KfW-Konjukturprognose Privater Konsum stützt schwache Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft wird sich nach den Prognosen der KfW-Bankengruppe im Winterhalbjahr schwach entwickeln und sich erst zum Frühsommer etwas erholen. Als Grund nennt ihr neuer Chef-Volkswirt Jörg Zeuner vor allem die schlechte Wirtschaftsentwicklung in Südeuropa.

Karin Birk

"Auch 2013 wird das Wachstum wieder auf den privaten Haushalten ruhen", sagt Zeuner. Dabei werde die Konsumnachfrage der privaten Haushalte von einer stabilen Beschäftigung und leicht steigenden Einkommen getragen. Auch blieben Investitionen in den privaten Wohnungsbau weiter attraktiv.

Insgesamt erwartet Zeuner für 2013 ein Wachstum von 0,9 Prozent. Im August war die Bank noch von 1,5 Prozent ausgegangen. Für 2012 rechnet sie nach wie vor mit einem Plus von 1,0 Prozent. Für das zweite Halbjahr 2013 prognostiziert der Chef-Volkswirt wieder ein leichtes Anziehen des Exports. Zum einen rechnet er mit einer stärkeren Nachfrage aus den Schwellenländern und hier insbesondere aus China, zum anderen mehrten sich die positiven Anzeichen aus den USA. Auch beim Ölpreis sei kein Schock „weder in die eine noch in die andere Richtung“ zu erwarten.

Ausweitung der Kurzarbeiterregelung nicht nötig

Unterstützt werden dürfte die Exportwirtschaft nach den Prognosen der KfW-Bankengruppe neben der globalen Erholung durch einen etwas schwächeren Euro. Ingesamt rechnet Zeuner ab dem Frühjahr 2013 wieder mit Quartalswachstumszahlen von rund 0,5 Prozent, nach einem Minus von 0,2 Prozent in diesem Quartal und einer stagnierenden Wirtschaft im kommenden Quartal. Eine Ausweitung der Kurzarbeiterregelung ist seiner Ansicht nach deshalb nicht notwendig.

Mit Blick auf den Wohnungsmarkt sieht Zeuner noch keine Immobilienblase. Als Grund nennt er die Tatsache, dass trotz des sehr niedrigen Zinsniveaus ein sehr hoher Anteil der Investitionen aus Eigenkapital bestritten würde. Angesichts der anhaltenden Krise in Südeuropa hält er in den nächsten „vier bis fünf Monaten“ eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank für möglich.

Zeuner: "Produktivität muss steigen."

Von Seiten des Staates erwartet er angesichts der abgelaufenen staatlichen Konjunkturprogramme der vergangenen Jahre nur leicht steigende Investitionen. Mit Sorge sieht der Chef-Volkswirt, dass die Investitionen der Unternehmen weiter "im Minus" bleiben und die Innovationskraft des Mittelstandes kontinuierlich zurückgehe. Um bei einer alternden Gesellschaft langfristig den Wohlstand zu erhalten, müsse die Produktivität steigen. "Nur so kann das Pro-Kopf-Einkommen gehalten werden", warnt er.