InfoStream -

BMF-Schreiben Rückwirkende Rechnungsberichtigung: So retten Sie den Vorsteuerabzug

Mit einer rückwirkenden Rechnungsberichtigung können selbstständige Handwerker eine Vorsteuerkürzung und Nachforderungszinsen vermeiden. Das Bundesfinanzministerium hat nun in einem Schreiben die Voraussetzungen und Besonderheiten hierzu konkretisiert. Was Unternehmer beachten müssen.

Typische Szene bei einer Betriebsprüfung

Das Finanzamt führt bei einem selbstständigen Handwerker eine Umsatzsteuerprüfung für die Jahre 2015 bis 2017 durch. Im Jahr 2015 stößt das Finanzamt auf Eingangsrechnungen mit Beträgen von 30.000 Euro zuzüglich 5.700 Euro Umsatzsteuer. Diese Umsatzsteuer wurde dem Handwerker bereits 2015 als Vorsteuer erstattet. Das Problem: Der Prüfer stellt fest, dass in diesen Rechnungen die Steuernummer des Rechnungsausstellers fehlt. Ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften zum Vorsteuerabzug. Folge: Das Finanzamt fordert mit Änderungsbescheid im September 2020 die Vorsteuer in Höhe von 5.700 Euro zurück. Doch damit nicht genug: Im Steuerbescheid werden zusätzlich Nachforderungszinsen in Höhe von 1.197 Euro gefordert.

Nachzahlungszinsen ade

Doch die Themen Vorsteuerkürzung und Nachzahlungszinsen sind vom Tisch, wenn ein selbstständiger Handwerker dem Umsatzsteuerprüfer noch während der Prüfung oder im Einspruchsverfahren gegen den geänderten Umsatzsteuerbescheid berichtigte Eingangsrechnungen – hier eben mit der Steuernummer des Rechnungsausstellers – vorlegen kann. Hier greifen die Regelungen zur rückwirkenden Rechnungsberichtigung (BMF, Schreiben v. 18.9.2020, Az. III C 2 – S 7286-a/19/10001:001). Durch die Vorlage der berichtigten Rechnung muss der Prüfer die Finger von der Rechnung nehmen und alles auf sich beruhen lassen. Die Vorsteuerkürzung ist also kein Thema mehr.

Fehlerhafte Rechnung muss Mindestvoraussetzungen erfüllen

Damit ein Unternehmer bei fehlerhaften Rechnungen in den Genuss der rückwirkenden Rechnungsberichtigung kommt, muss diese ursprüngliche Rechnung jedoch Mindestangaben enthalten. Sind diese nicht enthalten, handelt es sich bei der Vorlage der „berichtigten“ Rechnung um eine Erstrechnung und eine rückwirkende Rechnungsberichtigung scheidet aus.

Folgende Mindestangaben muss eine Rechnung enthalten, damit ein Unternehmer eine rückwirkende Rechnungsberichtigung durchführen kann:

  • Name und Anschrift des leistenden Unternehmers
  • Name und Anschrift des Leistungsempfängers
  • eine aussagekräftige Leistungsbeschreibung
  • das Entgelt (= Nettorechnungsbetrag)
  • die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer

Beispiel: Das Finanzamt stößt bei der Prüfung eines Handwerksbetriebs im Prüfungsjahr 2015 auf eine fehlerhafte Eingangsrechnung in Höhe von 30.000 Euro zuzüglich 5.700 Euro Umsatzsteuer. Fehlerhaft ist die Rechnung, weil sie keine aussagekräftige Leistungsbeschreibung enthält („sonstige Arbeiten“). Das Finanzamt kippt den Vorsteuerabzug und fordert Nachzahlungszinsen. Der Handwerker legt im Einspruchsverfahren eine berichtigte Rechnung vor – mit aussagekräftiger Leistungsbeschreibung – und beantragt die rückwirkende Rechnungsberichtigung.

Folge: Das Finanzamt wird den Antrag auf rückwirkende Rechnungsberichtigung ablehnen, weil die Rechnung nicht die geforderten Mindestangaben erfüllt hat. Es fehlte der ursprünglichen Rechnung eine aussagekräftige Leistungsbeschreibung. Deshalb handelt es sich bei der neuen Rechnung nicht um eine Berichtigung, sondern um eine Erstrechnung.

Verhaltensknigge für Unternehmer

Um Ärger mit dem Finanzamt beim Vorsteuerabzug zu vermeiden, sollten Unternehmer Eingangsrechnungen mit ausgewiesener Umsatzsteuer auf die Vorgaben zum Vorsteuerabzug (Voraussetzungen siehe § 14 Abs. 4 UStG) abklopfen. Am besten nach dem Vier-Augen-Prinzip. Das bedeutet: Mindestens zwei Mitarbeiter schauen sich die Rechnungen an. Gezahlt wird erst, wenn eine Rechnung vorliegt, die alle Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug erfüllt.

Praxis-Tipp: Findet das Finanzamt dennoch Mängel und möchte den Vorsteuerabzug kürzen, verweisen Sie auf das aktuelle Schreiben des Bundesfinanzministeriums, legen eine berichtigte Rechnung vor und pochen auf die rückwirkende Rechnungsberichtigung.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten