Kritik an längerer Gewährleistung nach Reparaturen Recht auf Reparatur: Noch viel Theorie statt Praxis

Reparaturen gehören eigentlich zum Kerngeschäft von Elektro Lamparter. Doch es werden immer weniger. Obwohl seit kurzem ein Recht auf Reparatur beschlossene Sache ist, bedeutet das für die Praxis noch nicht viel. Wie das Reparaturgeschäft tatsächlich abläuft.

Reparatur einer Waschmaschine
Reparaturen müssen sich auch finanziell lohnen – für Betriebe und Verbraucher – damit sie genutzt werden. - © industrieblick - stock.adobe.com

Verbraucher sollen künftig ein Recht auf Reparatur bekommen – zumindest bei einigen Produkten wie Waschmaschinen und Smartphones. Darauf haben sich erst kürzlich Unterhändler des EU-Parlaments und der EU-Staaten geeinigt. Neben einem Rechtsanspruch auf Reparatur soll das Gesetz auch für eine bessere und vor allem günstigere Verfügbarkeit von Ersatzteilen sorgen. Reparaturen sollen sich mehr lohnen. Doch die Ersatzteile sind aus Sicht von Nadine Gresz-Lamparter gar nicht das größte Hemmnis der Reparaturen. Vielmehr sind es die Preise und die Qualität vieler Geräte – die oft kritisierte und dennoch vorherrschende Wegwerfmentalität.

Nadine Gresz-Lamparter führt gemeinsam mit ihrem Ehemann den Elektrobetrieb Elektro Lamparter im oberschwäbischen Blaustein. Reparaturen gehören zu ihrem Alltagsgeschäft. Doch das Reparaturgeschäft nimmt deutlich ab – auch bei großen und vergleichsweise teuren Elektrogeräten wie Waschmaschinen und Fernsehern. Weniger Kunden fragen die Dienstleistung nach und auch der Handwerksbetrieb selbst schraubt dieses Geschäft gezwungenermaßen herunter. Aus Sicht der Unternehmerfrau wird sich das auch durch die neue Gesetzesinitiative der EU nicht ändern – im Gegenteil.

Für mehr Reparaturen: Nicht nur Ersatzteilkosten ein Problem

"Geräte zu reparieren, statt sie wegzuwerfen, ist im Prinzip sinnvoll. Aber das Geschäft damit lohnt sich nicht", sagt sie. Zwar bekommt Nadine Gresz-Lamparter von den Herstellern, deren Geräte sie verkauft, Ersatzteile auf Anfrage zugesendet und das auch zu einigermaßen akzeptablen Preisen. Das Problem liegt aber in den hohen Kosten, die beim Reparieren selbst anfallen. Erst muss der Fehler gefunden und dann das Gerät zerlegt werden. Da gehen schon mal ein oder zwei Stunden drauf, zusätzlich zur Reparatur. Wenn dann Stundenlöhne für einen Fachhandwerker abgerechnet werden sollen, seien viele Kunden nicht mehr dazu bereit, sagt sie. Doch der Betrieb kann es sich selbstverständlich auch nicht erlauben, gratis zu arbeiten.

"Das Problem sind die niedrigen Preise der Elektrogeräte und dass sie einfach auch nicht mehr lange halten", sagt Nadine Gresz-Lamparter. Wenn man für 300 oder 400 Euro schon eine neue Waschmaschine bekommt, lässt keiner die alte reparieren – egal, wie lang oder kurz die neue hält. Zwar setzen die Regelungen auf EU-Ebene zur Förderung einer besseren Reparierbarkeit auch an den Produkten selbst an, doch bis sich dies am Markt zeigt, vergehen voraussichtlich noch viele Jahre. So gibt es mittlerweile Vorschriften, die besagen, dass Geräte nicht mehr so ineinander verklebt werden dürfen, dass Einzelteile, wie etwa Akkus, nicht tauschbar sind. Es gibt Vorgaben, dass die Software nicht so programmiert sein darf, dass sie Reparaturen verhindert. Und auch eine Kennzeichnung von besonders gut reparablen Geräten ist in der Diskussion. Gelten kann dies aber nur für neue Geräte, die erst gebaut werden – und nicht für die, die derzeit zur Reparatur anfallen.

Gewährleistungsfrist nach der Reparatur verlängern: Aufwand für Betriebe

Um den Reparaturmarkt dennoch jetzt schon anzukurbeln, gibt es in Deutschland bereits einige staatliche Initiativen. So können Bürger in Thüringen und Sachsen schon seit einigen Jahren einen Reparaturbonus als staatlichen Zuschuss beantragen. Nadine Gresz-Lamparter bewertet auch diesen Ansatz als positiv. Aber: "Uns fehlen die Fachkräfte, um wirklich deutlich mehr Reparaturen auszuführen", gibt sie zu bedenken.

Um mehr Betriebe dazu zu motivieren, wieder in das Reparaturgeschäft einzusteigen, weist sie auf die Hersteller der Elektrogeräte hin, die dann deutlich mehr in die Zusammenarbeit mit den Betrieben investieren müssten. Das betrifft besonders den Ansatz, dass es Teil des neuen Gesetzes sein soll, die Gewährleistungsfrist nach einer Reparatur um ein Jahr zu verlängern. Schon kurz nachdem dieses Detail öffentlich wurde, hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) dazu Bedenken geäußert. So sei diese Verlängerung kontraproduktiv zur Ausweitung des Reparaturmarkts. Sie sei mit Rechtsunsicherheit für Reparaturbetriebe verbunden, weil sie Rückgriffsansprüche gegen die Hersteller häufig nur schwer durchsetzen können, teilte der Verband mit.

Rechtsanspruch auf Reparatur alleine reicht nicht

Nadine Gresz-Lamparter bestätigt, dass es aktuell im Prinzip so sei, dass die Kunden bei Problemen zu ihr als Verkäuferin kommen, obwohl sie sich rein rechtlich gesehen mit Gewährleistungsansprüchen an den Hersteller direkt wenden müssten. "Wir übernehmen das dann häufig für die Kunden und kontaktieren den Kundendienst der Hersteller. Wenn der Aufwand hierbei aber deutlich steigt, ist das nicht mehr zu leisten", sagt sie klar. Aus ihrer Sicht müssten die Hersteller ihren Service verbessern bzw. sogar eine Pflicht dazu bekommen, damit die Kunden dort direkte Ansprechpartner haben. "Oder sie müssen uns als Elektrobetrieb, der sich um alles kümmert, eine Servicepauschale bezahlen", schlägt sie vor.

Noch ist das Recht auf Reparatur auf EU-Ebene nicht abschließend beschlossen und bis zur Umsetzung in Deutschland wird es auch noch dauern. Auf dem Weg zu mehr reparierten Elektrogeräten ist der Rechtsanspruch nur einer von vielen Ansätzen – wenn auch ein grundlegender. Dennoch gehört mehr als nur ein Gesetz dazu – und auch ein gesellschaftlicher Wandel. "Die Leute müssen bereit sein, wieder auf mehr Qualität zu setzen und dafür auch zu bezahlen", sagt Nadine Gresz-Lamparter. Die Reparierbarkeit von Geräten sollte ein Qualitätsmerkmal sein. Damit Verbraucher auch wissen, wo sie jemanden finden können, der ihre Geräte repariert, soll es künftig auch eine neue Plattform geben, die Informationen über Reparaturdienstleistern zusammenfasst.