Betriebe aus Handwerk und Mittelstand wollen auch im Jahr 2013 weiter Personal einstellen. Doch der Fachkräftemangel ist spürbar, so dass Unternehmen neue Wege zur Mitarbeitersuche einschlagen müssen. Dazu zählt das Personalmarketing über die eigene Webseite, Soziale Netzwerke und mobile Endgeräte.
Steffen Guthardt

Einstellen liegt weiter im Trend, trotz aller Sorgen um den Fachkräftemangel und die Eurokrise. Das gilt zumindest für mittelständische Unternehmen in Deutschland, wie eine neue Studie der Universität Bamberg zeigt. Demnach blicken vier von zehn Unternehmern positiv in die Zukunft, nur 16,4 Prozent machen sich wirkliche Sorgen. Fast alle mittelständischen Firmen (95 Prozent) planen Neueinstellungen noch in diesem Jahr. Dabei werden nicht nur ausscheidende Mitarbeiter ersetzt, sondern der Personalbestand wird ausgebaut. Rund jedes zweite Unternehmen will die Zahl seiner Mitarbeiter erhöhen.

Doch bei allem Optimismus, sehen es die Betriebe als große Herausforderung gerade ihre Spitzenpositionen mit geeigneten Fachkräften zu besetzen. Mehr als die Hälfte dieser Vakanzen wird in diesem Jahr schwer oder gar nicht zu besetzen sein, prognostizieren die Unternehmer.
Internet wird bei Mitarbeitersuche unverzichtbar
Doch wie können die Betriebe der Herausforderung am besten begegnen und den Wettbewerb um die besten Köpfe für sich entscheiden? Es kommt vor allem auf das richtige Personalmarketing an. Wer sich nur auf die klassische Ausschreibung von Stellen über Printmedien verlässt, riskiert viele passende Fachkräfte gar nicht zu erreichen.
Der Trend geht immer stärker zu digitalem Personalmarketing, wie die Ergebnisse der Studie "Recruiting Trends im Mittelstand 2013" zeigen, für die 1.000 Personalverantwortliche im Mittelstand befragt wurden.
Viele Unternehmer haben das schon erkannt. Rund sechs von zehn und damit die meisten freien Stellen werden bereits auf der eigenen Webseite ausgeschrieben. Der zweitwichtigste Kanal für die Veröffentlichung von Vakanzen ist die Bundesagentur für Arbeit, gefolgt von der Internet-Stellenbörse, Printmedien und Mitarbeiterempfehlungen. Alle Kanäle mit Ausnahme der Printmedien gewinnen im Jahresvergleich an Bedeutung.
Seite 2: E-Mail-Bewerbung wird Standard . >>>
Mit 22,4 Prozent resultieren die meisten tatsächlichen Einstellungen aus einer Stellenanzeige aber immer noch aus einem Printmedium. Dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr allerdings rückläufig. 21,7 Prozent aller Einstellungen werden über Internet-Stellenbörsen, 16,0 Prozent über die eigenen Unternehmens-Webseiten, 15,5 Prozent über die Bundesagentur für Arbeit und 12,6 Prozent über Mitarbeiterempfehlungen generiert. Dabei zeigt sich, dass insbesondere die Internet-Stellenbörse bei der Stellenausschreibung und der Generierung von Einstellungen an Bedeutung gewinnt.
Mit 57,0 Prozent gingen im Jahr 2012 erstmalig über die Hälfte aller Bewerbungen auf elektronischem Weg bei den Unternehmen ein. Papierbasierte Bewerbungsmappen bilden im Bewerbungseingang der antwortenden Mittelständler noch einen Anteil von 42,0 Prozent, ihre Entwicklung ist jedoch stark rückläufig. Die E-Mail-Bewerbung verzeichnet im Jahresvergleich einen Anstieg von 10,9 Prozentpunkten. Aktuell gehen 51,2 Prozent der Bewerbungen per E-Mail ein. Bewerbungen per Webformular (Formularbewerbungen) bilden derzeit im Bewerbungseingang der mittelständischen Firmen einen Anteil von 5,8 Prozent.
Social Media für Personalrekrutierung
Social Media sind aus Sicht der Mittelständler ein wichtiger Trend für die Personalbeschaffung. Zudem betrachten sie die Präsenz in und das Verstehen von Social-Media-Kanälen als wichtige Herausforderung.
Ein Viertel der befragten Mittelständler nutzt bereits Social Media in der Rekrutierung. Vor allem Xing und Facebook sind für Stellenausschreibungen und die aktive Suche nach interessanten Kandidaten attraktiv. Insgesamt veröffentlichen die Unternehmen etwa jede zehnte freie Stelle in Social Media, woraus 2,1 Prozent aller tatsächlichen Einstellungen resultieren.
Seite 3: Mobiles Bewerbermarketing und Direktansprache . >>>
Im Zuge der stark zunehmenden Nutzung von Smartphones und Tablet-PCs denken immer mehr Betriebe über Personalmarketing speziell über diese mobilen Endgeräte nach. Ein Viertel der Unternehmen glaubt, dass sich Kandidaten in Zukunft über mobile Endgeräte bei ihnen bewerben werden und dass die Ansprache von Kandidaten über mobile Endgeräte für die Rekrutierung sinnvoll ist. Um dem Trend gerecht zu werden, setzen aber erst wenige auf die mobil-optimierte Darstellung der eigenen Karriere-Webseite oder Online-Stellenanzeigen.
Ein weiterer Trend im Personalmarketing ist die Direktansprache von Kandidaten. Der am besten geeignete Kanal in laut Studie ein eigener unternehmensinterner Talent-Pool. Auch persönliche Netzwerke sind nach Meinung der befragten Mittelständler ein geeigneter Weg. Noch fast die Hälfte der Befragten denkt, dass sich Karriere-Events für Studenten und/oder Absolventen sowie Veranstaltungen wie Personalmessen oder Absolventenkongresse gut zur Direktansprache von Kandidaten eignen.
Internationaler Markt wird wichtiger
Für nahezu jedes zehnte mittelständische Unternehmen ist internationale Rekrutierung bereits wichtig. Die Zukunftsprognose der Studienteilnehmer für das Jahr 2017 besagt, dass internationale Rekrutierung dann bereits für etwa jedes vierte Unternehmen einen hohen Stellenwert haben wird. Die Bedeutung internationaler Rekrutierung wird somit nach Einschätzung der befragten Mittelständler steigen. Aktuell rekrutieren 1,5 Prozent der mittelständischen Unternehmen häufig, 4,6 Prozent regelmäßig und 41,4 Prozent selten Kandidaten aus dem Ausland für eine Tätigkeit in Deutschland. Über die Hälfte der Firmen verzichtet auf eine grenzüberschreitende Personalbeschaffung.