Malermeister Andreas Wittich ist Experte für Oberflächen Reparaturen mit Tiefenwirkung

Malermeister Andreas Wittich aus Regensburg bessert auf großen Yachten Beschädigungen in Oberflächen aus – ein Job, an den sich nur wenige herantrauen.

Frank Muck

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    Gefühl für Oberflächen: Andreas Wittichs Spezialität ist es, schnell und wirksam eine Macke reparieren zu können. Am Ende darf es eben nicht oberflächlich aussehen.
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    Ausnahmsweise Eigenwerbung: Christian Friedl (links) und Mehmedalija Jasarevic bei der Anfertigung eines Werbebanners in der Werkstatt.
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    Notfall­koffer: Hier ist alles drin, was Andreas Wittich für einen spontanen Einsatz auf einem großen Boot braucht.

Wer zu Wittich Design will, muss unter Umständen ein wenig suchen. Die Kreativwerkstatt liegt am Ende einer Hofeinfahrt eines Industriebetriebs für Getriebetechnik im Gewerbegebiet im Osten Regensburgs. Nicht ganz einfach zu finden. Auch weil Andreas Wittich auf Firmenschilder verzichtet hat. Der Betrieb liegt praktisch in einer Nische und präsentiert sich so wie es seinem Angebot entspricht: unauffällig. Obwohl auch Werbemittel dazugehören. Das Besondere allerdings, von dem die Kunden nur durch Empfehlung mitbekommen, ist Touch up – die Reparatur von beschädigten Oberflächen. Wittich ist so eine Art Nothelfer für Schäden, an deren Reparatur andere scheitern.

"Die meisten scheitern daran, dass sie nicht wissen, was sie mit dem Material ­machen müssen."

Auf großen Schiffen – Yachten und Kreuzfahrer – nimmt er sich den Kratzern, Macken und Dellen an, die Gäste, Gastgeber und Personal mal mehr oder weniger unfreiwillig in Türen, Böden, Schränke oder die sonstige Einrichtung der Schiffe geschlagen haben. Ist zum Beispiel aus einem Tisch aus Steingut ein Stück herausgebrochen, gibt Wittich dem Möbel sein ursprüngliches unversehrtes Aussehen zurück. Klingt unspektakulär, ist aber zuweilen ein sehr verzwicktes Unterfangen, denn Wittich muss Materialien und Designs so exakt nachempfinden, dass am Ende nicht mal mehr der Besitzer sagen kann, wo die Beschädigung war.

Die meist sehr vermögenden Inhaber der Superyachten bestehen auf eine Reparatur, die zumindest dem Anschein nach dem Original entspricht. Zur Herausforderung wird sowas, wenn das Material selbst exotisch ist – eine Tischoberfläche aus Fischhaut zum Beispiel. "Da muss man sich dann schon sicher sein, dass man das ausbessern kann", sagt Wittich. Seine Stärke ist es, tatsächlich jede Oberfläche imitieren zu können. Macken repariert er mit selbst entwickelten Füllstoffen. Wenn sich kein anderer traut, Wittich traut sich und schafft es dann auch.

Für Wittich ist der Fall klar: "Die meisten scheitern daran, dass sie nicht wissen, was sie mit dem Material machen müssen", erläutert der Inhaber. Einfach nur etwas auffüllen reiche ja nicht. Man muss die Tiefenwirkung des benutzten Materials nachempfinden.

Riesenarsenal an Farben für jede Art von Oberfläche

Eine kleine Episode illustriert anschaulich, wie speziell und anscheinend auch einmalig Wittichs Fähigkeiten sind. Auf der längsten Yacht der Welt, der Azzam, etwa hat er die Vergoldung der Lampenschale eines Swarowsky-Deckenleuchters repariert. Die Vergolder waren vorher an dieser Aufgabe gescheitert.

Wittich hat für solche Probleme ein Riesenarsenal an Farben, die er nach Bedarf so mischt, dass er etwa eine Metalloberfläche originalgetreu kopieren kann. Der richtige Farbton gibt dabei jedoch nicht allein den Ausschlag. Manchmal kommt es auch auf den Farbauftrag an.

Bei allem Erfolg, den Wittich hat, gehört ein Reparaturservice natürlich nicht zum Standardrepertoire eines Maler- und Lackierermeisters. Wie also kommt jemand wie Wittich an diese Art von Aufträgen? Sein Auskommen verdient er auf drei verschiedenen Geschäftsfeldern. Und alles kein Standard. Bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist Wittich Dozent für Fahrzeuglackierer und Maler. Bis zum Jahr 2006 betreute er die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung sogar mehr oder weniger alleine.

