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Versicherungsschutz Richtig versichert beim Firmensport: Das gilt rechtlich

Ob Lauftreff oder Fußballturnier unter Kollegen: Firmensport liegt im Trend. Doch wer haftet eigentlich, wenn sich ein Mitarbeiter dabei verletzt?

Sport fördert den Teamgeist und wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus. Immer mehr Firmen nehmen daher an einem Firmenlauf teil, veranstalten betriebsinterne Lauftreffs oder organisieren ein Fußballturnier unter Kollegen. Die Kehrseite ist, dass die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit dadurch immer weiter verschwimmen. Und das wirft Haftungsfragen auf – nämlich dann, wenn sich ein Mitarbeiter beim Sport mit den Kollegen verletzt.

Prinzipiell kommt die gesetzliche Unfallversicherung für die Kosten auf, wenn beim Ausüben der beruflichen Tätigkeit, aber auch auf dem Weg zur Arbeit und zurück, ein Unfall passiert. Die Berufsgenossenschaft unterstützt dann bei der medizinischen Versorgung und auch bei einer eventuell notwendigen Rehabilitation. Bei einem Firmenlauf oder einem anderen sportlichen Event ist die Situation jedoch nicht ganz so eindeutig: "Eine klare Abgrenzung zwischen betrieblicher Veranstaltung und reinem Freizeitvergnügen ist oft schwierig", sagt Stefanie Thon, Unfallexpertin bei der Ideal Versicherung. Regelmäßig lehnen die Gerichte eine Anerkennung als Arbeitsunfall ab, vor allem wenn sich Veranstaltungen nur an sehr wenige sportbegeisterte Angestellte richten oder die Teilnahme an einem Firmenlauf auf einer rein privaten Initiative unter Kollegen basiert.

Wettkampfzweck darf nicht im Vordergrund stehen

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Veranstaltung allen Beschäftigten offenstehen und als betriebliches Gemeinschaftserlebnis kommuniziert werden muss, um als beruflich veranlasst zu gelten und von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt zu werden. Ganz nach dem Motto "Dabeisein ist alles“, darf dabei dann auch nicht der Wettkampfzweck im Vordergrund stehen. "Wenn es sich beispielsweise um einen Halbmarathon oder Marathon handelt, werden diese sicherlich nicht als betriebliche Gemeinschaftsveranstaltungen anerkannt", sagt Unfallexpertin Thon.

Ähnlich sieht es bei Fußballturnieren aus: "Da auch hier der Wettkampfcharakter eindeutig im Vordergrund steht, besteht kein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz." Zumal gerade im Fußball die Wettkampfsituation dazu führe, dass das Verletzungsrisiko erheblich steigt. Und das ist sicherlich keinesfalls im Interesse des Betriebes. "Teilnehmer solcher Veranstaltungen sollten sich daher durch eine private Unfallversicherung und Privathaftpflichtversicherung absichern", sagt Thon.

Klarer organisatorischer Bezug zum Unternehmen nötig

Ob man auch beim gemeinsamen Training mit den Kollegen durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert ist, ist wiederum davon abhängig, ob es sich eindeutig um Betriebssport handelt. Dafür gelten einige Voraussetzungen: So muss der Sport beispielsweise als Ausgleich für meist einseitige Belastungen am Arbeitsplatz dienen. Wer viel sitzt, sollte sich also bewegen, wer viel Stress hat, braucht dagegen möglicherweise eher eine Entspannungstechnik. "Wichtig ist neben der Regelmäßigkeit des Angebotes vor allem ein klarer organisatorischer Bezug zum Unternehmen", sagt Thon. So kann der Arbeitgeber etwa Räumlichkeiten zur Verfügung stellen oder feste Zeiten vorgeben.

Daneben müssen die Teilnehmer Beschäftigte des Betriebes sein, so Thon. "Verabreden sich dagegen einige Kollegen rein privat zum Laufen nach Feierabend, handelt es sich nicht um ein betriebssportliches Angebot."

Betriebssport hat in Deutschland eine lange Tradition

Körperliche Ertüchtigung hat in deutschen Unternehmen eine lange Tradition. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Fußballvereine, in denen sich die Arbeiter nach Feierabend zum Kicken trafen – bekanntestes Beispiel ist der heutige Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen. Auch bei den Vorgängerunternehmen der heutigen ThyssenKrupp Steel Europe AG, also den Stahlbereichen von Thyssen, Krupp und Hoesch , legte die Firmenleitung Wert auf Sport und Bewegung: Im Hoesch Park in Dortmund beispielsweise stand Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Schwimmbad und Sportanlagen exklusiv für die Mitarbeiter bereit. Die Gründung von Betriebssportvereinen und der Bau werkseigener Sportanlagen geschahen im gleichen Zeitgeist, wie der Bau von Wohnanlagen, Erholungsheimen und Bibliotheken. Ziel war es, dass die Mitarbeiter sich als Teil einer Firmenfamilie fühlen sollten – gemeinsamer Sport war da eine Selbstverständlichkeit

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