Gestalter im Handwerk Raumausstattermeister nimmt andere Perspektiven ein

Sebastian Riedel misst Wachstum nicht am Umsatz. Die Ausbildung zum Gestalter im Handwerk hat seine Sicht auf die Dinge verändert.

Raumausstattermeister Sebastian Riedel
Raumausstattermeister Sebastian Riedel arbeitet mit den Schwerpunkten Polsterei und Wandbespannungen. Außerdem bietet er Farbberatung für Raumkonzepte an. - © privat

Sebastian Riedel ist momentan schwer erreichbar. Jeden Morgen bekommt er sein Smartphone abgenommen wegen des Fotoverbots bei seinem Auftraggeber. Dass der Raumausstattermeister Interieur für eine Edelmarke der Automobilbranche polstern und kaschieren darf, kommt nicht von ungefähr. Der 32-Jährige aus Obercrinitz in Westsachsen gilt als kreativer Kopf. "Für mich gehört Sorgfalt zum obersten Gebot – bei meinem eigenen Tun, gegenüber dem Material und gegenüber der Kundschaft", betont Riedel.

Austausch unter den Gewerken

Das Fundament für seine Einstellung zum Beruf wurde während der Fortbildung zum Gestalter im Handwerk bei der Handwerkskammer Chemnitz gelegt. Aus dem Austausch mit Dozenten und Absolventen anderer Gewerke zog Sebastian Riedel eine grundlegende Erkenntnis: wie wichtig es ist, andere Perspektiven einzunehmen. "Davon kann ich im Beruf wie im privaten Leben profitieren", so Riedel.

Für die Abschlussarbeit seines Teilzeitkurses zum Thema Freiraum vollzog er den Perspektivwechsel. Als passionierter Skifahrer entwickelte er einen Sport- und Nierengurt mit seitlichen Taschen als Aufnahme für die Skistöcke. So wird der Gurt zur Sitzgelegenheit, wo immer eine kleine Pause willkommen ist. Den Gurt hat sich Riedel als Gebrauchsmuster schützen lassen, dessen Namen dem heimischen Dialekt entlehnt. "De Hiddsch" steht dort für eine kleine Bank, die man überall mit hinnehmen kann.

Über Umwege zum Handwerk

Zum Handwerk ist Sebastian Riedel über Umwege gekommen. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre zum Industrie­mechaniker. Doch die Arbeit erschien ihm schon während der Ausbildung zu eintönig. Viel lieber arbeitete er in der Werkstatt seines Vaters mit. Dort fand er jene Abwechslung, die er sich immer für seinen beruflichen Alltag ge­­wünscht hatte. Vielseitigkeit statt Monotonie, intellektuellen Anspruch statt stupides Montieren, direkten Kontakt zu den Kunden.

Deshalb entschied sich Riedel für eine gewerkeübergreifende Fortbildung im gestalterischen Bereich, die auch sein Vater schon absolviert hatte. "Im Nachhinein betrachtet war das genau die richtige Entscheidung", sagt Riedel, denn die Ausbildung habe seine Sicht auf die Dinge maßgeblich beeinflusst. Er praktiziere seither eine andere Herangehensweise als viele konventionelle Be­­triebe – zunächst nur im Nebengewerbe, seit dem Meisterabschluss mit eigener Werkstatt.

Schwerer als der Profit wiegt für ihn die persönliche Zufriedenheit im Job. "Natürlich muss auch die Wirtschaftlichkeit stimmen, aber das darf nicht das einzige Kriterium für den beruflichen Erfolg sein", sagt Riedel. Wachstum definiert er für sich nicht in Umsatzzahlen oder Gewinnmargen. Wachsen soll die Qualität seiner Aufträge und das Kundenklientel – nicht zuletzt möchte er als Persönlichkeit wachsen.