Rechte und Pflichten Praxis-Tipps für die Betriebsprüfung in Corona-Zeiten

Die Zahlen der Corona-Neuinfektionen steigen nach wie vor stetig an. Das Finanzamt hindert das nicht, seine Prüfer in Handwerksbetriebe zu schicken. Für Unternehmer ist es wichtig, die eigenen Rechte und Pflichten zu kennen.

Das Wichtigste vorab: Das Finanzamt hat trotz Corona-Pandemie das Recht, Prüfungen in Handwerksbetrieben anzuordnen. Der Handwerker ist im Rahmen der Prüfung dazu verpflichtet, dem Prüfer des Finanzamts die angeforderten Unterlagen auszuhändigen oder zu bestimmten Sachverhalten Fragen zu beantworten.

Praxis-Tipp: Stellt das Finanzamt Fragen im Rahmen einer Betriebsprüfung und bekommt trotz mehrmaliger Rückfragen keine Antwort bzw. keine Unterlagen, kann ein Verzögerungsgeld von mindestens 2.500 Euro festsetzt werden.

Dieses Verzögerungsgeld ist auch während Corona erlaubt, kann jedoch verhindert werden. Ist der selbstständige Handwerker nicht in der Lage, die Fragen zeitnah zu beantworten, weil er wegen Corona zu wenig Personal hat oder Doppelschichten fährt, um die Liquiditätsengpässe im Betrieb zu vermeiden, sollte dem Prüfer das schriftlich mitgeteilt werden. Setzt er trotzdem ein Verzögerungsgeld fest, ist das ermessensfehlerhaft.

Antrag auf Verschiebung der Betriebsprüfung

Herrscht wegen der Corona-Pandemie und Kontaktbeschränkungen der Ausnahmezustand in Ihren betrieblichen Räumlichkeiten, können Sie für eine kurz vor dem Jahresende per Prüfungsanordnung angekündigten Betriebsprüfung auch einen Antrag auf Verschiebung ins nächste Jahr stellen. Bei einem gut begründeten Antrag wird das Finanzamt hier in aller Regel mitspielen.

Praxis-Tipp: Bei Begründung wegen der Corona-Pandemie dürfte die Verschiebung des Prüfungsbeginns ins nächste Jahr kein Problem sein.

Präsenz-Besprechungen mit dem Betriebsprüfer

Soll eine Besprechung mit dem Prüfer des Finanzamts stattfinden, können Sie darum bitten, dass alle Teilnehmer vorher einen Schnelltest durchführen lassen. Sollte der Prüfer das ablehnen, bitten Sie schriftlich um eine Online-Besprechung oder Telefonkonferenz.

Kommt der Anstoß zum Schnelltest vom Prüfer und sie möchten das nicht, wird der Prüfer Ihnen die Möglichkeit einer Online-Besprechung oder Telefonkonferenz anbieten. Lehnen Sie das ab, insbesondere, wenn es um eine Schlussbesprechung geht, kann der Prüfer seine Prüfung nach Aktenlage ohne Gespräch mit Ihnen abschließen, Ihnen einen Prüfungsbericht schicken und veranlassen, dass geänderte Steuerbescheide verschickt werden.

Praxis-Tipp: Nicht miteinander zu sprechen, ist bei Betriebsprüfungen ein elementarer Fehler. Denn im gemeinsamen Gespräch lassen sich Zweifel des Prüfers oder unbegründete Feststellungen schnell wegdiskutieren.

Auslagerung der Betriebsprüfung an den Steuerberater

Haben Sie keine Zeit für den Prüfer des Finanzamts und können bei Prüfung in Ihren betrieblichen Räumlichkeiten die Corona-Kontaktbeschränkungen nicht einhalten, können Sie veranlassen, dass die Prüfung bei Ihrem Steuerberater stattfindet. Vorteil: Die Steuerprofis sind unter sich und können sich auf Augenhöhe austauschen. Die Steuernachzahlungen fallen dann meist geringer aus. Nachteil: Sie sparen zwar Steuern, müssen aber mit einem höheren Beraterhonorar kalkulieren.

Praxis-Tipp: Planen Sie die Auslagerung der Betriebsprüfung in die Kanzleiräume des Steuerberaters, vereinbaren Sie unbedingt vorab, wie viel Sie dafür bezahlen müssen. Nur so lässt sich eine böse Überraschung in der nächsten Rechnung des Steuerberaters vermeiden.