Neue Pflichten 2027 QR-Code statt Blackbox: Der Batteriepass kommt

CO₂-Fußabdruck, Herkunft, Recycling-Infos: Künftig liefert ein QR-Code alle relevanten Daten zu Batterien in E-Autos, E-Bikes und größeren Industriebatterien. Kfz-Gewerbe und Elektrohandwerk sehen darin trotz Mehraufwand Vorteile – von effizienterer Reparatur bis zur Profilierung im Bereich Nachhaltigkeit.

Vom Band in den Kreislauf: Der digitale Batteriepass soll ab 2027 Herkunft, CO₂-Fußabdruck und Recycling-Daten von Batterien transparent machen. - © IM Imagery - stock.adobe.com

Es ist kein leichtes Unterfangen, doch der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sieht die Branche gut aufgestellt für die Vorgabe: Ab 2028 gelten verbindliche Rückgabequoten für die Batterien von Light Electric Vehicles und damit auch für E-Bikes. Durch den E-Bike-Boom der vergangenen Jahre sind immer mehr Fahrradbatterien in Umlauf gekommen. "Es bleibt eine Herausforderung für die gesamte Fahrradbranche, die Altbatterien nach der Nutzung wieder in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen und ordnungsgemäß zu entsorgen", sagt Katharina Hinse, Leiterin für Wirtschafts- und Industriepolitik beim ZIV.

Rückgabequoten ab 2028

Eine Rückgabequote von 51 Prozent ist die Vorgabe, bezogen auf das Gewicht der im laufenden Jahr gesammelten Altbatterien im Verhältnis zum Durchschnitt der in den drei Vorjahren in Verkehr gebrachten Batterien. Helfen soll dabei das gemeinsame Rücknahmesystem für E-Bike-Batterien, das der ZIV vor 15 Jahren mit der GRS Service GmbH ins Leben gerufen hat. Sowohl bei Herstellern als auch flächendeckend im Fachhandel finden sich Sammeltonnen der GRS, über die die Fahrrad-Akkus sicher zurückgegeben werden können.

Batteriepass ab 2027: Pflicht für bestimmte Batterietypen

Eine zweite zentrale Neuerung der EU-Batterieverordnung tritt bereits ein Jahr früher in Kraft: Ab dem 18. Februar 2027 ist der digitale Batteriepass für bestimmte Batterien Pflicht – nämlich für sämtliche Traktionsbatterien, Batterien von Zweirädern und Industriebatterien mit mehr als 2 kWh Kapazität. Denn schließlich sind Batterien und Energiespeicher ein wichtiger Bestandteil von Energiewende und Elektromobilität – aber gleichzeitig auch eine enorme Herausforderung für Nachhaltigkeit und Recycling. Der Batteriepass soll den Lebenszyklus von Batterien transparenter gestalten und die Kreislaufwirtschaft fördern. Er dokumentiert den gesamten Lebenszyklus einer Batterie – von der Produktion über die Nutzung bis hin zum Recycling – und soll Vertrauen schaffen, indem er verlässliche Informationen zu Herkunft, Zusammensetzung und Nachhaltigkeit von Batterien liefert.

Der Batteriepass ist Teil der EU-Batterieverordnung – und die gilt unter Experten als zentraler Baustein der europäischen Nachhaltigkeits- und Industriestrategie. Denn sie schafft ein unmittelbar geltendes, einheitliches Regelwerk für Batterien aller relevanten Typen – von Geräte- und Industriebatterien bis hin zu Traktionsbatterien für Elektrofahrzeuge. Dabei werden sowohl klassische Sicherheits- und Leistungsanforderungen geregelt als auch neue, weitreichende Pflichten eingeführt, die Herstellung, Nutzung und das Ende des Lebenszyklus von Batterien als zusammenhängendes System behandeln. Nachhaltigkeit, Transparenz und Kreislauffähigkeit werden auf diese Weise zu überprüfbaren regulatorischen Anforderungen.

Was Betriebe jetzt wissen müssen

Worum geht es? Der digitale Batteriepass ist eine zentrale Maßnahme der neuen EU-Batterieverordnung, die die Nachhaltigkeit und Transparenz in der Wertschöpfungskette von Batterien erhöhen soll.

Ab wann gilt die Pflicht? Ab dem 18. Februar 2027 für bestimmte Batterien, die in der EU in Verkehr gebracht werden.

Welche Batterien sind betroffen? Industriebatterien mit mehr als 2 kWh Kapazität, Elektrofahrzeugbatterien (Traktionsbatterien) sowie Batterien für leichte Verkehrsmittel wie etwa E-Bikes und E-Scooter.

Wie funktioniert der Pass? Er ist über einen QR-Code zugänglich und enthält Informationen zu Herkunft, Zusammensetzung, CO₂-Fußabdruck, Inhaltsstoffen sowie Daten zur Wartung und zum Recycling.

Welche Ziele verfolgt die EU? Förderung der Kreislaufwirtschaft, Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen und Unterstützung von Reparatur- und Wartungsprozessen.

Klare Regeln für Reparatur und Recycling

Die Neuregelung berührt Handwerksbetriebe vieler Branchen – von der Fahrrad- und Motorradwerkstatt über den Kfz-Betrieb bis zum Elektrohandwerk, das etwa bei seinen Kunden Stromspeicher für Photovoltaikanlagen verbaut. Und auch wenn sie mit entsprechenden Dokumentationspflichten verbunden ist – im Gegensatz zu vielen anderen EU-Vorgaben äußern die Branchenvertreter hier kaum Kritik an einem Zuviel an Bürokratie.

