bundesregierung hatte dies aber als vorgeschobenes Argument angesehen. Sie arbeitet seit Monaten daran, die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.
Handwerk stellt sich hinter Sanktionskurs der Bundesregierung
Unterdessen hat sich Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hinter den Sanktionskurs der Bundesregierung gestellt. "Wir als Handwerk tragen die Entscheidungen der Bundesregierung ausdrücklich mit, gegen die brutale kriegerische Aggression Russlands massive Sanktionen zu verhängen", sagte er der Deutschen Presseagentur. "Das ist eine Frage der Haltung, das ist eine Frage der demokratischen Verantwortung – auch und gerade in dem Wissen, dass das für uns alle und auch im Handwerk mit erheblichen Einbußen verbunden sein wird. Dazu stehen wir als Handwerk insgesamt. Wir würden sonst auf Dauer erpressbar", betonte er. "Es geht um nicht weniger als die Verteidigung unserer Art des Wirtschaftens, Lebens und politischen Miteinanders. Hier darf es kein Wanken geben", fügte er hinzu.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte erklärt, Deutschland müsse im Krieg zwischen Russland und der Ukraine vermitteln und einwirken, "dass dieser Krieg eingefroren wird." Man brauche weiter russische Rohstoffe.
Wollseifer fordert Hilfen für betroffene Handwerksbetriebe
Wie Wollseifer weiter sagte, prallten die wirtschaftlichen Folgen des Krieges zum Teil mit großer Wucht auf Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten. Deswegen sei es so wichtig, dass die Bundesregierung alles ihr Mögliche tue, um die Auswirkungen des brutalen russischen Angriffskrieges und der Sanktionen gegen Russland so weit es geht abzufedern, und dass sie zielgerichtet Maßnahmen ergreifen, um den besonders betroffenen kleineren und mittleren Handwerksbetrieben unter die Arme zu greifen. "Dabei müssen Handwerk und Mittelstand genauso behandelt und unterstützt werden wie andere Wirtschaftsbereiche", forderte er.
Bisher sind die Gasspeicher hierzulande zu 65 Prozent gefüllt
Wieviel Gas in den nächsten Wochen und Monaten von Russland nach Deutschland geliefert wird, wird sich auf die schon in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Gaspreise und damit auf alle Gasabnehmer auswirken. Vom Umfang der Gaslieferungen wird auch abhängen, inwiefern Deutschland seine Gasspeicher wie geplant bis zum Herbst und Winter gefüllt bekommt oder es zu einer Gasmangellage kommt. Derzeit sind die Gasspeicher zu 65 Prozent gefüllt. Die Befüllung der Gasspeicher habe weiterhin höchste Priorität, teilte das Bundeswirtschaftsministerium in ihrem dritten Fortschrittsbericht Energiesicherheit mit.
Abhängigkeit von russischem Gas weiter reduziert
Wie es im Bericht weiter heißt, hat Deutschland die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen von früher rund 55 Prozent bis Ende Juni auf 26 Prozent verringert. Nicht zuletzt hängt dies auch mit der Drosselung der Liefermengen im Juni zusammen. Insgesamt rechnet das Ministerium damit, dass mit "kurzfristigen Anstrengungen" von Unternehmen und Privathaushalten zur Reduktion des Gaseinsatzes bis Ende des Jahres 2022 der Anteil russischer Gaslieferung am Gasverbrauch auf etwa 30 Prozent gesenkt werden kann.
Und weiter heißt es: "Die Unabhängigkeit von russischem Gas kann in einem gemeinsamen Kraftakt bis Sommer 2024 weitgehend erreicht werden." Dies setze aber zwingend Diversifizierung, Einsparungen, den schnelleren Hochlauf von Wasserstoff sowie den massiven Ausbau der Erneuerbaren voraus. Wichtig dafür ist insbesondere die Inbetriebnahme schwimmender Terminals für Flüssiggas (LNG) schon in diesem und im nächsten Jahr sowie der schnelle Ausbau eigener LNG-Terminals.
EU-Kommission fordert Gas-Einsparungen von 15 Prozent
Unterdessen hat auch die EU-Kommission ein Gas-Sparpaket vorgelegt. Die Mitgliedsstaaten sollen demnach ihre Gasnachfrage von August 2022 bis März 2023 freiwillig um 15 Prozent senken. "Russland benutzt Energie als Waffe", sagte Kommissions-Präsidenten Ursula von der Leyen. Sollten die Sparanstrengungen nicht reichen, kann die EU eine Gasreduktion verbindlich anordnen, heißt es aus Brüssel weiter. Mit Inhalten der dpa