Abgas-Skandal Rückruf und Umrüstung: Das erwartet VW-Besitzer

Volkswagen steht vor einer riesigen Rückruf-Aktion: Millionen VW-Fahrzeuge sollen nach dem Abgas-Skandal in die Werkstätten. Worauf Betroffene sich einstellen müssen.

Volkswagen hat die Abgaswerte der Autos in den USA manipuliert. Auch in Europa soll der Konzern an den Werten der Dieselfahrzeuge geschraubt haben. - © Foto: dpa / Julian Stratenschulte

Weltweit wird in den VW-Werkstätten im kommenden Jahr Hochbetrieb herrschen. Wegen des Skandals um manipulierte Abgastests müssen geschätzt elf Millionen Autos überholt werden. Die Zahl wird sich wohl noch erhöhen: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, habe der Konzern nicht nur Abgaswerte in den USA gefälscht – europaweit sollen Manipulationen stattgefunden haben, um die EU-Abgasnormen zu erfüllen.

Rückruf startet im Januar 2016

Laut Plan sollen im Januar 2016 die ersten Autos in die Werkstätten, kündigte VW-Chef Matthias Müller in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. Bis Ende 2016 sollen dann alle betroffenen Autos überholt sein. VW könnte dafür sogar spezielle Werkstätten auf Zeit einrichten. Müller schloss aber auch nicht aus, manche Autos komplett auszutauschen, anstatt sie umzurüsten.

Das soll sich bei VW-Motoren ändern

Es geht bei den Nachbesserungen nicht nur um die Manipulations-Software. Für die meisten Motoren genüge es zwar, wenn ein neues Programm aufgespielt werde, sagte Müller. Manche Autos könnten aber auch neue Einspritzdüsen und Katalysatoren bekommen.

Die Umrüstung sei auch deshalb kompliziert, weil der betroffene Motortyp EA 189 in zahlreichen Kombinationen und Ländervarianten verbaut ist. Motorenexperte Prof. Jörn Getzlaff von der Hochschule Zwickau hält es aber für möglich, dass Volkswagen keine komplett neue Technik entwickeln muss: "Es kann durchaus sein, dass VW auf eine Lösung zurückgreift, die der Konzern schon heute in seine neue Motorengeneration einbaut." Diese neuen Aggregate erfüllen die strengeren Umweltauflagen der Euro-6-Norm.

Leistung und Verbrauch können sich verändern

Es ist möglich, dass die Fahrzeuge sauberer werden. Durch die Umrüstung könnten sich die Leistung und der Spritverbrauch ändern, sagt Getzlaff. Es müsse aber nicht unbedingt so sein, dass das Auto dann langsamer wird und mehr verbraucht. VW-Chef Müller sagte, es sei wichtiger, "das CO2-Ziel zu halten und dafür vielleicht auf drei bis fünf km/h Höchstgeschwindigkeit zu verzichten".

Händler müssen Autos eventuell zurücknehmen

Autokäufer müssten sich vermutlich zunächst mit dem Verkäufer des Autos streiten – in den meisten Fällen also mit dem Händler, nicht mit dem VW-Konzern, erklärt Thomas Rüfner, Rechtsprofessor an der Universität Trier. Es sei möglich, dass der Händler Autos zurücknehmen müsse.  

Dafür müssten aber erhebliche Mängel vorliegen, zum Beispiel dass das Auto nach der Umrüstung deutlich langsamer fährt oder viel mehr Sprit verbraucht. Der Kauf darf auch nicht länger als zwei Jahre zurückliegen. "Der Autokäufer würde vermutlich den kompletten Kaufpreis zurückbekommen, müsste aber wohl nachträglich für die Nutzung des Autos zahlen", sagt Rüfner. Wenn sich die Fahreigenschaften des Autos nur in geringem Maße ändern, könne aber der Kaufpreis gemindert werden.

Klage gegen VW: "vorsätzliche sittenwidrige Schädigung"

Eine VW-Kundin, die ihr Auto im Jahr 2010 gekauft hat, hat Klage direkt gegen den VW-Konzern eingereicht, unter anderem wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung. Die Frau sehe sich in ihrer Erwartung enttäuscht, ökologisch unterwegs zu sein, teilte ihr Anwalt mit. Ein VW-Sprecher wollte sich zu der Klage zunächst nicht äußern, der Vorgang sei ihm nicht bekannt.

Leihwagen noch nicht in Aussicht

Ob VW während der Dauer des Umrüstens betroffenen Kunden einen Leihwagen zur Verfügung stellt, hat der Konzern bislang nicht kommentiert. Autohersteller sind dazu jedenfalls nicht gesetzlich verpflichtet, sagt Gabriele Emmrich von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Andere Autohersteller wie Toyota hatten einen solchen Service bei Rückrufen in der Vergangenheit schon angeboten, allerdings ging es da um weniger Autos als bei Volkswagen. Emmrich zufolge stellen Händler und Hersteller nur in Ausnahmefällen ein Leihauto zur Verfügung. dpa /dhz