Wie genau die Betriebe vom Batteriepass profitieren und welche Aufgaben auf sie zukommen, dazu äußern sich die Branchenverbände allerdings durchaus unterschiedlich.

Aus Sicht der Kfz-Branche überwiegt der Nutzen. So sei der digitale Batteriepass zwar für Kfz-Betriebe mit Herausforderungen verbunden, letztlich aber sinnvoll, heißt es auch beim Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK). "Wenn E-Mobilität im Alltag funktionieren soll, brauchen wir mehr Transparenz für Kunden und mehr Verlässlichkeit – nur so kommt die Antriebswende auch wirklich bei den Menschen an", so ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Damit Elektromobilität nachhaltig funktioniert, brauche es klare Regeln für Reparatur und Recycling. Dazu gehörten auch standardisierte, frei zugängliche Informationen über Batteriezustände, wie sie der digitale Batteriepass zukünftig beinhaltet. Wichtig sei zudem die Einbindung regionaler Werkstätten in Reparatur- und Rücknahmeprozesse, so Peckruhn.

Batterien seien der Schlüssel für den Übergang zu klimafreundlicher Mobilität und zum breiten Einsatz erneuerbarer Energien, betont Thomas Knothe, Professor für Geschäftsprozess- und Fabrikmanagement am Fraunhofer IPK, das zum Projektkonsortium "Digitaler Batteriepass" gehört und die Kriterien entwickelt hat. Als wesentliche Komponente eines Elektrofahrzeugs müssten Batterien nachhaltig produziert, genutzt und aufwandsarm in den Materialkreislauf zurückgebracht werden, so der Experte. "Es gilt, den Lebenszyklus des gesamten Batteriesystems so weit wie möglich zu verlängern sowie die eingesetzten Rohstoffe, Materialien und Komponenten nach Erstnutzung wiederzuverwenden."

Hinzu kommt, dass transparente Lieferketten geschaffen werden müssen – von den Rohstoffen bis zur Montage der Batterie. Auch müssen Hersteller künftig sämtliche Emissionen dokumentieren, die bei der Herstellung, Nutzung sowie Entsorgung ihrer Produkte entstehen. Dies betrifft neben Elektroauto-Batterien auch LMT-Batterien (light means of transport), die in E-Bikes und E-Rollern verbaut sind.

Auch der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sieht Herausforderungen für die Betriebe, etwa durch die umfangreiche technische Integration digitaler Systeme und den zusätzlichen Verwaltungsdruck, betont aber auch die Chancen: "Auf der Plusseite stehen eine bessere Kundenbindung durch Transparenz, effizientere Reparatur- und Wartungsprozesse sowie eine mögliche Profilierung im Bereich Nachhaltigkeit", heißt es beim Verband.

Was der Pass dokumentiert

Der Batteriepass soll das Batterieleben nahtlos dokumentieren – von der Rohstoffgewinnung und Produktion über die Nutzung bis zur Wiederverwendung und zum Recycling. Er erfasst die Herkunft einer Batterie und protokolliert den relevanten Nutzungsverlauf. Dazu dokumentiert er Daten, die die Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit der Lieferkette umfassend beschreiben – wie beispielsweise den CO₂-Fußabdruck, Arbeitsbedingungen in der Rohstoffextraktion, Batteriematerialien und -komponenten, enthaltene Gefahrstoffe, Ressourceneffizienz, Leistung und Haltbarkeit, Bestimmung des Batteriezustands und Informationen zu Rezyklierbarkeit und Reparatur. Im Batteriepass enthaltene Demontageanleitungen sollen die aufwandsarme und möglichst vollständige Zweitverwertung der Batteriebestandteile unterstützen.

"Der Batteriepass bildet alle sozial, ökologisch und ökonomisch relevanten Informationen des Lebenszyklus einer Batterie digital ab. Durch die Bereitstellung von verifizierten und verifizierbaren Informationen kann er Transparenz schaffen, sogenannte Second Life-Anwendungen unterstützen oder die Verarbeitung bei Recyclingbetreibern optimieren", erläutert Knothe. Damit unterstütze er den Aufbau von nachhaltigen Geschäftsmodellen entlang der Batterie-Wertschöpfungskette unter Einhaltung relevanter Nachhaltigkeits- und Ethikkriterien. Umgesetzt wird der Batteriepass in Form eines Softwaresystems, in dem sämtliche Daten in verteilten Data Spaces gespeichert und dezentral verantwortet sind. Ändern sich Batteriedaten, müssen diese im Pass aktualisiert werden.

Neben einem Mehr an Transparenz eröffnet der Batteriepass auch neue Möglichkeiten für Unternehmen – von effizienteren Compliance-Prozessen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen im Zuge der Rücknahme von Batterien.

Der Batteriepass ist der erste digitale Produktpass, der auf europäischer Ebene eingeführt wird, und fungiert damit als Pilotprojekt: Weitere Pässe etwa zu Textilien, Elektronik und Baumaterialien sind bereits in Planung, um den Datenaustausch in der Liefer- und Wertschöpfungskette und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards zu fördern. Schon bald werden also weitere Branchen mit digitalen Produktpässen konfrontiert sein.