Der Orthopädietechnikermeister Markus Rehm sorgt für eine Sensation. Bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Ulm wird Rehm Deutscher Meister im Weitsprung - und das mit einer Unterschenkelprothese. Jetzt kocht die Debatte ums "Techno-Doping" hoch.
Burkhard Riering
Markus Rehm konnte auch am späten Samstagabend als Gast im "Aktuellen Sportstudio" seinen Erfolg noch gar nicht richtig fassen. "Ich wusste, dass ich gut drauf bin, aber 8,24 Meter habe ich nicht erwartet", sagte der beinamputierte Weitspringer.
Rehm hat am Samstag nachmittag bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Ulm Sportgeschichte geschrieben. Er ist der erste und einzige Deutsche, der mit einer Behinderung bei den Nichtbehinderten angetreten und gleich Deutscher Meister geworden ist. 8,24 Meter schaffte der Paralympics-Star und ließ die Konkurrenz hinter sich. Um fast einen Meter hat er sich seit den Paralympics vor zwei Jahren verbessert. Damit wäre Rehm auch für die anstehende Europameisterschaft in Zürich im August qualifiziert.
Hitzige Debatte ums "Techno-Doping"
Doch dazu müssen die Verbände erst einmal ihr Okay geben. Denn seine Prothese ist Stoff für viele Diskussionen unter den Gelehrten. Die Frage lautet, ob Rehm - gelernter Orthopädietechnikermeister - mit einer Prothese einen Vorteil gegenüber den anderen hat. Befördert seine Prothese seine Sprungkraft? Diese Debatte wird in den kommenden Tagen wohl noch heftiger geführt. Biomechaniker haben Rehm am Samstag auf der Bahn gefilmt und analysieren die Bilder nun. Rehm rechnet nach eigener Aussage damit, dass sich die Verbände sehr schnell entscheiden werden. Bis da gilt sein Titel als vorläufig.
Die gleiche Debatte gab es bereits bei dem südafrikanischen Athleten Oscar Pistorius, als er bei den Olympischen Spielen 2012 in London antrat. Zuvor hatte sich Pistorius, der zwei Unterschenkelprothesen trägt, gerichtlich durchgesetzt. Ihm konnten keine direkten Vorteile nachgewiesen werden.

Handwerker und Sportstar
Rehm hat im Alter von 14 Jahren sein rechtes unteres Beim bei einem Wakeboard-Unfall verloren, als ihn das Boot überfuhr. Über seinen Orthopädietechniker kam Rehm zu dem Beruf, heute ist er mit 25 Jahren Orthopädietechnikermeister. Nebenbei betrieb er früh Leistungssport und konzentrierte sich auf Weitsprung.
Rehm engagiert sich auch im Bundesinnungsverband Orthopädietechnik.