Nebenbei ist er Fachmann für Werbedesign für zum Beispiel Webseiten und Fahrzeugbeschriftungen. Vor einigen Jahren kam das Touch up dazu. Sein Spezialgebiet war immer schon die Behandlung von Sonder­oberflächen, mit der viele andere ihre Schwierigkeiten haben. So konnte er sich auch das Know-how für die Oberflächenreparaturen erwerben.

Man lernt mit jeder neuen Oberfläche dazu

Sein Faible für Macken nahm auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Bella seinen Anfang. Dort hatte er vor zehn Jahren den Auftrag, das Theater mit zu vergolden. 2010 erinnerte sich die Reederei seiner und beauftragte ihn mit der Beseitigung eines groben Kratzers an einem Hochglanzelement im Fitnessstudio. Seitdem wird er regelmäßig für diese Notdienste gebucht.

Bleibt die Frage: Was macht Wittich besser als die anderen? Auch für den Maler ist diese Frage nicht einfach zu beantworten, aber ihn zeichne nun mal das richtige Fingerspitzengefühl bei der Erledigung dieser Aufträge aus. Außerdem ist jeder Schaden eine neue Herausforderung. "Man lernt mit jeder neuen Oberfläche dazu", sagt Wittich. Den Großteil des Know-hows im Umgang mit den richtigen Materialien und Farben habe er aber durch den fachpraktischen Teil seines Dozentenjobs erworben.

Die Liebe zum Beruf hat Wittich von Großvater und Vater mitbekommen. "Ich habe im Malerbetrieb meines Vaters den klassischen Einblick ins Gewerbe bekommen", erzählt er. Während dieser sich eher dem Denkmalschutz und der Restaurierung gewidmet hat, geht es ihm darum, die handwerklichen Fähigkeiten auf technischer Ebene umzusetzen, also in Arbeitsbereichen, die verstärkt elek­tronisch arbeiten.

Aufträge kommen unerwartet und wollen schnell erledigt sein

Das Touch up ist dabei nicht nur für den souveränen Umgang mit Material von Nutzen. Es bringt auch viel Geld. "Der Notdienst ist gut bezahlt und genießt eine hohe Wertschätzung", sagt Wittich, der aber nicht nur finanziell profitiert. Einsätze auf Yachten und Kreuzfahrtschiffen ziehen Reisen in fremde, exotische Länder nach sich. 2014 wurde er für Arbeiten auf einer Yacht nach Rio de Janeiro eingeflogen. Nachdem er sich im Maracana-Stadion das Endspiel der Fußball-WM angeschaut hat, fuhr Wittich auf der Yacht bis nach Europa mit, um dort die Kratzer auf den Oberflächen und Fußböden zu reparieren.

Man merkt: Für den Job muss man flexibel sein. Die Aufträge kommen unerwartet und sollen natürlich immer schnell erledigt werden. Wie zum Beweis bekommt Wittich während unseres Gesprächs ein telefonisches Angebot für Reparaturen auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa in Hamburg – für das darauffolgende Wochenende.

Die Umfänge der Aufträge stellt aber auch Andreas Wittich vor neue Herausforderungen. Auf einer der aktuell größten Privatyachten, die 2016 fertiggestellt wurde, hat er beispielsweise 1.500 Schäden in acht Wochen abgearbeitet. Für Abrechnung und Qualitätskontrolle ist es jedoch wichtig, den Überblick zu behalten. Mit seinem Team hat er deshalb eine App entwickelt, die auf einfache Weise alle Fälle dokumentieren soll.

Langgehegter Traum: ­Cocktailbar in Barcelona

Inwieweit das Geschäft noch ausbaufähig ist, kann Wittich nicht sagen. Klar ist eins: Die Qualität der Arbeit darf nicht leiden. Die Anzahl der Aufträge werde deshalb nicht endlos ausgeweitet. Seine Tochter Andrea Wittich ist bereits voll ins Geschäft mit eingebunden. Dennoch sind ihr die handwerklichen Grundlagen weiterhin wichtig. Im kommenden Jahr beginnt sie deswegen den Maler- und Lackierermeister.

Falls sie den Betrieb irgendwann übernehmen sollte, hat Andreas Wittich einen Plan – einen langgehegten Traum, den er sich später vielleicht erfüllen möchte: eine Cocktailbar in Barcelona. Das wird dann aber wohl eher keine Nische sein.